Gabriela Grillo kommt es auf die Haltung an

Gabriela Grillo auf der Kanzel der Duisburger Salvatorkirche

Gabriela Grillo

Duisburger Unternehmerin auf der Kanzel der Duisburger Salvatorkirche


21. Juni 2010

Am letzten Sonntagmorgen stieg zur Gottesdienstzeit die Duisburger Unternehmerin Gabriela Grillo auf die Kanzel der Salvatorkirche. Als vierte Kanzelrednerin nannte sie ihr Thema leicht abgewandelt: „Wir Evangelischen sind so frei, etwas für Duisburg zu unternehmen.“ Sie knüpfte bei ihrer Familiengeschichte an. Die Grillos seien vor etwa vierhundert Jahren als hugenottische Glaubensflüchtlinge aus Italien ins Ruhrgebiet zugewandert. Um die gleiche Zeit fand die erste reformierte Generalsynode in Duisburg statt, zu deren Jubiläumsfeierlichkeiten auch die Reihe der Kanzelreden gehört.

Die Liedzeile des umstrittenen Dichters Ernst Moritz Arndt „Die Freiheit und das Himmelreich gewinnen keine Halben“ habe ihr Vater in ihr Poesiealbum geschrieben, so Grillo. Die Freiheit beinhalte das Recht auf unabhängige Meinungsbildung, sei aber kein Alibi für Glücksspiel, Dominanz und Besserwisserei.

Grillo, die in Köln Musikwissenschaft, Germanistik und Theaterwissenschaft studierte, wurde in ihrer Berufswahl nicht unter Druck gesetzt. Sie entschied sich aus freien Stücken für eine Karriere im Familienunternehmen, das schon in der fünften Generation vor Ort tätig ist.

Grillo nannte es wichtig authentisch zu sein, nicht stromlinienförmig. „Man muss seine Haltung aushalten und durchhalten“, sagte sie. Die Gesetze des Marktes seien nicht gottgegeben. Unternehmertum funktioniere nur durch Selbstverpflichtung. Grillo bedeute auf Italienisch zwar Grille, aber das sei kein Grund zur Heuschrecke zu werden.

Krisen bekämpfe man durch das Erkennen von Handlungsspielräumen, nicht durch den Ruf nach staatlichen Geldern. Das wäre für Grillo ein Rückfall ins Obrigkeitsdenken. Vor der Tür des eigenen Unternehmens könne sie sehen, dass weniger finanzielle Kraft oft mehr Engagement zum Vorschein brächte. Sie nannte ihr Umfeld liebevoll-spöttisch „Die Vereinten Nationen von Marxloh“.

Grillo engagiert sich in der Bürgerstiftung Duisburg, weil sie Ermutigung wichtig findet. Sie sprach vom Gänsehautgefühl eines geglückten Unternehmens, das man nicht allein erreichen könne. Nur die Bindung an ein Glaubensbekenntnis mache die Halben ganz. 

Text: Sabine Merkelt-Rahm

Hinweis:
Die nächste Kanzelrede steht unter dem Motto „Wir sind so frei, etwas für Duisburg zu unternehmen“ und findet in der Salvatorkirche am 29. August 2010 um 17.00 Uhr statt. Redner ist der Fernsehjournalist Ruprecht Eser.



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