Lebendiges Wasser - geschöpftes Leben

Mit dem Wasser als dem Urstoff des Lebens beschäftigt sich der GOalive-Gottesdienst am 7.9.2008 um 17.30 Uhr in der Ev. Maria-Magdalenen-Kirche auf dem Saarbrücker Eschberg. Noch in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts waren die Gewässer dieser Erde lebensbedrohlich verschmutzt. Ein immer stärker werdendes Bewusstsein für den Wert der Schöpfung hat dazu geführt, dass diese Entwicklung umgekehrt werden konnte. Beispielhaft könnte das sein für den Umgang mit allen anderen Elementen der Schöpfung. Aber auch Beispielhaft für den Umgang mit dem christlichen Glauben. Denn Jesus Christus hat den Glauben an sich auch als lebendiges Wasser bezeichnet.
Die Moderatorin Margrit Zimmer-Schorr, das Theaterteam, die Band, Pfarrer Christian Weyer und das ganze GOalive-Team gestalten ein neues Gottesdiensterlebnis zu diesem spannenden Thema. Dazu gibt den parallel verlaufenden KIDSalive für Kinder. Ab 16 Uhr ist auch das GOalive-Cafe geöffnet.



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GOalive-Predigt am 7.9.2008

Bisher war ich immer der Meinung, dass Gott bei der Schöpfung einen eigenen Schöpfungsakt auf das Wasser verwendet hätte. Als ich in der Bibel nachgelesen habe, musste ich feststellen, dass das nicht so ist. Das Wasser wird mit Himmel und Erde in einem Atemzug sozusagen als Voraussetzung für alle weiteren Schöpfungswerke genannt: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.“ (1. Mose 1,1-2) Wasser ist also so etwas wie ein Grundstoff der Schöpfung. Etwas, was von Anfang an selbstverständlich dazugehört.

Aber eben noch viel mehr: Der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser – heißt es. Gott und das Wasser gehen von Anfang an eine besondere Verbindung ein.
Und später wird es sogar noch erstaunlicher: „Und Gott sprach: Es werde eine Feste zwischen den Wassern, die da scheide zwischen den Wassern. Da machte Gott die Feste und schied das Wasser unter der Feste von dem Wasser über der Feste. Und es geschah so. Und Gott nannte die Feste Himmel. Da ward aus Abend und Morgen der zweite Tag.“ (1. Mose 1,6-8)
Dahinter steht die Vorstellung eines Himmelsgewölbes in Form einer Schale, das die gewaltigen Wassermassen in zwei Hälften teilt: In das Wasser auf der Erde und in das Wasser über dem Himmel, das nach dieser mythologischen Vorstellung dem Himmel seine Blaufärbung gibt. Firmament hat Martin Luther diese Feste zwischen den Wassern in seiner Bibelübersetzung genannt. Und wir sagen ja bis heute: Die Sterne am Firmament. Diese Redensart ist aus der Bibel abgeleitet, aus dem Begriff der Feste zwischen den Wassern

Nun könnte man natürlich sagen: Das ist eine mythologische Weltdeutung einer von heute aus gesehenen primitiveren Kulturstufe. Aber ist diese Weltdeutung wirklich so primitiv? Und kann man sie so leichthin als mythologisch antun?

Ich denke nicht. Denn die gesamte Schöpfungsgeschichte ist voller Weisheit und Erkenntnis. Die gesamte Schöpfungsgeschichte offenbart uns erstaunliche wissenschaftliche Erkenntnisse, die auch mit den Erkenntnissen heutiger Wissenschaft im Einklang stehen. Damit meine ich nicht den Kreationismus, der behauptet, die Erde sei genau so geschaffen worden, wie es in der Bibel steht – und das sei alles vor ungefähr 5000 Jahren geschehen. Wer die Schöpfungsgeschichte der Bibel so auslegt, der versteht ihren Sinn nicht. Die erste Schöpfungsgeschichte der Bibel will Gott nicht auf ein Zeitschema festlegen, sondern sie beschreibt, wie Gott aus dem einen das andere hat entstehen lassen, wie er Urgrund, Entwickler und Beweger der Schöpfung ist und bleibt. Und wie sich auch unser Leben diesem Schöpfer anpassen kann und soll.

Der erste Schöpfungsbericht sagt z.B.: Wasser ist der Urstoff des Lebens. Das Wasser war von Anfang an da und es war ganz eng mit der Schöpferkraft Gottes verbunden. Später beschreibt der Schöpfungsbericht, wie das Wasser durch Rückzug und Austrocknung Leben ermöglicht und wie im Wasser erstes Leben entsteht. Natürlich nicht so wissenschaftlich exakt, wie es heutige Wissenschaftler belegen zu können meinen.

Wasser ist der Urstoff des Lebens. Im Wasser haben sich die ersten primitiven Lebensformen entwickelt. Durch das Zusammenspiel von Wasser und Licht keimte das Leben im Wasser so lange weiter, bis das Land kein lebensfeindlicher Raum mehr war. Wasser verdampfte aus den Meeren und kondensierte zu Wolken, aus denen es regnete. Und der Regen ließ auf dem Land erste sehr einfache Pflanzen entstehen. Wasser war später und ist heute immer noch lebenswichtige Nahrung für Pflanzen, Tiere und Menschen. Hungern kann ein Mensch wochenlang. Ohne Wasser kommt er aber nur einige Tage aus. Vielleicht weil der Mensch selbst zu ca. 80% aus Wasser besteht.

Wasser ist Leben! Das sagt uns die Bibel! Wasser ist Leben und Wasser ist göttlich.

Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass seit jeher Menschen dem Wasser gefolgt sind. Nur dort, wo es Wasser gab, konnten Menschen überleben. Erst durch die Römer mit ihren kilometerlangen Wasserleitungen und Viadukten mussten Menschen nicht mehr dem Wasser folgen, sondern das Wasser konnte auch in größerer Menge dorthin gebracht werden, wo Menschen lebten.
In unserer Zeit ist uns das Bewusstsein für den Wert des Wassers zunächst verloren gegangen, weil das Wasser ja eben aus dem Wasserhahn kam. Jahrzehntelang wurde Wasser verschwendet und verschmutzt. Seit etlichen Jahren ist das anders geworden: Wir wissen wieder, welchen Wert das Wasser hat. Wir schonen es und wir gehen sorgsam damit um. Heute kann man wieder in der Saar baden und im Rhein schwimmen sogar wieder Lachse.

Wasser ist Leben! Das sagt uns die Bibel! Wasser ist Leben und Wasser ist göttlich!
Das Wasser ist für Jesus deshalb auch ein Symbol für den Glauben an Jesus Christus und für das, was dieser Glaube in einem Menschen bewirkt.

In einem Gespräch zwischen Jesus und einer Frau, das wir im 4. Kapitel des Johannesevangeliums nachlesen können, wird das deutlich. An einem Brunnen kam Jesus mit der Frau über das Wasser dieses Brunnen ins Gespräch. Im Laufe dieses Gesprächs sagt Jesus: „Wer von dem Wasser dieses Brunnens trinkt, den wird wieder dürsten; wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.“ (Joh 4,13-14)

Jesus gibt natürlich kein normales Wasser - Leitungswasser oder Quellwasser. Das Wasser, das Jesus meint, das ist der Glaube an ihn. Wer an Jesus Christus glaubt, so sagt Jesus, dessen Leben wird sich verändern. Der wird das Leben ins sich selbst wieder spüren. Das Leben, das Gott geschenkt hat und dessen Ziel die Ewigkeit in Gottes Herrlichkeit ist. Wer an Jesus Christus glaubt, so sagt Jesus, dessen Leben wird sich verändern.

In früheren Zeiten haben die meisten Menschen dafür noch ein Gespür gehabt. Zu jeder menschlichen Ansiedlung gehörte nicht nur ein Bach, ein Fluss oder ein See, sondern auch eine Kirche. Wo Menschen lebten, da musste das natürliche Wasser sein. Aber da musste auch das Wasser des Lebens sein. Wo Menschen lebten, da mussten Gewässer sein, aus denen man das Trinkwasser schöpfen konnte. Aber da mussten auch Brunnen sein, aus denen Menschen das lebendige Wasser des Glaubens schöpften. Deshalb bauten sie Kapellen und Kirchen, dort wo sie lebten.

Die Kirchen stehen immer noch in unseren Dörfern und Städten. Als Denkmäler sind sie immer noch wichtig, aber als Brunnen des lebendigen Wassers haben sie für viele Menschen ihre Bedeutung verloren. So wie lange Zeit auch kein Bewusstsein mehr dafür existierte, dass das natürliche Wasser ein wertvolles Gut ist.

Wir haben gelernt, wie wichtig es ist, das Wasser zu schonen und es zu bewahren, damit wir auch weiter von diesem Grundstoff der Schöpfung leben können. Das ist gut so. Genauso müssen wir aber mehr und mehr lernen, wie wichtig das Wasser des Lebens ist, das Jesus Christus uns gibt: Der Glaube an ihn, aus dem Hoffnung für unser Leben und unser Sterben kommt; und der uns den Blick für das schärft, was wir in dieser Welt tun können und sollen.
Die Quellen dieses Wassers müssen wir wieder neu entdecken. Die Quellen dieses Wassers müssen wir wieder in den Mittelpunkt unseres Lebens rücken. Die Quellen dieses Wassers müssen wir schützen, pflegen und bewahren. Amen.