Theaterstück

Theaterstück

Marketing Abteilung Himmel. Ein Tisch, um ihn sitzen 5 Engel, einer am Kopfende mit Handy am Ohr (Gott), vor so vielen wie Möglich ein Laptop, eine Bibel auf dem Tisch. Im Hintergrund ein abfallendes Diagramm des HGX (Himmlischer Glaubens-Index). Die Atmosphäre ist gespannt. Engel 1 telefoniert.
ENGEL 1: Ja... ja, Chef... Mhm, jaja... OK! Ja, Auf Wiederhören.
ENGEL 2: Und, was hat er gesagt?
ENGEL 1: Nun, meine lieben Mitengel, der HGX, der Himmlische Glaubens-Index fällt ab. Gott will wieder Schwung in die Sache bringen, er will seine Botschaft wieder unter's Volk bringen. Wir sollen uns was ausdenken.
Schweigen
ENGEL 3: Eine Sintflut, hat schon mal ganz gut geklappt!
ENGEL 4: Ja, aber das ist zu alt, und wo sollen wir das Wasser herkriegen?
ENGEL 2: Außerdem, dann ist die Sache mit dem Regenbogen unglaubwürdig.
Schweigen
ENGEL 5: Eine Feuer- und Wolkensäule wie damals in der Wüste.
ENGEL 1: Wie meinst'n das? Ich war damals noch nicht dabei, kannst du das noch mal erklären?
ENGEL 5: Gott zog vor seinem Volk her, als sie durch die Wüste wanderten, tags in einer Wolkensäule, nachts in einer Feuersäule. Ich kann dir sagen, das war was, so eine Säule! Gigantisch, eine super Sache.
ENGEL 3: Hatten wir doch auch schon.
ENGEL 2: Ja.
ENGEL 4: Ein brennender Busch vielleicht.
ENGEL 1: Nicht schon wieder.
ENGEL 2: Immer muss bei dir was brennen.
Das Telefon klingelt.
ENGEL 1: Ja, ah Chef, ja... aha... oh, das ist gut, Moment. Er will auf der Erde Mensch werden.
ENGEL 2: Wie?
ENGEL 1: Wie?... Aha, ja... Er will seinen Sohn schicken.
ENGEL 3: Ich wusste gar nicht, dass er einen Sohn hat.
ENGEL 1: Sie haben einen Sohn? ... Aha, ja, OK. Er will einen Sohn bekommen, als Mensch auf der Erde.
ENGEL 4: Das ist absolut genial.
ENGEL 5: Und wie stellen wir das an? Ich meine, er muss ja zuerst geboren werden, aber wie?
ENGEL 1: Wie? Aha... ja, OK, danke tschüss. Wir sollen nachgucken bei Micha 5, Vers 1.
ENGEL 4: Aha! Blättert in der Bibel. Hier: Doch dir Bethlehem im Gebiet der Sippe Efrat, lässt der Herr sagen: „So klein du bist unter den Städten in Juda, aus dir wird der Mann kommen der künftig Israel führen wird.“ Dann muss er natürlich aus dem Hause Davids sein!
ENGEL 2: Blättert in einem kleinen Heftchen. Ja, da haben wir jemanden, Joseph heißt er, seine Frau heißt Maria. Die sind aber in Nazareth.
ENGEL 3: Blättert im Terminkalender. Ja, da ist aber bald Volkszählung, da muss er nach Bethlehem. Dann geht’s.
ENGEL 4: Weißt du wie schwer man dann dort ein Zimmer kriegt?
ENGEL 3: Das ist es ja! Armut, Armut, die kommt immer gut. Er wird in einem... einem... einem Stall geboren.
ENGEL 5: Das kriegt dann doch keiner mit.
ENGEL 1: Dann lassen wir wieder einen Stern am Himmel scheinen, vielleicht lockt der ja ein paar Sterngucker aus dem Osten an.
ENGEL 4: Oder einen brennenden Busch.
Alle: Nein!
ENGEL 2: Das ist aber echt in Ordnung, was macht er danach?
ENGEL 5: Wunder! Er vollbringt Wunder, das kommt immer gut.
ENGEL 1: Sehr gute Idee, welche?
ENGEL 3: Blinde können wieder sehen
ENGEL 4: Lahme können gehen.
ENGEL 2: Lepra, Lepra ist im Moment hoch im Kurs.
ENGEL 5: Vielleicht sogar Tote auferwecken.
Alle: Oh! Klopfen auf den Tisch.
ENGEL 1: Und dann, jetzt hat er die Wunder vollbracht und dann?
Schweigen, wird vom Telephonklingeln unterbrochen.
ENGEL 1: Ja... Gut dass sie anrufen, wir haben super Ideen, er wird in einem Stall geboren... Ja, wir lassen einen Stern scheinen. Dann vollbringt er noch Wunder, ja, aber jetzt hängen wir so ein bisschen... Wie? Chef, das ist unglaublich... Genial, Chef, das, Moment. Er will die Menschheit erlösen!
ENGEL 2: Wie das?
ENGEL 1: Äh, wie?... Ja, ja, fantastisch. Er will für die Menschheit sterben und die Sünden der Welt auf sich nehmen.
ENGEL 3: Boah!
ENGEL 1: Wir sollen uns was ausdenken.
ENGEL 5: Sterben für die Menschheit, das ist absolut genial.
ENGEL 4: Dem müssen die Menschen aber echt einiges bedeuten.
ENGEL 3: Würdest du das machen?
ENGEL 1: Weiß nicht? Wie auch immer, wie stirbt er.
ENGEL 2: Stirbt er von selbst, oder wird er umgebracht.
ENGEL 3: Bitte nicht Altersschwäche, da müssen wir so viel planen.
ENGEL 4: Er wird umgebracht, das bringt immer mehr Publicity, als von selbst.
ENGEL 5: Von wem?
ENGEL 1: Von wem wohl, den Römern. Die finden schon einen Grund.
ENGEL 2: Was kriegt man da so?
ENGEL 3: Kreuzigung.
ENGEL 4: Das ist gut, Kreuzigung ist gut. Da hat er viel Zeit noch pathetische Dinge zu sagen.
ENGEL 5: Das ist aber auch sehr qualvoll, meinst du so weit will er gehen. Immerhin waren ihm die Menschen nie wirklich treu.
ENGEL 1: Moment, ich ruf an. Er wählt. Ja, Chef... ja, wir hatten da so eine Idee. Ja, der Tod soll eine Kreuzigung sein und das ist ja sehr qualvoll und wir wollten fragen ob... Ja, Chef, natürlich. Ich meine die Menschen haben ihnen ja nie wirklich viel gedankt und so... Ja Chef, sehr gut Chef. Danke Tschüss. Ihm ist das egal, er liebt die Menschen. Dafür lässt er sich auch kreuzigen.
ENGEL 2: Die bedeuten ihm wirklich einiges.
ENGEL 3: Dann ist er also tot und dann, wenn er stirbt denken doch alle er war nur ein Mensch, höchstens ein Prophet und vergessen ihn.
Schweigen
ENGEL 4: Er könnte auferstehen.
ENGEL 5: Das ist gut! Nur ein Problem. Die rollen jetzt im Moment immer so schwere runde Steine vor die Gräber, wie will der da raus?
ENGEL 1: Einer von uns geht runter und hilft ihm. Das wird schon.
ENGEL 2: Das gibt so unglaublich viel Publicity, das muss sie einfach überzeugen. Es muss!
ENGEL 3: Und wenn die ihm nicht glauben, dass er es ist? Ich meine, das wäre ja verständlich.
ENGEL 4: Der hat doch dann Wunden, die zeigt er den Menschen. Die werden’s dann sicher glauben.
ENGEL 5: Ja, ich glaube, das wird was. Das ist eine fantastische Idee von Gott. Was gibt es einen besseren Weg um zu zeigen, dass er die Menschheit liebt, als dass er für sie stirbt und sie so von allen Sünden erlöst.
Schweigen.
ENGEL 1: Und wenn sie es dann immer noch nicht glauben?
Licht aus

Copyright: Felix Weyer


Predigt
Für uns?