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Monatsspruch Februar

Alles ist erlaubt – aber nicht alles nützt. Alles ist erlaubt – aber nicht alles baut auf. Denkt dabei nicht an euch selbst, sondern an die anderen.“ (1. Korintherbrief 10,23 – 24)

Lupe

Ich lade Sie zu einer kleinen Reise in die Stadt Korinth ein, zur Zeit des Paulus eine aufblühende Handelsstadt, verkehrsgünstig gelegen an der Landzunge zwischen Mazedonien und dem Peloponnes. Paulus war im Laufe seiner zweiten Missionsreise von Athen aus nach Korinth gekommen (wahrscheinlich im Jahr 50 n.Chr.) und hatte während eines Aufenthalts von anderthalb Jahren eine christliche Gemeinde gegründet, der er durch Besuche und Briefe verbunden blieb. Zuweilen ging es in der Gemeinde hoch her.

Eine Frage, die viele beschäftigte, war die, was auf den Tisch kommen darf. Der Hintergrund: Wenn man auf dem Markt Fleisch kaufte, konnte man nicht sicher wissen, ob das betreffende Tier zum Zweck des Fleischverkaufs geschlachtet worden war oder ob es den Göttern geopfert worden war – auch dann landete das Fleisch nach dem Opfer manchmal auf dem Markt. Durfte man solches Fleisch kaufen und essen? Und wie ist das bei Einladungen? Durfte man da das angebotene Fleisch essen, obwohl man nicht wissen konnte, ob es im Zusammenhang mit Opferhandlungen geschlachtet worden war?

Da waren die einen, die sagten: „Alles ist erlaubt – also müssen wir uns keine Gedanken darüber machen, woher das Fleisch stammt, das wir essen.“ Andere Gemeindeglieder hatten da mehr Skrupel und wollten nur dann Fleisch essen, wenn sie ganz sicher waren, dass das Tier wirklich nur zum Verkauf geschlachtet wurde. Darüber kam es zum Streit – schließlich aßen sie ja auch in der Gemeinde gemeinsam.

Ein Bote wurde zu Paulus nach Ephesus geschickt, der ihm alle strittigen Fragen vorlegen sollte.

Eines Tages war es so weit. Der Brief des Paulus war eingetroffen. Alle waren gespannt. Der Vorleser las: „Alles ist erlaubt“.

Ich stelle mir vor, dass die innerlich jubilierten, die diesen Satz immer schon so gesagt hatten. Also durften sie essen, was sie wollten! Und vielleicht nicht nur essen – wenn doch alles erlaubt ist. Die Einschränkung überhörten sie vielleicht. Sie fühlten sie dann noch bestätigt, als sie weiter hörten „Ihr könnt jedes Fleisch essen, das auf dem Markt verkauft wird. Es ist nicht nötig, dass ihr eine Gewissenssache daraus macht und nachforscht, woher das Fleisch kommt. Denn es heißt: »Dem Herrn gehört die ganze Erde mit allem, was darauf lebt.  Auch wenn Ungläubige euch zum Essen einladen und ihr die Einladung annehmen wollt, könnt ihr essen, was euch angeboten wird. Es ist nicht nötig, dass ihr aus Gewissensgründen nachforscht, woher das Fleisch kommt.“ (1. Kor. 10, 25ff Gute Nachricht) Vielleicht hat jemand laut gesagt: „Na, seht ihr, die ihr dauernd Zweifel habt, ob ihr auf dem richtigen Weg seid: Paulus sagt, alles ist erlaubt. Also Ende der Diskussion.“ Vielleicht wandte einer der so Angesprochenen ein: „So weit sind wir noch nicht. Paulus sagte: ‚Alles ist erlaubt – aber nicht alles nützt.  Alles ist erlaubt – aber nicht alles baut auf. Denkt dabei nicht an euch selbst, sondern an die anderen. ‘ Lasst uns also erst einmal alles hören, was Paulus zu sagen hat.“

Der Vorleser fährt fort: „Nur wenn euch dort jemand sagt: »Das Fleisch ist von einem Opfer«, dann esst nicht davon. Unterlasst es mit Rücksicht auf die Person, die euch darauf hingewiesen hat, und mit Rücksicht auf das Gewissen.“ (1. Kor. 10, 28)

Ich sehe förmlich die Fragezeichen bei Einzelnen aufsteigen. Wie jetzt? Da ergreift einer das Wort: „Das verstehe ich jetzt nicht. Wenn ich eingeladen bin und nichts über die Herkunft des Essens weiß, darf ich es essen. Morgen Abend bin ich bei Rufus eingeladen. Er erzählte von dem Opfermahl für einen der römischen Götter, von dem er das Fleisch habe. Ich meine, nun weiß ich ja, was da morgen auf den Tisch kommt. Und dann darf ich es nicht essen. Warum?“

„Ganz einfach“, sagt eine Frau,“ ich wette, dieser Rufus macht sich so seine Gedanken, wenn du herzhaft zugreifst, obwohl du weißt, wo das Fleisch herstammt. Vielleicht denkt er: Na, der Gaius nimmt es mit seinem Glauben aber nicht so genau. Dann wird an dem Christentum nicht viel dran sein. Und das ist dann das Problem – schließlich sind wir doch davon überzeugt, dass unser Weg auch für andere ein guter Weg wäre und wir wollen sie einladen, unserem Gott zu vertrauen. Du bist es Rufus schuldig, das Fleisch nicht zu essen und zu sagen, warum nicht. Vielleicht wird er dann neugierig und fragt nach der Gemeinde und nach Jesus.“

Eine Geschichte aus dem alten Korinth, die uns heute nichts mehr angeht? Schließlich ist bei uns kein Opferfleisch im Angebot.

Ich glaube nicht. Im Kern geht es um die Frage, ob wir uns so verhalten, dass andere neugierig werden, weil sie spüren, uns ist es mit unserem Glauben ernst. Es geht um die Frage, ob wir uns so verhalten, dass sie Lust bekommen nachzufragen und sich einladen zu lassen, weil sie spüren, wir haben etwas, das uns so wichtig ist, dass bestimmte Handlungen oder Reden sich dann von selbst verbieten. Es geht um die Frage, wie wir die Freiheit, die uns Christus schenkt, umsetzen. Wenn „alles erlaubt ist“, kann ich dann tun und lassen, was ich will? Nein, sagt Paulus, die Leitfrage ist, was der Gemeinde dient und was andere zum Glauben einlädt und was die Liebe untereinander gebietet. Das fängt an bei der Frage, was auf den Tisch kommt – gilt aber auch für alle anderen Lebensbereiche.

 

Margot Karberg / 31.01.2012



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