

Auch Nikolaus Schneider, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, unterstrich in seinem Grußwort die Bedeutung der Generalsynode für die heutige Zeit. „Gedenken an 1610 heißt: Die Glut von damals durch die Zeit tragen und für das Heute nutzen,“ so Schneider. Die Zusammenkunft der 36 Synodalen habe nichts Aufregendes, aber doch Erstaunliches bewirkt: den Mut zur Freiheit und zur Selbstständigkeit. Die Leitung der Kirche durch gewählte Gremien und nicht „von oben herab“ basiere auf der Initiative von Laien und der Gelassenheit im Umgang mit Unterschieden. Sein Fazit für die Gegenwart: „Was hindert uns, auf gesellschaftliche Veränderungen gelassen zu reagieren – gelassen im Umgang mit Differenzen, im versöhnten Umgang von Reformierten und Lutheranern, im Umgang mit gleichgeschlechtlich Liebenden und entspannt im interreligiösen Dialog?“ Das Motto des Jubiläums „wir sind so frei“ sei richtig und gut: „Die Mütter und Väter der Generalsynode waren so frei, Vorbild zu sein und Möglichkeiten der Weiterentwicklung zu eröffnen – wir sind so frei, das auch zu tun.“
Dr. Fritz Pleitgen, Geschäftsführer der Ruhr 2010 GmbH, kommentierte die Kirchengeschichte ganz persönlich: „Als Duisburger Junge bin ich stolz darauf, dass hier ein neues Denken begann.“ Und er lobte das kirchliche Engagement bei der Kulturarbeit. Es gäbe keine Berührungsängste von Seiten der Kirche und ein umfangreiches Programm. „Das Jahr der Kulturhauptstadt beginnt, und die Kirchen sind dabei“, so Pleitgen.
Oberbürgermeister Adolf Sauerland nutzte die Gelegenheit, auf „unbekannte Wegmarken“ in der Duisburger Stadtgeschichte hinzuweisen: z.B. die Universitätsgründung 1655, die Gründung des Johanniterordens im 12. Jahrhundert und eben die 1. Reformierte Generalsynode 1610. „Wo Geschichtsbewusstsein fehlt, fehlt das Selbstbewusstsein“, mahnte er. Und mit besonderem Blick auf den 500jährigen Geburtstag des berühmten Theologen, Mathematikers und Kartographen Gerhard Mercators im Jahr 2012 resümierte er: „Solche Daten sind ein Geschenk des Himmels.“ In ihrer Geschichte zeichne sich die Stadt Duisburg nicht durch materiellen Reichtum aus, aber durch Ideenreichtum – damals wie heute. Es mangele heute an Geld, aber nicht an Solidarität. „Wir sind Duisburg, und wir wollen diese Stadt stark machen,“ so Sauerland. Und: „Es gibt Wichtigeres als Zahlen, es gibt eine Zukunft.“
30. November 2009