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Ökumenische Sommeruniversität
vom 31.7.-6.8.06 in Hofgeismar
Unter dem Titel „Globalisierung und die ökumenische Bewegung“ trafen sich ca. 90 Teilneh-mer/innen zur 8. Ökumenischen Sommeruniversität in Hofgeismar, um eine kritisch-kreative Nachlese zur VV des Ökumenischen Rates in Porto Alegre zu halten. Sie debattierten auch über weiterführende Ansätze, wie die Ökumenische Bewegung für wirksame Alternativen zur gegenwärtigen neoliberalen Globalisierung eintreten kann. Veranstalter der Sommeruniversität waren das Plädoyer für eine ökumenische Zukunft, der Ev. Entwicklungsdienst und die Ev. Akademie Hofgeismar.
Teil des Programms war die Zusammenkunft einer Gruppe junger Ökumeniker/innen MEET (More Ecumenical Empowerment Together), die sich erstmals trafen und sich für eine künftige Zusammenarbeit verabredeten.
Mit größter Sorge und Erschütterung haben die TeilnehmerInnen die Kriegshandlungen im Libanon verfolgt und wahrgenommen, in welchem Ausmaß die Zivilbevölkerung im Nahen Osten zum Opfer gemacht wird. Wir sehen mit großer Trauer, wie Ansätze für einen Frieden zunichte gemacht werden.
Daher ist unsere dringende Bitte,
· dass die Kirchen die Friedensbewegungen in Israel, in Palästina und im Libanon unterstüt-zen, der Krieg beendet wird, Verhandlungen mit der Hisbollah geführt und Gefangene ausge-tauscht werden;
· dass die Grenzgebiete durch die libanesische Armee zusammen mit einer internationalen Truppe kontrolliert werden, die Hisbollah und die israelische Armee sich aus den Grenzgebie-ten zurückziehen und der Sicherheitsrat der UN ein Waffenembargo verhängt;
· dass die kirchlichen Hilfswerke, verstärkt zum Einsatz kommen, um eine Hungersnot im Libanon zu verhindern und den Opfern des Krieges zu helfen.
Mit großer Sorge nahmen die Teilnehmer/innen außerdem wahr,
· dass das Echo auf Porto Alegre in der deutschen Öffentlichkeit und in vielen deutschen Landeskirchen sehr distanziert war, obwohl die Arbeit des Ökumenischen Rates sich konsoli-diert hat und die Vollversammlung nach Darstellung vieler Teilnehmer wichtige und weiterfüh-rende Beschlüsse gefasst hat;
· dass in dem neuen EKD-Impulspapier „Kirche der Freiheit“ über die Zukunft der Kirchen in Deutschland die weltweite Ökumene und die Frage nach Einsatz für mehr Gerechtigkeit keine nennenswerte Rolle spielen.
Dagegen sprachen sich die Teilnehmer/innen dafür aus,
· dass die Kirchen in Deutschland auch weiterhin den ÖRK als DAS multilaterale Instrument der Ökumenischen Bewegung begreifen, daran teilhaben und es stärken. Die Kommunikations-strukturen zwischen ÖRK und EKD sollen verbessert werden;
· dass die Diskussion über Alternativen zur gegenwärtigen neoliberalen Globalisierung fortgesetzt und weiterentwickelt wird entsprechend dem Agape- Aufruf der VV. Dabei müssen die Stimmen der Kirchen aus dem Süden besonders gehört werden;
ÖSU Hofgeismar, Erklärung S.1
· dass der von der Kammer für nachhaltige Entwicklung der EKD vertretene Ansatz der Globalisierung der Menschenrechte veröffentlicht und weiterverfolgt werden soll.
Konkret forderten die Teilnehmer/innen
zum Thema Welthandel:
· Menschen haben Vorrang in der Gestaltung von Politiken. Die Kirchen haben den Auftrag, auf die Folgen hinzuweisen, die ein ungerechtes Welthandelssystem vor allem für Arme und Benachteiligte hat.
· Verantwortliche Regierungsstellen sollen Menschenrechts- und Umweltstandards in der Welthandelsorganisation (WTO) zur Geltung bringen, die ihre Verantwortung für eine menschengerechte Entwicklung der Weltwirtschaft bislang abstreitet.
· Diejenigen, die die europäische und deutsche Landwirtschaftspolitik verantworten, sollen ihre Subventionspraxis dahingehend verändern, dass eine ökologisch verträgliche Wirt-schaftsweise bevorzugt wird.
· Die Kirchen sollen ihre Kompetenzzentren erhalten und ausbauen, die uns in die Lage versetzen, wirtschaftliche und soziale Entwicklungen weltweit zu beurteilen, für die Be-lange der Armen und Benachteiligten einzutreten sowie eine entsprechende Bildungsarbeit in den Kirchen wirkungsvoll unterstützen.
· Die Kirchen sollen dafür Sorge tragen, dass kirchliche Ausbildungsgänge größeres Gewicht auf wirtschaftliche Zusammenhänge und soziale Entwicklungen legen.
· Die Akteure im Fairen Handel sollen - ergänzend zur betriebswirtschaftlichen Professionalisierung der Weltläden - die Debatte über gerechten Handel verstärkt führen. Die Fairhandelsbewegung und besonders die Weltläden sollen in ihrer politischen Bildungsarbeit zu den weltweiten Handelsbedingungen noch mehr qualifiziert werden.
· Kirchliche Einrichtungen sollen bevorzugt regionale, ökologische und fair gehandel-te Produkte verwenden.
· Im kirchlichen Beschaffungswesen, insbes. in der Wirtschaftsgesellschaft der Kirchen in Deutschland, sollen soziale und ökologische Kriterien Anwendung finden.
zum Thema Finanzen:
· Die Kirchen sollten sich vehement dafür einsetzen, dass das „ethische Rating“ (Prüfung und Bewertung von Finanzunternehmen nach sozialen und ökologischen Kriterien) als allgemeine Verpflichtung eingeführt wird (in Analogie zur Verpflichtung zu Verbraucherin-formationen bei Lebensmitteln).
· Aufklärungs- und Bildungsarbeit zu Themen im Zusammenhang der weltweiten Finanzmärkte und des eigenen Umgangs mit Geld muss einen festen Platz in den Kirchen erhalten (z.B. Konfirmandenunterrichtsentwürfe, Erwachsenenbildung...). Um unsere eigene Abhängigkeit von wachsenden Geldmengen zu reduzieren, müssen wir als Christen die Überle-gungen über eine „Gesellschaft des Genug“ und über „Suffizienz“ unterstützen und zu ihrer Realisierbarkeit beitragen.
· Den Kirchen wird dringend empfohlen, ihr eigenes Finanzgebaren kritisch und systematisch in den Blick zu nehmen, insbesondere ihre Rücklagenpolitik nach ethischen Krite-rien gestalten (ethisches Investment).
ÖSU Hofgeismar, Erklärung S. 2
· Die Kirchen sollen sich für eine Korrektur des Zinssystems einsetzen, z.B. durch die Einführung einer Besteuerung von Finanztransaktionen an den Börsen. Dies dient der Entschleunigung der Spekulationsgeschäfte und setzt gleichzeitig erhebliche Mittel zur Ver-wirklichung der Millenniums-Entwicklungsziele frei.
in Bezug auf die Pharmaindustrie:
· dass die Kirchen und entwicklungspolitischen NGOs den kritischen Dialog mit der Pharmaindustrie fortsetzen (GKKE-Dialogprogramme, BUKO-Pharmakampagne)
· Die Forderungen des Aktionsbündnisses gegen Aids nach Zugang zu auch für die Armen erschwinglichen Medikamenten sind auf allen Ebenen kirchlichen Handelns zu unterstützen.
· Die Bundesrepublik soll die zugesagten Mittel für den Global Fund for HIV/Aids, Malaria and Tuberculosis in voller Höhe von 200 Millionen € (?) jährlich bereitstellen.
in Bezug auf die Unterstützung der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte
· die Alphabetisierung in Menschenrechtsfragen in die entwicklungspolitische Bildungsarbeit aufzunehmen,
· dass sich Gemeinden und Synoden für das Menschenrecht auf Wasser und gegen dessen Privatisierung vor Ort und weltweit aussprechen,
· dass Akademien und andere kirchliche Einrichtungen Getränke des Coca Cola-Konzerns, der den Zugang zu Wasser in Südindien massiv einschränkt, nicht mehr anbieten.
· Extraktive Industrien (z.B. Bergbau, Ölförderung) sollen erkennbarer als bisher die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte der Menschen in den Fördergebieten berück-sichtigen. Der besonders schädliche Abbau von Uranerz soll sofort und unwiderruflich ganz eingestellt werden.
Das Plädoyer für eine ökumenische Zukunft wird die Beiträge und Ergebnisse der 7-tägigen Beratungen dokumen-tieren. Zu beziehen bei: Werner Gebert, Banweg 14, 72131 Ofterdingen, 07473 –95 98 98, euw.gebert@t-online.de
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Nachschlag (später hinzugefügt; nicht im Plenum abgestimmt)
in Bezug auf die Atomindustrie:
· Die Beendigung von Uranerzabbau, Weiterverarbeitung, Anreicherung, Entwicklung und Einsatz von radioaktivem Material.
· Jegliches Installieren, Lagern und Verwenden von Nuklearwaffen weltweit.
· Einhaltung des seitens der letzten Bundesregierung gesetzkonformen Beschlusses zur Abschal-tung aller Atomkraftwerke bundesweit mit der Empfehlung, schrittweise alle AKW europaweit und weltweit still zu legen
· Beschränkung der Forschung in Atomphysik und Nukleartechnik auf den Sektor lebenswichti-ger heilender Nuklearmedizin
· Vervollkommnung der Entsorgungssicherheit radioaktiven Atommülls in der Region des Verursachers
Die Teilnehmer empfehlen, die Franz-Moll-Stiftung durch Spenden zu unterstützen (www.nuclear-free.com)
ÖSU Hofgeismar, Erklärung S. 3
Presseerklärung
Unter dem Titel „Globalisierung und die ökumenische Bewegung“ trafen sich ca. 90 Teil-nehmer/innen zur 8. Ökumenischen Sommeruniversität in Hofgeismar, um eine kritisch-kreative Nachlese zur VV des Ökumenischen Rates in Porto Alegre zu halten. Sie debattierten auch über weiterführende Ansätze, wie die Ökumenische Bewegung für wirksame Alternativen zur gegen-wärtigen neoliberalen Globalisierung eintreten kann. Veranstalter der Sommeruniversität waren das Plädoyer für eine ökumenische Zukunft, der Ev. Entwicklungsdienst und die Ev. Akademie Hofgeismar.
Teil des Programms war die Zusammenkunft einer Gruppe junger Ökumeniker/innen MEET (More Ecumenical Empowerment Together), die sich erstmals trafen und sich für eine künftige Zusammenarbeit verabredeten.
Mit größter Sorge und Erschütterung haben die TeilnehmerInnen die Kriegshandlungen im Libanon verfolgt und wahrgenommen, in welchem Ausmaß die Zivilbevölkerung zum Opfer gemacht wird. Wir sehen mit großer Trauer, wie die Ansätze für einen Frieden im Nahen Osten vollends zunichte gemacht werden.
Daher ist unsere dringende Bitte,
· dass die Kirchen die Friedensbewegungen in Israel und Palästina unterstützen, der Krieg beendet wird, Verhandlungen mit der Hisbollah geführt und Gefangene ausgetauscht werden;
· dass die Grenzgebiete durch die libanesische Armee zusammen mit einer internationalen Truppe kontrolliert werden, die Hisbollah und die israelische Armee sich aus den Grenzgebieten zurückziehen und der Sicherheitsrat der UN ein Waffenembargo verhängt;
· dass die kirchlichen Hilfswerke, verstärkt zum Einsatz kommen, um eine Hungersnot im Libanon zu verhindern und den Opfern des Krieges zu helfen.
Mit großer Sorge nahmen die Teilnehmer/innen außerdem wahr,
· dass das Echo auf Porto Alegre in der deutschen Öffentlichkeit und in vielen deutschen Landeskirchen sehr distanziert war, obwohl die Arbeit des Ökumenischen Rates sich konsolidiert hat und die Vollversammlung nach Darstellung vieler Teilnehmer wichtige und weiterführende Beschlüsse gefasst hat;
· dass in dem neuen EKD-Impulspapier „Kirche der Freiheit“ über die Zukunft der Kirchen in Deutschland die weltweite Ökumene und die Frage nach Einsatz für mehr Gerechtigkeit keine nennenswerte Rolle mehr zu spielen scheinen;
Dagegen sprachen sich die Teilnehmer/innen dafür aus,
· dass die Kirchen in Deutschland auch weiterhin den ÖRK als das multilaterale Instrument der Ökumenischen Bewegung begreifen, daran teilhaben und es stärken. Die Kommunikations-strukturen zwischen ÖRK und EKD sollen verbessert werden;
· dass die Diskussion über Alternativen zur gegenwärtigen neoliberalen Globalisierung fortgesetzt und weiterentwickelt wird entsprechend dem Agape- Aufruf der VV. Dabei sollten die Stimmen der Kirchen aus dem Süden besonders gehört werden;
dass der von der Kammer für nachhaltige Entwicklung der EKD vertretene Ansatz der Globali-sierung der Menschenrechte veröffentlicht und weiterverfolgt werden sollte.
Konkrete Forderungen der Teilnehmer/innen zum Welthandel, den Finanzmärkten, zur Pharma-industrie, zur Atomindustrie und zur Umsetzung der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Menschenrechte sind in einer ausführlicheren Tagungserklärung festgehalten.
Kontakt: Werner Gebert, Banweg 14, 72131 Ofterdingen, 07473 –95 98 98, euw.gebert@t-online.de
ÖSU Hofgeismar, Erklärung S. 4
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