für den 24.05.2012
Ist mein Arm nun so kurz geworden, dass er nicht mehr erlösen kann?
Jesaja 50,2
Die Grenzen markieren gewissermaßen unseren eigenen Erfahrungshorizont als „innere Landkarte“ der Persönlichkeit.
Da wir im Laufe unseres Lebens immer wieder neue Erfahrungen machen, verändert sich unsere innere Landkarte und weitet sich aus. Und trotzdem haben wir unsere Grenzen, über die wir selbst nicht gehen möchten und über die erst recht kein anderer gehen darf. Aus meiner Zeit in der Jugendhilfe weiß ich, dass es besonders in der Weihnachtszeit oft zu Grenzüberschreitungen kommen kann. Weihnachten ist und bleibt ein emotionales Fest (für Christen und Nichtchristen!).
Was kannst Du also tun, um Dich und Deine Grenzen zu schützen? Was kannst Du tun, wenn Du zum Beispiel merkst, dass eine typische, alltägliche Streiterei auf einmal heftiger wird und zu eskalieren droht?
Zunächst hilft ein Wort weiter: STOPP! Wenn Du es Dir selbst sagst, machst Du Dir zunächst deutlich, dass gerade etwas nicht richtig läuft. Das „sich bewusst machen“ ist der erste wichtige Schritt, um die Situation zu unterbrechen, die sonst möglicherweise eskalieren würde. Als nächsten Schritt kannst Du dieses „STOPP“ laut sagen und Deinem Gegenüber zeigen, dass Du nicht mitmachst. Oft sind damit schon Situationen entschärft. In einem nächsten Schritt kannst Du viel ruhiger und ergebnisorientierter das Gespräch führen. Natürlich musst Du dazu nicht laut das Wort „STOPP“ sagen und dich vielleicht lächerlich machen. Eine passende Formulierung wird Dir schon einfallen, die das gleiche meint.
Leider gibt es aber immer wieder Situationen, in denen ein STOPP- Zeichen nicht genügt oder in denen Jugendliche (und auch Erwachsene) nicht „STOPP“ sagen können.
Auch hier gilt zunächst: sich bewusst machen, was nicht richtig läuft und sich gegebenenfalls Hilfe holen. Diese kann sehr unterschiedlich sein. Eine große Hilfe kann der Freund oder die Freundin sein, mit der ich überlegen kann, wie ich meine Grenzen besser schützen kann. Führt das zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis, gibt es in Eurem Umfeld bestimmt verständnisvolle Erwachsene, die vielleicht noch andere Ideen haben. Es gibt aber auch „offizielle“ Angebote, die Euch weiterhelfen können. Zum Beispiel Jugendberatungsstellen, Jugendämter und Jugendtelefonseelsorge. Niemand sollte mit seinen Sorgen und Ängsten alleine bleiben, und manchmal kann man sich selbst nicht helfen. Da braucht man Unterstützung.
Eigene Grenzen sollten geprägt werden durch positive Erfahrungen. Dazu braucht es Situationen, in denen gute Erfahrungen gemacht werden können. In dieser Ausgabe sind schon einige Möglichkeiten aus dem Freizeitbereich benannt worden (siehe Seite 11). Aber es gibt noch mehr Möglichkeiten, Deine innere Landkarte zu erweitern: An der Juleica-Schulung (Juleica= Jugendleitercard) teilnehmen. Dort lernt man neben organisatorischen Fragen auch etwas über sich selbst, was man als Betreuer bei Freizeiten praktisch umsetzen kann. Oder Du kannst im Kinderatelier das Spielen eines Instrumentes erlernen oder Dich bei einem Workshop kreativ an ein Thema herantasten und neue Fertigkeiten erlernen.
Je mehr positive Erfahrungen wir machen, desto größer wird unsere innere Landkarte und umso stärker wird unsere Persönlichkeit. Eine starke Persönlichkeit wiederum kann leichter „STOPP“ sagen, denn sie weiß, was sie will.
Kai Oppenberg / 06.01.2012