Meditationen

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Und Jesus sagte zu den elf Jüngern: „Geht in die ganze Welt hinaus. Verkündet allen Menschen die Gute Nachricht.“

 Markus 16, 15

Liebe Leserin, lieber Leser,
„Jesus ist am Kreuz für uns Menschen und für unsere Schuld gestorben. Gott hat ihn nach drei Tagen auferweckt. Der Tod ist besiegt. In Jesus Christus haben wir neues Leben.“ Das ist die Gute Nachricht, das ist Evangelium, das die Jünger zusammen mit den Männern und Frauen der ersten Stunde allen Menschen auf der ganzen Welt weitersagen sollen. Die Bibel erzählt uns, dass diese Gute Nachricht sich wie ein Lauffeuer ausbreitet: Menschen lassen sich taufen und ändern ihr Leben im Namen Jesu.
Für Jesus hat das aber immer auch mit Buße zu tun, mit dem Eingestehen der eigenen Schuld. Darum sind die vierzig Tage vor Ostern, die Passionszeit, auch eine Bußzeit. Nicht nur, damit wir in dieser Zeit an das Leiden Jesu denken, sondern auch, damit wir das Leiden der Welt und das Leiden der bedrohten Schöpfung vor Augen haben. Und wir sollen über unsere eigene Schuld nachdenken: Über unsere Gottvergessenheit, über unser Versagen, über alles, was wir falsch gemacht haben. Eine schwere Aufgabe. Wer denkt schon gern über eigene Fehler und die eigene Schuldverstrickung nach? Wer denkt schon gern über das Leiden der Welt und der Schöpfung nach? Dabei spüren wir dann nämlich auch, dass wir an diesem Leiden der Welt und der Schöpfung eine Mitschuld tragen, oft unbewusst und ohne es zu wollen. In unserem Kirchenkreis weist die Schokoladenaktion exemplarisch auf diese Schuldverstrickung hin: Mit jedem Stück Schokolade, das wir essen und das nicht aus fairem Handel kommt, tragen wir vielleicht oder sogar wahrscheinlich zum Leiden von Menschen und der Schöpfung mit bei. Und wahrscheinlich auch mit jeder Tasse Kaffee, die wir trinken, mit jeder Banane oder Ananas, die wir essen, mit jedem Handy oder Auto, das wir kaufen und mit fast allen Artikeln unseres täglichen Gebrauchs. Warum das so ist? Weil die Strukturen unserer ungerechten Weltwirtschaftsordnung dafür sorgen, dass die Rohstoffpreise niedrig bleiben und die meisten Rohstoffe aus der so genannten Dritten Welt kommen. Es ist schwer, über diese Schuld nachzudenken: Denn wenn wir eine gerechtere Weltwirtschaftsordnung mit gerechten Rohstoffpreisen haben möchten, dann werden fast alle Artikel deutlich teurer als bisher. Und das bei gleich bleibenden Einkommen. Das wäre schon bitter.
Aber müssen wir deshalb die Ungerechtigkeit weiter stützen? Dürfen wir es? Wenn wir Jesus Christus nachfolgen, müssen wir uns zumindest bemühen, bewusster zu leben und genauer hinzuschauen. Und wir müssen uns auch bemühen, da, wo es möglich ist und wo wir davon wissen, Ungerechtigkeit zu vermeiden.
Vielleicht ist die Gute Nachricht Jesu von unserer Rettung durch Gott auch darum heute für viele Menschen so unbequem, weil sie uns nicht einfach weitermachen lässt wie bisher, sondern in unser Leben und in unseren Alltag eingreift. Ich lade uns ein, in dieser Passionszeit darüber nachzudenken.

Ihr Pfarrer

Michael Binnenhey 

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