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Monatsspruch Januar
„Was machen deine guten Vorsätze“, fragte vor einigen Jahren ein Freund bei einem Telefonat Mitte Januar. Völlig irritiert fragte ich zurück: „Welchen gute Vorsätze?“ „Na, hast du dir nichts vorgenommen für das neue Jahr?“
Haben Sie sich etwas vorgenommen für das neue Jahr und ist es ihnen noch präsent oder hat der Alltagstrott es in den Hintergrund gedrängt? „Ich will deinen Weg in Treue zu dir gehen.“ Das scheint mir ein guter Vorsatz für das neue Jahr. Verbunden wird er mit der Bitte: „Weise mir, Herr, deinen Weg.“
Es kommt also nicht nur auf mich an, wenn ich diesen Vorsatz verwirklichen will. Ich darf vor ihm die Wege bedenken, die ich gehen will. Ich darf ihm sagen, was mich beschäftigt und unsicher macht. Ich kann ihm sagen, wenn ich nicht mehr weiter weiß und um Hilfe bitten. Vielleicht wenden Sie ein: „Wird er mir denn den Weg weisen oder verhallt meine Bitte um Orientierung im leeren Raum?“ Der Beter des Psalms denkt in erster Linie an die Weisungen und Gebote Gottes, wenn er vom Weg Gottes spricht, den er gehen will. Gebote sind für mich keine Verbote, sondern sie zeigen auf, was geboten ist, damit wir alle in Frieden und gegenseitigem Respekt leben können. Es sind Grundregeln zusammengefasst von Jesus in dem dreifach Gebot der Liebe: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben … Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Matthäus 22,37)
Wenn ich die Bitte des Beters lese, denke ich aber auch an Entscheidungen, die zu treffen sind. Als Jugendliche habe ich mich gewundert, dass manche Menschen so sicher sagten: Gott hat mir den Weg gezeigt. „Wie denn?“, hätte ich manchmal gerne zurückgefragt. Das habe ich mich damals nicht getraut. Und heute? Heute ist es mir ein solcher Satz nicht mehr so fremd. Wie ich Wegweisung Gottes erlebe? Ich bin ein Freund langer Listen, auf denen ich das Für und Wider aufschreibe – und dabei bitte ich Gott, meine Gedanken und Impulse zu leiten. Manchmal ist es auch ein Bibelvers, der mich besonders anspricht oder die Worte eines Menschen, die mich so anrühren, dass ich denke, da ist nicht nur ein kluger Gesprächspartner, sondern da hat Gott seine Hände im Spiel. Ich kann nicht auseinanderhalten, was genau Gottes Impuls ist und welcher mein eigener, aber ich muss das auch nicht, denke ich, wenn ich vor Gott über meinen Weg nachdenke und ihn in der Gewissheit gehe, dass er mitgeht – selbst dann, wenn es ein Irrweg oder ein Umweg sein sollte.
Nicht nur ich will seinen Weg in Treue gehen. Ich baue auch darauf, dass die uralte und immer neue Erfahrung wahr ist: Gott ist treu und mit uns auf allen unseren Wegen. Der Beter preist den unvergleichlichen Gott Israels, der an seinem Volk Wunder tut. Er schaut auf seine früheren Erfahrungen und auf die Erfahrungen, die andere Menschen mit Gott machten, und schöpft daraus die Zuversicht, dass Gott ihn aus der Todesgefahr herausreißen wird, in der er sich befindet. Gott gibt uns Grundorientierung für unseren Weg – gehen müssen wir ihn selber. Schritt für Schritt - getragen von der Bitte: „Weise mir, Herr, deinen Weg“ und dem Vorsatz: “ich will ihn gehen in Treue zu Dir“. Ich bin sicher, dass wir dann auch im neuen Jahr Erfahrungen mit Gott machen, die unser Vertrauen und unseren Glauben stärken.
Eine chinesische Legende zum neuen Jahr erzählt: Ein Engel steht an der Schwelle des alten zum neuen Jahr. Der Wanderer, der die Schwelle überschreiten will, bittet, gib mir ein Licht, damit ich sicheren Schrittes in das neue Jahr schreiten kann.“ Der Engel erwidert ihm: „Lege nur deine Hand in Gottes Hand. Das ist besser als ein Licht und sicherer als den Weg zu wissen.“ (Autor unbekannt)
Margot Karberg / 02.01.2012
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