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Liebe Leserin, lieber Leser,
„Jesus ist am Kreuz für uns Menschen und für unsere
Schuld gestorben. Gott hat ihn nach drei Tagen auferweckt. Der Tod ist
besiegt. In Jesus Christus haben wir neues Leben.“ Das ist die Gute
Nachricht, das ist Evangelium, das die Jünger zusammen mit den Männern
und Frauen der ersten Stunde allen Menschen auf der ganzen Welt
weitersagen sollen. Die Bibel erzählt uns, dass diese Gute Nachricht
sich wie ein Lauffeuer ausbreitet: Menschen lassen sich taufen und
ändern ihr Leben im Namen Jesu.
Für Jesus hat das aber immer auch mit Buße zu tun, mit dem Eingestehen
der eigenen Schuld. Darum sind die vierzig Tage vor Ostern, die
Passionszeit, auch eine Bußzeit. Nicht nur, damit wir in dieser Zeit an
das Leiden Jesu denken, sondern auch, damit wir das Leiden der Welt und
das Leiden der bedrohten Schöpfung vor Augen haben. Und wir sollen über
unsere eigene Schuld nachdenken: Über unsere Gottvergessenheit, über
unser Versagen, über alles, was wir falsch gemacht haben. Eine schwere
Aufgabe. Wer denkt schon gern über eigene Fehler und die eigene
Schuldverstrickung nach? Wer denkt schon gern über das Leiden der Welt
und der Schöpfung nach? Dabei spüren wir dann nämlich auch, dass wir an
diesem Leiden der Welt und der Schöpfung eine Mitschuld tragen, oft
unbewusst und ohne es zu wollen. In unserem Kirchenkreis weist die
Schokoladenaktion exemplarisch auf diese Schuldverstrickung hin: Mit
jedem Stück Schokolade, das wir essen und das nicht aus fairem Handel
kommt, tragen wir vielleicht oder sogar wahrscheinlich zum Leiden von
Menschen und der Schöpfung mit bei. Und wahrscheinlich auch mit jeder
Tasse Kaffee, die wir trinken, mit jeder Banane oder Ananas, die wir
essen, mit jedem Handy oder Auto, das wir kaufen und mit fast allen
Artikeln unseres täglichen Gebrauchs. Warum das so ist? Weil die
Strukturen unserer ungerechten Weltwirtschaftsordnung dafür sorgen, dass
die Rohstoffpreise niedrig bleiben und die meisten Rohstoffe aus der so
genannten Dritten Welt kommen. Es ist schwer, über diese Schuld
nachzudenken: Denn wenn wir eine gerechtere Weltwirtschaftsordnung mit
gerechten Rohstoffpreisen haben möchten, dann werden fast alle Artikel
deutlich teurer als bisher. Und das bei gleich bleibenden Einkommen. Das
wäre schon bitter.
Aber müssen wir deshalb die Ungerechtigkeit weiter stützen? Dürfen wir
es? Wenn wir Jesus Christus nachfolgen, müssen wir uns zumindest
bemühen, bewusster zu leben und genauer hinzuschauen. Und wir müssen uns
auch bemühen, da, wo es möglich ist und wo wir davon wissen,
Ungerechtigkeit zu vermeiden.
Vielleicht ist die Gute Nachricht Jesu von
unserer Rettung durch Gott auch darum heute für viele Menschen so
unbequem, weil sie uns nicht einfach weitermachen lässt wie bisher,
sondern in unser Leben und in unseren Alltag eingreift. Ich lade uns
ein, in dieser Passionszeit darüber nachzudenken.
Ihr Pfarrer
Michael Binnenhey |