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Ist mein Arm nun so kurz geworden, dass er nicht mehr erlösen kann?
Jesaja 50,2
mehrDen Lebensträumen auf der Spur
Die Heißener ließen ihren prominenten Gast nicht gehen, ohne sich ein signiertes Erinnerungsstück zu sichern.
Wer zum Vortrag des bekannten Benediktinerpaters in die Heißener Friedenskirche gekommen war, konnte sich auf die Spuren seiner Lebensträume begeben, vielleicht sogar einen persönlichen Rat mitnehmen oder wollte vielleicht auch bloß einen der Stars der letzten Kirchentage in der eigenen Gemeinde erleben, oder ... - Zum Vortrag von Anselm Grün war die Friedenskirche voll: 320 Zuhörerinnen und Zuhörer - nicht nur aus der Heißener Gemeinde - waren gekommen.
Um Lebensträume ging es, und darum, was man mit ihnen anfängt. Ruhig und auch routiniert spricht der Pater und Autor von über 300 Buchtiteln ("Trau deiner Kraft - mutig durch Krisen gehen", "Lebensmitte als geistliche Aufgabe") aus der Benediktinerabtei Münsterschwarzbach von seinem Mülheimer Publikum.
Mit seinem eigenen Traum stieg Anselm Grün in den Vortrag ein: Früher wollte er Maurer werden. "Heute baue ich Häuser mit Worten". Auf die Essenz kommt es an. Das nehmen die Zuhörerinnen und Zuhörer an diesem Abend mit. Nicht jeder Lebenstraum muss sich genau so konkretisieren, wie er geträumt wurde. Der Essenz, dem zu Grunde liegenden Motiv gelte es auf die Spur zu kommen.
Grün berichtet aus den Lebenswegen von Menschen, die er begleitet hat. Etwa von der Frau, die so gerne Mutter werden und eine große Familie haben wollte, was ihr im Leben aber nicht gelang. "Sie hat die Gemeinschaft, die sie wollte, an anderer Stelle gefunden". "Ein Lebenstraum mit Abstrichen? Das passt doch nicht", fand einer der Zuhörer in der anschließenden Diskussion.
Die meisten Gäste in der Friedenskirche konnten dem Rat und den Ausführungen des Paters offenbar gut folgen. In den Stuhlreihen hört man aufmerksam zu, einige schreiben sogar mit. Viele Menschen in der Mitte ihres Lebens sind da. Erwachsene Kinder mit ihren Eltern, auch viele Männer, wie es für Vortragsabende mit Lebenshilfethemen sonst unüblich ist.
Anselm Grün
Lebensträume bündeln unsere Kräfte, deshalb lohne es sich so, ihnen auf die Spur zu kommen, erklärt der Pater. Aber sie können auch zerbrechen. Anselm Grün: "Wichtig ist, dass wir nicht um jeden Preis an unseren Vorstellungen festhalten. Wir müssen nicht an unseren geplatzten Träumen zerbrechen. Wir können uns auch aufbrechen lassen für neue Vorstellungen - im Übrigen auch in der Beziehung zu Gott."
Manchmal klingen die Bilder der Lebensträume in Pater Grüns Berichten auch etwas schlicht. Etwa in der Geschichte des Pastors, der als Kind Bäche mit selbstgebauten Dämmen aufgestaut hat, um das Wasser dann umzuleiten. - Heute hilft er als Seelsorger Menschen, deren "Lebensläufe ins Stocken geraten sind." Die Ideen hinter diesen Geschichten kommen allerdings nicht flachgründig daher. Das Heißener Publikum erlebt Anselm Grün als belesenen Autor, der auch gerne Platons Ideenlehre oder die Traumdeutung nach C.G: zum Vergleich heranzieht.
Der Vortragsgast aus Franken machte den Mülheimerinnen und Mülheimern Mut, "Ihren Lebenstraumen nahe" zu kommen. "Denn dann sind Sie auch ein Segen für andere." Und am Ende brachte er sein Publikum auch noch zum Lachen. "Gibt es denn Bischöfe, die auf Sie hören?" wollte eine Zuhörerin wissen. "Der von Regensburg wohl nicht und der von Köln wohl auch nicht", vermutete der Vortragsgast.
ala / 09.09.2011
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