Außerordentliche Landessynode - Zusammenhang von Armut und fehlender Bildung ist "Skandal"

Mangelnde Bildungsgerechtigkeit und eine Sicht, die Bildung nur noch nach ihrem wirtschaftlichen Nutzen bewertet, hat der Leiter der Abteilung Bildung der Evangelischen Kirche im Rheinland, Oberkirchenrat Klaus Eberl, beklagt.


"Bildungs- und Befähigungsgerechtigkeit werden heute schmerzlich vermisst. Skandalös ist der Zusammenhang von Armut und fehlender Bildung. Bildungsferne wird nach wie vor vererbt. In Stadtteilen mit armen Familien muss in Tageseinrichtungen für Kinder, in Schulen und der Kinder- und Jugendhilfe oft zuerst der nackte Hunger gestillt werden", erklärte er in seinem Impulsreferat auf der außerordentlichen Landessynode der rheinischen Kirche.

Selbst dort, wo die materielle Versorgung gewährleistet sei, greife seelische Armut um sich, konstatierte der Bildungsfachmann: "Viel zu viele Jugendliche verlassen die Schule ohne Abschluss. Viel zu selten lernen Kinder und Jugendliche mit besonderem Förderbedarf gemeinsam mit anderen." Dies liege zum erheblichen Teil an einem Bildungsverständnis, das den Nutzen und die unmittelbare Verwertbarkeit der Bildung in den Vordergrund stellt.

Im Geist der 1. Reformierten Generalsynode von 1610, an die mit der heutigen außerordentlichen Landessynode erinnert wird, müsse es auch in Zukunft darum gehen, dass Kirche Bildung stärke.

Religionsfreiheit in Deutschland ist Vorbild

Mit Blick auf die Religionsfreiheit hat der Pfarrer der deutschsprachigen Gemeinde in Istanbul, Holger Nollmann, das deutsche Modell der "fördernden Neutralität" des Staates gegenüber Religionsgemeinschaften gelobt. "Nicht zuletzt aufgrund meiner Erfahrungen mit dem türkischen Religionsrecht, das eine Mischung aus einem Gefahrenabwehr-Laizismus und einer aus Gründen der Staatsraison strikt hierarchischen Behandlung der Religionen darstellt, strahlt das bundesdeutsche Modell in besonders hellem Licht", sagte der EKD-Auslandspfarrer bei der außerordentlichen Landessynode.

Dies sei ein Erfolgsmodell, das historisch gewachsen, unter den Bedingungen einer wachsenden religiösen Pluralität aktuell anwendbar und auch für die Zukunft wandlungsfähig ist. "Ein Vorbild, für das es zu werben lohnt - auch und gerade in der Türkei", so Nollmann. Zu den Herausforderungen in Deutschland zähle "die Pflicht der christlichen Kirchen zu gegenseitigem Respekt und gegenseitiger Achtung". Zudem bestehe grundlegend die Pflicht zum Einspruch überall dort, wo die Religionsfreiheit verletzt und die wechselseitige Achtung ignoriert werde.

Quelle: www.ekir.de, 4.9.010



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