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In den Sommerferien habe ich ein Buch gelesen, das ich eigentlich gar nicht lesen wollte: „Sakrileg“ von Dan Brown. Ich wollte es eigentlich nicht lesen, weil ich mich nicht zum xsten Mal über die zahllosen Verschwörungstheorien im Bezug auf den christlichen Glauben ärgern wollte. Aber dann las ich, dass das Buch bisher millionenfach verkauft wurde. Im Sommer lief sogar eine Verfilmung in den Kinos an. Und ich dachte mir: Das kannst Du einfach nicht links liegen lassen. Das ist im Gespräch. Die Leute beschäftigen sich damit. Das musst auch Du lesen.
Die erste Überraschung erlebte ich, als ich im Kaufhof in die Bücherabteilung kam. Da gab es einen ganzen Regalblock für „Sakrileg“ und andere Literatur zu diesem Thema. Ein Kaufhaus baut solch einen Verkaufsstand nicht auf, wenn sich das nicht lohnt. Meine erste Lektion: „Sakrileg“ kommt an, so gut an, dass es sogar ein gutes Geschäft ist.
Die zweite Überraschung erlebte ich, als ich das Buch las. Es entpuppte sich als ein Krimi in James-Bond-Manier, in dem es die üblichen dämonisch gezeichneten Bösen und die weichgezeichneten Guten gibt und in dem den Guten einfach alles gelingt. So weit, so gut. Dan Brown wollte also nur einen Roman schreiben? Weit gefehlt: Mit diesem Roman werden nämlich unterschwellig Theorien über den christlichen Glauben und über die christliche Kirche transportiert, die so ziemlich alles, was wir als Christinnen und Christen glauben, in Frage stellen. Zwar sagt Dan Brown in einem Interview, dass der ganze Roman natürlich Fiktion sei. Aber die fiktiven Elemente würden von der Wahrheit her „interpretiert“, so Dan Brown. Und schließlich steht ja im Vorwort, dass alle Dokumente, die im Roman zitiert sind, wahrheitsgemäß wiedergegeben wurden. Also doch ein bisschen mehr als Fiktion. Dan Brown spielt ganz geschickt mit Fakten, Halbwahrheiten und Behauptungen – um nachher so zu tun, als sei alles nur ein Spiel.
Das Buch ist aber kein Spiel, sondern ich empfinde es als den ernsthaften und intensiven Versuch, den christlichen Glauben der christlichen Kirche in Frage zu stellen. Vielleicht kennen Sie die Handlung dieses Buches noch nicht, deshalb hier der Versuch einer kurzen Zusammenfassung: Der zentrale Charakter in „Sakrileg“ ist ein Mann namens Robert Langdon. Er ist 40 plus und grauhaarig. Er ist sehr klug, Gelehrter auf dem Gebiet der Entschlüsselung geheimer und unverständlicher Schriften. Und dieser Robert Langdon stößt auf ein erstaunliches Geheimnis: Der Chefkurator des Museums Louvre in Paris wird ermordet aufgefunden. Langdon hatte zu dieser Zeit eigentlich einen Termin mit diesem. Nun wird er in die ganze Angelegenheit verwickelt. Und er findet heraus, dass dieser Chefkurator des Louvre der Großmeister eines geheimen Ordens ist, der ein unglaubliches Geheimnis hütet: Das Geheimnis, dass Jesus mit Maria Magdalena verheiratet war und mit dieser ein Kind gehabt habe. Ja, Jesus habe Maria Magdalena eigentlich zum Oberhaupt der Kirche machen wollen, Petrus habe dieses verhindert, nachdem Jesus tot war. Daraufhin sei Maria Magdalena mit der gemeinsamen Tochter – sie soll übrigens Sarah geheißen haben – nach Südfrankreich geflohen. Im heutigen Zigeunerwallfahrtsort St. Marie de la mer sei sie an Land gegangen und von dort aus geflüchtet. Das Geschlecht der Merowinger sei die direkte Nachkommenschaft dieser Sarah, also die direkte Nachkommenschaft Jesu. Die frühe Kirche habe diese Wahrheit unterdrückt und die Bibel von allen Hinweisen auf dieses Geheimnis gesäubert. Besonders Kaiser Konstantin habe dafür gesorgt, dass alles Menschliche an Jesus aus der Bibel getilgt worden sei und nur noch das Göttliche an Jesus zur Sprache käme. Nur der geheime Orden Priore de St. Sion – in geistiger Erbschaft des Tempelritterordens – habe die Wahrheit bewahrt.
So weit die Geschichte.
Natürlich wissen wir alle, dass die Geschichte der Kirche sicherlich nicht mit Ruhm bekleckert ist. Kreuzzüge, Hexenverbrennungen, die Inquisition – um nur ein paar Beispiele zu nennen – sind die Erblast unserer Kirche. Übrigens nicht nur der römisch-katholischen – auch auf evangelischen Scheiterhaufen brannten Ketzer. Und wir schauen von heute aus kopfschüttelnd auf eine lange Tradition der Kirche, auch der evangelischen Kirche, in der Frauen keine Rolle spielen durften. Das ist wahr. Aber die in Sakrileg verbreiteten Theorien sind völliger Blödsinn. Man muss nur mal ins Neue Testament schauen, dann sieht man, dass gerade das Menschliche an Jesus nicht aus der Bibel getilgt wurde. Jesus kam in einem ärmlichen Stall zur Welt. Er wurde von seinen Gegnern als Fresser und Weinsäufer beschimpft. Im Garten Gethsemane hat er vor Angst Rotz und Wasser geheult. Und am Kreuz hat er geschrien: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen! Menschlicher geht’s doch wohl nicht mehr. Ich kann mir nur vorstellen, dass Dan Brown das Neue Testament nicht gelesen hat, sonst hätte er nicht solch einen Unsinn verbreitet. Bis heute bekennen die beiden christlichen Großkirche, dass Jesus wahrer Mensch und wahrer Gott ist.
Oder ein anderes Thema: Die Kirche habe das Neue Testament so gefälscht, dass der bedeutende Einfluss von Frauen in den frühen Zeiten verschwiegen wird. Noch so ein Quatsch! Gerade Maria Magdalena ist es ja, die nach dem Johannesevangelium als erste am Grab ist. Sie ist die erste Zeugin des Auferstandenen. Das steht in der Bibel. Natürlich steht in anderen Evangelien auch, dass Petrus zuerst am Grab war. Aber diese beiden Behauptungen stehen gleichberechtigt nebeneinander in der Bibel. Nichts ist getilgt. Ganz zu schweigen von Lydia, der Purpurhändlerin, die Paulus zur ersten Gemeindeleiterin in Europa ernannte.
Es würde zu weit führen, jetzt weiter in die Details zu gehen. Unser Thema ist ja nicht, die Thesen Dan Browns in allen Einzelheiten zu widerlegen. Sondern unser Thema ist die Frage, warum solch ein Buch einen so großen Widerhall findet und wie wir als Christinnen und Christen darauf reagieren?
Dan Browns Buch hat einen solch großen Widerhall gefunden, weil das Misstrauen gegen den christlichen Glauben und gegen die christliche Kirche breit gesät und inzwischen tief verwurzelt ist. Daran ist die Kirche natürlich zu einem gehörigen Teil selbst schuld. Ihre Geschichte ist oft eine Geschichte der Gewalt, der Lüge und der Intrige gewesen. Das müssen wir ganz offen bekennen. Da gibt es nichts zu beschönigen. Aber das heißt doch noch lange nicht, dass ihre Grundlagen Lug und Trug sind – also die Bibel und der christliche Glaube. Die Grundlage der Kirche und des Glaubens sind über 1900 Jahre alt. Schon knappe 20 Jahre nach Kreuz und Auferstehung wurden die ersten Schriften unseres heutigen Neuen Testament verfasst. Das war ein kleiner Kern der Evangelien unseres heutigen Neuen Testaments und die Briefe des Apostels Paulus. In den folgenden maximal 30 Jahren wurden die Evangelien geschrieben. Also innerhalb von höchsten 50 Jahren nach Kreuz und Auferstehung entstand das, worauf wir unseren Glauben an Jesus Christus gründen: Der Kernbestand des Neuen Testaments. Und man muss bedenken, dass in dieser Zeit nur niedergeschrieben wurde, was in den Jahren vorher akribisch genau mündlich weitergegeben wurde. Als die ersten Augenzeugen starben, entstand die Notwendigkeit, das Evangelium von Jesus Christus niederzuschreiben. Im zweiten Jahrhundert nach Christus hat man sich dann in einer noch nicht hierarchisch verfassten Kirchenstruktur darauf geeinigt, welche Texte künftig im Neuen Testament stehen sollen und welche nicht. So entstand das Neue Testament – und nicht durch eine Zensur des bösen Kaisers Konstantin. Der hat erst sehr viel später gelebt. Und erst da fing die Kirche an, in festen hierarchischen Strukturen zu leben. Unser Glaube und auch unsere Kirche fußen auf einem festen und zuverlässigen Fundament. Wir können uns darauf verlassen, dass das, was in der Bibel steht, wirklich und wahr ist. Natürlich kann man darüber diskutieren, ob die Speisung der Fünftausend so oder vielleicht doch ein bisschen anders stattgefunden hat. Die Evangelisten des Neuen Testaments sind sich ja auch nicht immer einig. Ich teile auch nicht die Ansicht der Biblizisten, dass alles in der Bibel wortwörtlich zu nehmen ist, also z.B. auch die Schöpfungsgeschichte. Aber eines muss doch wohl klar sein: Streiten können wir uns nicht darüber, dass Jesus Gottes Sohn ist und dass er für uns gekreuzigt wurde und für uns auferstanden ist. Streiten können wir uns nicht darüber, dass Jesus Christus uns durch seinen Tod die Schuld vergibt und durch seine Auferstehung neues und ewiges Leben schenkt. Darüber können wir uns zumindest nicht untereinander streiten. Denn das ist Grundwahrheit unseres Glaubens. Mit anderen können wir über diese Wahrheit streiten. Denn sie steht ja im Widerspruch zu anderen Religionen. Und das ist genau die Weise, wie wir auf „Sakrileg“ und anderes am besten reagieren sollten: Ruhig und gelassen; auf unseren biblisch fundierten Glauben bezogen; im Wettstreit mit anderen Religionen und Heilslehren auch selbstbewusst; und wenn wir uns nicht ganz sicher sind, sollten wir erst mal in Ruhe nachlesen, was wirklich in der Bibel steht, bevor wir jedem unsinnigen Gerücht glauben. Wir haben keinen Grund, uns durch Dan Brown verunsichern zu lassen. Dan Brown betrachtet sich als „Student vieler Religionen“. Die christliche Religion hat er offenbar weniger genau studiert, als die vielen Verschwörungstheorien, die sich seit Jahrhunderten um den christlichen Glauben ranken. Lassen wir uns von Dan Brown und anderen nicht verunsichern. Wir können zu allem stehen, wir können alles bekennen, was in der Bibel und im Glaubensbekenntnis steht. Denn es ist die Wahrheit. Die Wahrheit, die Leben und Zukunft gibt. |
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