
Das Thema, zu dem die Evangelische Erwachsenenbildung des Kirchenkreises Dinslaken ins Hiesfelder Gemeindehaus eingeladen hatte, war kein leichtes. Bei der „Fairflowers“-Veranstaltung im Rahmen der Fairen Woche 2011 ging es zunächst um traurige Fakten: die schlechten Arbeitsbedingungen der Blumenarbeiterinnen in den afrikanischen Ländern rund um den Äquator, mangelnde Schutzkleidung beim Spritzmitteleinsatz, sexuelle Belästigungen am Arbeitsplatz durch männliche Vorarbeiter, Gesundheitsschäden durch den hohen Pestizideinsatz bis hin zu Missbildungen bei Neugeborenen. All das ist Alltag bei vielen Blumenarbeiterinnen, die für unseren Konsum Blumen anbauen. So erläuterte die Referentin Stefanie Neumann von Vamos e.V.in Münster. Dieser Verein setzt sich seit vielen Jahren u.a. für gerechtere Arbeitsbedingungen in verschiedenen Produktionszweigen in Ländern der „Dritten Welt“ ein.

Aber Stefanie Neumann wusste nicht nur von traurigen Fakten zu berichten. Denn sie erklärte: es gibt für die europäischen Kunden einen Weg, auf diese schlechten Arbeitsbedingungen der Blumenindustrie Einfluss zu nehmen. Durch den Kauf von Blumen mit dem Siegel FLP(FlowerLabelProgramm) oder Fairtrade, werden Betriebe unterstützt, die sich den internationalen Standards für eine sozial- und umweltverträgliche Blumenproduktion angeschlossen haben. Sie zahlen existenzsichernde Löhne, achten auf Gesundheit und Umweltschutz, setzen keine hochgiftigen Spritzmittel ein u.a.m.. Die Siegel gewährleisten durch jährliche - auch unangemeldete - Kontrollen der Betriebe, dass die auferlegten Standards auch eingehalten werden.
Interessant war für die Zuhörerinnen und Zuhörer natürlich vor allem, wo es Blumen mit diesem Siegel in unserer Region zu kaufen gibt: Einige Supermarktketten bieten Fairtrade Blumen an, und es gibt immerhin in Dinslaken schon 7 Floristikbetriebe, die Blumen mit FLP-Siegel führen. Damit liegt Dinslaken z.B. weit vor der viel größeren Stadt Münster, wo bisher nur drei Floristen FLP-Blumen verkaufen. Das ist sicher dem Umstand zu verdanken, dass Dinslaken aufgrund zahlreicher Aktivitäten im Bereich des Fairen Handels seit zwei Jahren die Auszeichnung „Fairtrade-Town“ führen darf. Der Agenda-Rat der Stadt Dinslaken hat im Rahmen dieser Aktivitäten auch einen Flyer für interessierte Kunden erstellt, dem auch eine Liste der Floristikbetriebe beiliegt, die Blumen aus Fairem Handel führen.
Eine weitere gute Nachricht: Blumen mit FLP- oder Fairtrade-Siegel sind nicht teurer als andere Schnittblumen. Sie werden wie alle anderen Blumen über die Blumenbörsen in Holland oder Deutschland gehandelt. Preisunterschiede sind da – ähnlich wie beim Benzin – tagesbedingt. Diesen Preisschwankungen unterliegen alle Blumen, so Stefanie Neumann.
Nach einem kompakten Informationsteil, der sich an alle Interessierten richtete, ging es in einem zweiten Teil weiter mit der Praxis. Küsterinnen aus verschiedenen Gemeinden des Kirchenkreises Dinslaken (s. Foto) machten sich daran, mit FLP-Rosen Gestecke für den Kirchenaltar oder andere Räumlichkeiten ihrer Gemeinde zu gestalten. Unter der fachkundigen Leitung von Ulrike Klapper von der Floraboutique an der Blücherstraße lernten die Frauen Tipps und Tricks, die entscheidend zum Gelingen von schönem Blumenschmuck beitragen. Mit viel Freude waren die Frauen bei der Sache und es wurde manche kreative Ader entdeckt. Manchmal waren es nur kleine aber entscheidende Hinweise der Fachfrau, die ein Gesteck abrundeten. Das spornte viele umso mehr an. Vor allem aber lernten sie: oft braucht es bei Blumen stecken gar nicht viel, um einen Raum geschmackvoll zu gestalten.