Über den Umgang mit schmerzlichen Wahrheiten

Fritz Pleitgen - Bild: Sabine Merkelt-Rahm

Fritz Pleitgen auf der Kanzel

Fritz Pleitgen hielt Kanzelrede in der Duisburger Salvatorkirche


19. April 2010

 

Zur dritten Kanzelrede im Jubiläumsjahr der Generalsynode von 1610 begrüßte Pfarrer Armin Schneider, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Duisburg, den Vorsitzenden der Geschäftsführung der Ruhr 2010 GmbH Dr. Fritz Pleitgen. Der ehemalige WDR-Intendant sei als Journalist zu der prominent besetzten Veranstaltungsreihe eingeladen worden, „um ein klares Wort über Gott und die Welt zu sagen und damit auch christliche Existenz heute auszulegen“, so Schneider.


Pleitgens erstes klares Wort sorgte für Heiterkeit in der Salvatorkirche. Er sei zum Amt des Geschäftsführers gedrängt, ja beinahe gekidnappt worden, bekannte er freimütig und fügte hinzu, er als Duisburger Junge liebe allerdings die Herausforderung.
Er habe aber Mühe gehabt mit dem vorgeschlagenen Motto der Kanzelrede: „Wir sind so frei, bei der Wahrheit zu bleiben“. Für ihn klänge das zu apodiktisch, als werde kein Widerspruch geduldet. Man dürfe die Wahrheit aber nicht als Keule einsetzen.
Pleitgen legte das achtzehnte Kapitel des Johannesevangeliums aus, in dem Jesus vor Pilatus erscheint, und bezeichnete es als Schlüsselszene unserer Weltreligion. Er wies auf die antijudaistische Färbung des Textes hin die bis zu Luther und darüber hinaus die christliche Sicht beeinflusst habe. Man könne den Text für gemeingefährlich halten.


Andere Beispiele für gefährliche und gefährdete Wahrheiten entnahm Pleitgen dem modernen Journalismus. 

Der Afghanistanausschuss quäle sich mit der Frage nach der Wahrheit ab. Auch in den Golfkriegen sei die Wahrheit das erste Opfer gewesen. Russland und Georgien hätten sich bei ihren kriegerischen Auseinandersetzungen beide von großen PR-Agenturen vertreten lassen, die weit ab vom Geschehen aus Brüssel ihre Sicht der Dinge verbreiteten.


Bei der Flut der unüberprüfbaren Meldungen sei es für den Einzelnen schwer, der Wahrheit auf der Spur zu bleiben.


Wie unterschiedlich mit schmerzlichen Wahrheiten umgegangen würde, stellte Pleitgen am Beispiel der Bischöfe Käßmann und Mixa gegeneinander. Käßmann habe ihr Amt aufgegeben, aber ihre Würde und Glaubwürdigkeit behalten. Mixa sei zunächst weiter im Amt, aber seine Würde sei per du.  Das verdruckste Halbgeständnis, zu dem er sich neuerlich aufgerafft habe, könne daran nichts mehr ändern.


Wachsamkeit im Umgang mit den Medien und der Wahrheit sei geboten. Pleitgen warnte vor Selbstgerechtigkeit, man dürfe die Wahrheit nicht vor sich hertragen wie eine Monstranz. Mit dieser Einschränkung war der Journalist bereit, sich mit dem Motto seiner Kanzelrede nachträglich anzufreunden.

Text: Sabine Merkelt-Rahm



Weitere Informationen:
Die nächste Kanzelrede steht unter dem Motto „Wir sind so frei, etwas für Duisburg zu unternehmen“ und findet in der Salvatorkirche am 20. Juni 2010 um 10.00 Uhr statt. Rednerin ist die Duisburger Unternehmerin Gabriela Grillo.
Das Jubiläum „400 Jahre 1. Reformierte Generalsynode“ feiert die Evangelische Kirche im Rheinland unter dem Motto „wir sind so frei“ mit einer Vielzahl von Veranstaltungen und im September 2010 gleich mit einer ganzen Festwoche, in der eine Sondersynode eingebettet ist. Fünf Veranstaltungen des Jubiläums sind anerkannte Projekte der Kulturhauptstadt Europas Ruhr 2010. Für die Organisation zeichnen sich die Evangelische Kirche im Rheinland, der Evangelische Kirchenkreis Duisburg und die Evangelische Kirchengemeinde Alt-Duisburg verantwortlich.

 



Download - Manuskript - Kanzelrede - Dr. Fritz Pleitgen - 18-4-2010 Duisburg - PDF


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