Huber sieht die Reformation als ökumenisches Ereignis

Dr. Wolfgang Huber auf der Kanzel der Duisburger Salvatorkirche - Bild Sabine Merkelt-Rahm

Dr. Wolfgang Huber

„Duisburg kann noch Reformation feiern“, sagte Liturg Harald Bewersdorff zur Begrüßung der vielen Protestanten, die Sturm und Regen getrotzt hatten, um in der Salvatorkirche am Reformationsgottesdienst teilzunehmen.

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PRESSEMITTEILUNG
Evangelischer Kirchenkreis Duisburg

3. November 2010

 

Huber sieht die Reformation als ökumenisches Ereignis

 

„Duisburg kann noch Reformation feiern“, sagte Liturg Harald Bewersdorff zur Begrüßung der vielen Protestanten, die Sturm und Regen getrotzt hatten, um in der Salvatorkirche am Reformationsgottesdienst teilzunehmen. Die Predigt hielt der ehemalige Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Alt-Bischof und Professor für Systematische Theologie Wolfgang Huber. Er bezeichnete die Reformation als ökumenisches Ereignis und begründete diese interessante Sicht auf Martin Luthers Thesenanschlag damit, dass der Wittenberger Reformator nicht im Sinn gehabt hätte, eine neue Kirche zu gründen. Vielmehr war sein Anliegen, das Verständnis des Glaubens aus den biblischen Quellen heraus zu erneuern. Von zentraler Bedeutung war für Luther dabei ein Satz aus dem Römerbrief: „So halten wir es nun, dass der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben“(Röm.3, 28).

Luthers Erkenntnis hatte weitreichende Konsequenzen. Das neue, protestantische Verständnis von der Gerechtigkeit aus Glauben ohne Unterschied bahnte den Weg zur synodalen Kirchenverfassung der ersten reformierten Generalsynode von 1610. Aus demselben Geist, der Theologen und Laien unterschiedslos in den Dienst der Verkündigung stellt, sei auch die Veranstaltungsreihe der Kanzelreden entstanden. Im Jubiläumsjahr der Generalsynode waren prominente, ungebundene Prediger eingeladen, auf der Salvatorkanzel ihr Verständnis des Glaubens darzulegen.

Alt-Bischof Huber forderte die Gemeinde auf, „… sich nicht behaglich im eigenen Stallgeruch einzurichten“. Für evangelische Christen läge der Kern jeder Integrationsdebatte da, wo Gott alle Menschen ohne Unterschied annehme. Es sei unwürdig, das politische Geschehen nur von der Couch der Zuschauerdemokratie aus zu verfolgen. Huber sagte: „Wir sind alle unseres Bruders Hüter“.

Mit Blick auf die Demonstrationen auf dem Burgplatz nach der Love-Parade fügte er hinzu: „Wir können die Verantwortung für das Leben nicht auf Einzelne abwälzen“.

Auf dem anschließenden Empfang sagte der Präses der rheinischen Landeskirche, Nikolaus Schneider erfreut: „Diese Stadt ist heute einkaufsfrei!“  Im Gegensatz zu Düsseldorf und Essen war der einunddreißigste Oktober in Duisburg kein verkaufsoffener Sonntag.

Text: Sabine Merkelt-Rahm

Weitere Informationen:

Vor 400 Jahren schrieben die Protestanten am Niederrhein Kirchengeschichte. Die 1. Reformierte Generalsynode in der Duisburger Salvatorkirche im September 1610 hat die Grundlagen für das Selbstverständnis der heutigen Evangelischen Kirche im Rheinland geschaffen – als Gemeinschaft von Gemeinden und als „von unten“ her aufgebaute Kirche mit presbyterial-synodaler Ordnung. In feudalistischer Zeit kamen 28 Pfarrer und acht Laien zusammen und legten fest, dass die evangelischen Gemeinden sämtliche "Kirchensachen" selbstständig zu verhandeln haben und die Leitung der Kirche in den Dienst von gleichberechtigten Theologen und Laien zu stellen ist. Sie legten den Grundstein für die 1835 eingeführte rheinisch-westfälische Kirchenordnung. Die Entscheidungen in Duisburg 1610 stehen nach wie vor auch Pate für ehrenamtliches Engagement in der Gesellschaft.

Das Jubiläum „400 Jahre 1. Reformierte Generalsynode“ feiert die Evangelische Kirche im Rheinland unter dem Motto „wir sind so frei“ mit einer Vielzahl von Veranstaltungen - im September 2010 gleich mit einer ganzen Festwoche, in die eine Sondersynode eingebettet war. Fünf Veranstaltungen des Jubiläums sind anerkannte Projekte der Kulturhauptstadt Europas Ruhr 2010. Für die Organisation zeichnen sich die Evangelische Kirche im Rheinland, der Evangelische Kirchenkreis Duisburg und die Evangelische Kirchengemeinde Alt-Duisburg verantwortlich.

Das Jubiläum „400 Jahre 1. Reformierte Generalsynode“ unterstützen die Unternehmen Haniel, Grillo, KD-Bank, Sparkasse Duisburg, Volksbank Rhein-Ruhr, ElectronicPartner und der Verein für Rheinische Kirchengeschichte. Die Wilhelm-Schrader-Stiftung der Evangelischen Kirche im Rheinland lobt die drei ersten Preise des Wettbewerbs für Schülerinnen und Schüler im Rahmen des Jubiläums „400 Jahre 1. Reformierte Generalsynode“ aus. Die Wilhelm-Schrader-Stiftung fördert u.a. Forschungs- oder Schulprojekte zu Geschichte, Gegenwart oder Zukunft der evangelischen Kirche.

Weitere Informationen zum Jubiläum „400 Jahre 1. Reformierte Generalsynode“ und zu allen Veranstaltungen unter www.wir-sind-so-frei.de

Kontakt:

Evangelischer Kirchenkreis Duisburg
Rolf Schotsch
Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Am Burgacker 14 – 16
47051 Duisburg
Tel.: 0203/2951-3-501
Fax: 0203/2951-4-191
ev.pressestelle@kirche-duisburg.de
www.kirche-duisburg.de

PREDIGT VON DR. WOLFGANG HUBER HIER ALS PDF ZUM DOWNLOAD



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