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Ist mein Arm nun so kurz geworden, dass er nicht mehr erlösen kann?
Jesaja 50,2
mehrSchluss mit Zivi
Maximilian Plinius und Sven Schmidt waren die letzten beiden Zivildienstleistenden des Diakonischen Werkes.
Es ist das Ende einer Ära - und für die beiden 20-Jährigen das Ende einer Erfahrung, die sie anderen jungen Menschen sehr empfehlen.
Für die beiden Mülheimer stand immer schon fest: Sie wollen verweigern. Die bessere Alternative war es für sie persönlich. "Ich habe mir gedacht, dass ich beim Zivi für mein Leben mehr mitnehmen werde." Erfahrungen meinte Maximilian Plinius damit, Einblicke in eine (Lebens-)Welt, die ihm sonst fremd ist. Und um dies gleich vorwegzunehmen: Seine Gedanken haben sich erfüllt. "Ich nehme für mein zukünftiges Leben ganz viel mit", sagt er. Und Sven Schmidt ergänzt: "Ich habe gesehen, wie gut ich es habe und wie zufrieden ich sein kann." Demut, finden die Jungs, ist ein gutes Wort, um diese Empfindung zu beschreiben.
Maximilian war neun Monate lang in der Therapeutischen Wohngemeinschaft, Sven absolvierte dort den verkürzten, sechsmonatigen Dienst. In der TWG wohnen Männer zwischen 18 und 40 Jahren, die - nach dem Grundsatz "Therapie statt Strafe" - in der Regel nach der Verbüßung langer Haftstrafen in der Einrichtung zwölf bis 18 Monate sozial-therapeutisch betreut werden. "Besondere Lebensverhältnisse mit sozialen Schwierigkeiten" beschreiben die Therapeuten die Situation ihrer Klienten und meinen damit fehlende soziale Bindungen, einen schlechten seelischen und körperlichen Allgemeinzustand und meistens eine Suchterkrankung. Kein leichtes Umfeld also für die beiden Jugendlichen. Sven muss dann auch zugeben, dass er in den "ersten zwei Wochen eher zurückhaltend" war: "Ich war schon ein wenig nervös, was mich erwartet." Maximilian hingegen kennt keine Nervosität: "Ich habe da gar nicht so drüber nachgedacht. Ich bin unvoreingenommen an die Leute rangegangen."
In den Alltag in der TWG waren sie eingebunden; alles vom Telefondienst bis zum Ausflug ins Phantasialand gehörte dazu. Nur der therapeutische Bereich blieb ihnen verschlossen, die Schweigepflicht der Therapeuten und die Privatsphäre der Klienten wurde gewahrt. "Absolut richtig" finden die zwei Ex-Zivis das. "Aber es gab natürlich Klienten, die haben uns von ihrer Situation erzählt, weil sie das wollten", sagt Maximilian Plinius. Viel gelernt haben sie dabei: Dass der Entzug nur der erste Schritt eines langen Prozesses ist, zum Beispiel. Und, sagt Maximilian: "Ich wusste nicht, wie viel Leid ein Mensch aushalten kann - wie viel Leid einige Menschen aushalten müssen." Und das in eben der Stadt, in der er selbst lebt.
Ihr Zivildienst ist für die beiden nun beendet - und inzwischen wurde er von der Bundesregierung abgeschafft, es gibt keine Zivis mehr. Doch bei Diakonischen Werk Mülheim begannen bereits einige Jugendliche, die ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) absolvieren. Man ist auf dem Kirchenhügel zuversichtlich, die bisher durch Zivi geleistete Arbeit durch Freiwillige abdecken zu können. Auch wenn das FSJ sich vom Zivildienst durch eben die Freiwilligkeit unterscheidet. Sven Schmidt jedenfalls wirbt für den sozialen Einsatz. Er beginnt bald sein BWL-Studium, sieht seine Zukunft abseits der sozialen Arbeit: "Aber ich hatte die Möglichkeit, in diesen Bereich zu schauen." Das Gesehene wird er nicht vergessen. Auch Maximilian Plinius hat ein Studium abseits der Sozialarbeit geplant: Jura ist seine Wahl. Er wirbt für das FSJ dann auch mit dem Blick des zukünftigen Studenten: "Das ist eine gute Art, Wartesemester zu überbrücken." Bei dieser Aussage denkt er rein praktisch, rein menschlich, mit dem in der TWG Erlebten im Gedächtnis, muss er aber auch sagen: "Der Zivi hat mir viel gebracht. Und etwas Uneigennütziges zu tun, kann keinem schaden."
Julia Damm / 15.04.2011
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