

Dinslaken, 20. Februar 2010

Schon von weitem leuchtet sie blau-rosa durch die Nacht: die Himmelsleiter am Turm der alten weißen Götterswickerhammer Kirche. Ein stilles Staunen ging durch die versammelte Menge, als die Lichtskulptur des Künstlers E. Lin (Erwin Wiegerling) am vergangenen Samstag, dem 20.2. erleuchtet und damit feierlich eingeweiht wurde. Für ein Jahr wird die Himmelsleiter nun dort bleiben, bis sie weiter zieht auf ihrer Wanderschaft durch Deutschland. Der Förderverein „ Baudenkmal Kirche Götterswickerhamm“ hatte nicht nur die Idee zu dieser Aktion, sondern hat sie auch auf den Weg gebracht. Was es mit dieser Himmelsleiter auf sich hat, konnten die Besucherinnen und Besucher bei der Nacht der offenen Kirche in Götterswickerhamm im Innern erfahren.

Da konnten sich die Gäste in verschiedenen Nischen der Kirche der Geschichte von Jakob und der Himmelsleiter aus dem Alten Testament nähern: durch Bilder von Marc Chagall oder ganz unkonventionell durch ein Puzzle zur Geschichte; wer wollte, konnte aber auch selbst kreativ werden und eine Himmelsleiter gestalten. Zwischendurch war in der „Oase“ Zeit für orientalische Snacks oder Tee.
Um eine Verbindung zwischen Himmel und Erde ging es auch in Möllen. 400-600 Einzelbilder waren zu dem Motto „Wo Himmel und Erde sich berühren“ in einer Kunstaktion am 15. Januar entstanden und wurden - nun zusammengefügt zu einem großen farbenfrohen Mosaik - in einem großen Kunstobjekt von 60 Quadratmetern gezeigt. Wer wissen wollte, wie ein es zu einem solchen Kunstwerk kommen kann, konnte seine Entstehung in einer Fotostrecke von Jenni Federwisch nachverfolgen. Die Aktion wurde begleitet durch eine Lesung von Walburga Schild-Griesbeck und durch Musik der Jazz-Combo Swing-Affair.
Dinslaken, 20. Februar 2010
Christen und Muslime gemeinsam auf dem Weg
Der dicke weiche Teppich war noch nicht ausgelegt. Noch durften alle den Boden mit Schuhen betreten. Auch Stühle waren aufgestellt im Versammlungsraum der neuen Moschee Sultan Ahmet in Friedrichsfeld, die noch im Bau ist. Aber die Stühle reichten bei weitem nicht aus für den großen Ansturm an Besucherinnen und Besuchern bei der Nacht der offenen Gotteshäuser am Samstag, dem 20.2.10. Die Moschee war der Startpunkt der Aktivitäten in Friedrichsfeld. Alle, die sich versammelt hatten, konnten an diesem Abend drei Stationen auf der „Pilgerreise“, wie katholische Pfr. Wilhelm Schoelen es nannte, besuchen: die Moschee, die katholische Kirche St. Elisabeth und das Evangelische Gemeindezentrum.
Zur Eröffnung erklang ein Gebet des Vorbeters Abdullah Mecek. Die Klänge der Musik, die die Musikgruppe aus der Duisburger Merkez Moschee anschließend auf original türkischen Instrumenten präsentierten, versetzten die Zuhörenden in eine andere Welt. Ali Topcuk, islamischer Religionslehrer und Sänger der Gruppe, erläuterte, dass es sich um mystische Gesänge aus dem Mittelalter handele. Dazu passend der Höhepunkt dieser „Pilgerstation“: der Tanz eines Derwisch, der sich in ein strahlend weißes Gewand gehüllt wie in Trance um die eigene Achse drehte. Ali Topcuk beendete das Programm an dieser ersten Station mit einer Sure aus dem Koran, die er auf Deutsch vortrug.
Weiter ging es mit einem bereit stehenden Bus zur St- Elisabeth Kirche. Dort warteten im Altarraum neben dem Kulturhauptstadtkreuz der Buchautor Willi Fährmann und der Gitarrist Peter Reiser aus Aachen. Nur zwei Lichtkegel, gerichtet auf die beiden Künstler, erhellten die Kirche. Und so tauchte die Zuhörerschaft abwechselnd ein in verschiedene Welten: geschaffen durch die virtuos vorgetragenen Gitarrenklänge aus verschiedensten Ländern und durch die Erzählungen Willi Fährmanns. Der Buchautor ließ Szenen in den Köpfen entstehen, die von der Zeit der napoleonischen Kriege bis in die wilden 70er Jahre des letzten Jahrhunderts reichten und sich alle um das Thema Versöhnung rankten.
Die dritte Station im Evangelischen Gemeindezentrum entführte die Zuhörerschaft erneut in ferne Welten. Die Psalterklänge, vorgetragen auf historischen Instrumenten von Erika Schulz und Rolf Schumacher aus Hanau, waren fremd und zugleich wunderschön. Passten sie darin doch gut zu den biblischen Worten aus dem Hohelied Salomos, die in ihren Bildern auch sehr ungewohnt für heutige Ohren sind. Texte wie Liebeslieder, die von Sehnsucht und Sexualität, Bewunderung und Begehren singen. Interessant gewählt waren die Vortragenden, ausnahmslos Laien, die alle engagiert und gut ihre eigene Note in die Texte einbrachten. Abgerundet wurden Musik und Texte durch Bilder aus Marc Chagalls Zyklus zum Hohelied.
Nicht nur beim Programm, auch beim anschließenden gemütlichen Ausklang hatten die die drei Gemeinden sich zusammen getan und ein Buffet mit Köstlichkeiten aus verschiedensten Kulturkreisen zubereitet.
Pilgerreisen, bekannt bei Muslimen wie bei Christen, sind für die, die sich auf den Weg machen immer eine Herausforderung, oft eine Herausforderung, die sich lohnt, weil sie neue Erfahrungen bringt, den Horizont des Glaubens erweitert. Die beiden christlichen und die muslimische Gemeinde in Friedrichsfeld haben es gewagt, neue Wege zu gehen und mit der gemeinsamen Nacht der offenen Gotteshäuser eine „Pilgerreise“ anzubieten, die die Grenzen der Religionen überschreitet. Die große Resonanz seitens der Menschen, die diesen Abend miterleben wollten, gab Ihnen Recht.
Dinslaken, 10. Januar 2010
Ökumenischer Eröffnungsgottesdienst mit anschließendem Begegnungsfest beim Local hero No.1 - Rund 600 Menschen feierten mit!
Der Start war bewusst so gewählt. Die Kirchen wollten die Dinslakener local hero Woche mit einem ökumenischen Gottesdienst beginnen. Aber nicht an den üblichen kirchlichen Orten. Es sollte ein Ort sein, der bildlich für den Wandel Dinslakens, den Wandel des ganzen Ruhrgebiets steht. Was lag da näher, als das stillgelegte Bergwerk Lohberg mit seiner Lohnhalle auszuwählen? Die Kirche wollte dahin gehen, wo Wandel schmerzhaft spürbar wird, wo Wandel aber auch bewältigt und gestaltet wird.
So zog sich das Thema „Wandel“ auch wie ein roter Faden durch den gesamten Gottesdienst in der übervollen Lohnhalle.
Nach der Begrüßung und liturgischen Eröffnung durch Dechant Josef Leenders und Superintendent Martin Duscha überbrachte Pfr. Andreas Volke vom Evangelischen Kulturbüro in Essen das in der Benediktiner-Abtei in Meschede geschmiedete Titan-Kreuz, das zur Ruhr.2010 entstanden ist. Als Symbol der Verbundenheit wird es während des gesamten Kulturhauptstadtjahres in allen teilnehmenden Städten Station machen.
Anschließend richtete zunächst der neue Hodscha der Dinslakener Diyanet-Gemeinde, Ismail Cakir, ein Grußwort an die Gäste. In einem ersten Themenblock skizzierten dann drei Menschen ihre Erfahrungen mit dem Wandel : dem Wandel der katholischen Gemeinden in Dinslaken/ Lohberg aus der Sicht einer katholischen Ehrenamtlichen, dem Wandel der Arbeitswelt aus der Sicht eines Gewerkschafters, dem steten Wandel im Verlauf eines langen Lebens aus der Sicht einer evangelischen Seniorin. Da war von Gemeindefusionen und Trauer um lieb gewordene kirchliche Strukturen die Rede. Da war von der Angst in den Gesichtern derer die Rede, die um ihren Arbeitsplatz bangen. Da war von Abschied die Rede, Abschied von Heimat, Ehepartner und Wohnung.
Was aber bleibt in all dem Wandel? Was ist Maßstab?
Der Prediger, Bergwerksdirektor i.R. Wolfgang Traud, suchte auf diese Frage eine Antwort. Und er fand sie in einer Abkehr von der Maxime: Wachstum ist alles! Und in einer Hinwendung zu den menschlichen Maßstäben, wie sie aus Jesu Handeln ablesbar sind. Dazu sei Umkehr nötig, so Traud, eine innere Radikalität und die Bereitschaft nach Gottes Willen zu leben. „Das aber geht nicht, wenn wir uns nur nach äußerer Fülle orientieren. Unsere Orientierung ist Jesus Christus. Er ist der local hero vom Jordan. Er ist Garant für Nachhaltigkeit. Sein Stern ist nicht produziert. Er verglüht nicht nach kurzer Zeit. Er gibt uns menschliche Leitlinien für unser Handeln.“
Traud bezog sich damit auf die Schriftlesung aus Mk 1, die Taufe Jesu im Jordan. Der Text war, während er verlesen wurde, auf beeindruckende Weise pantomimisch ausgelegt worden von Norman Wilke vom Filou-Theater Oberhausen.
Einen weiteren künstlerischen Akzent setzte der Gottesdienst durch die Musik. Das Vocalensemble und der Posaunenchor Dinslaken sorgten dafür, dass niemand die sonst so vertraute Orgelbegleitung vermisste.
Nach dem Gottesdienst waren alle eingeladen, begleitet von einer Trommelgruppe der Grundschule Lohberg, zum Ledigenheim zu ziehen. Dort sorgten die Lohberg Voices und die Swinging Monday Big Band bei einem Fest der Begegnung mit Getränken und Imbiss für außerordentlich gute Stimmung.