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Teerstegen-Buch

Vergessener Denker neu entdeckt

Einst größter Denker des Kirchspiels Mülheim - heute längst nicht mehr Jedem ein Begriff - das ist der pietistische Prediger Gerhard Tersteegen (1697 -1769). Ihm widmet Prof. Ulrich Kellermann nun ein 125-seitiges "Lesebuch".

v.l.: Dr. Hans Fischer, Prof. i.R. Ulrich Kellermann, Dr. Kai Rawe Lupev.l.: Dr. Hans Fischer, Prof. i.R. Ulrich Kellermann, Dr. Kai Rawe

"Weihnachten mit Gerhard Tersteegen - Theologie und Lieder zur Geburt Jesu", so heißt die 85. Ausgabe der Zeitschrift des Mülheimer Geschichtsvereins, für dessen Inhalt der Mülheimer Theologe Professor i.R. Ulrich Kellermann verantwortlich zeichnet. "Eigentlich hätte es ja eine theologische Biografie werden" sollen, räumt er bei der Buchpräsentation nicht ohne Schmunzeln ein. Für die Lesebuch-Ausgabe des Geschichtsvereins hat er sich jedoch auf 125 Seiten beschränkt.

"Der Ausgleich zwischen wissenschaftlichem Anspruch und Allgemeinverständlichkeit war nicht immer einfach", erklärt Ulrich Kellermann. Und dennoch hat er den Spagat gewagt, mit einer umfangreichen Dokumentation der Weihnachtslieder und Reden Tersteegens, gefolgt von Analysen und einem umfangreichen Quellenteil.

Daraus mitnehmen kann der Leser heute unter anderem eine deftige Kritik an allzu materialistisch orientierter Weihnachts-Feierlichkeit. Beim pietistischen Prediger vom Kirchenhügel kommt der Zeitgenosse, der bloß "(...) seine besten Kleider anthut und darin pranget" und "sonderlich seinem Fleische was zu gute thut in Essen und Trincken", nicht sonderlich gut weg. Im Mülheim des 18. Jahrhunderts fanden Tersteegens Worte Gehör: Regelmäßig versammelten sich drei- oder vierhundert Menschen in und vor seinem Haus, um ihn predigen zu hören. Dem Pietisten Tersteegen lag insbesondere an der Innerlichkeit der "Christ-Tage", so seine Wortwahl.
Damit sieht Superintendent Helmut Hitzbleck Tersteegen heute wieder im Trend. "Verinnerlichung und Meditation sind Dimensionen, die wir seit dem 18. Jahrhundert aus dem Blick verloren haben - und den Menschen heute fehlen".

In seiner Zeit jedoch Tersteegen eckte an, bei der kirchlichen Obrigkeit zumal. Ob er je einen Fuß in der Petrikirche gleich gegenüber seinem Wohnhaus gesetzt hat, können auch heutige Tersteegen-Kenner nicht hinreichend belegen. Nicht nur von der Amtskirche verspürte Tersteegen Gegenwind. "Er war zudem herausgefordert durch den Atheismus seiner Zeit", erklärt Dr. Hans Fischer vom Mülheimer Geschichtsverein bei der Buchpräsentation. Die Herausforderung nahm Tersteegen auf seine Weise an: "Gott ist gegenwärtig", insistiert er in seinem heute wohl bekanntesten von 104 Kirchenliedern, in denen er "seine Theologie ver-dichtet hat", wie Theologe Kellermann erklärt.

Wer mit Tersteegens Weihnachtsliedern einen neuen Einblick in seine Theologie und in ein Stück Mülheimer Stadtgeschichte gewinnen möchte, bekommt das Tersteegen-Lesebuch zum Preis von fünf Euro in der Ev. Ladenkirche (Kaiserstraße 4) und in folgenden Mülheimer Buchhandlungen: Röder (Leinweberstraße 42), Fehst (Löberg 4), Bücherträume (Prinzeß-Luise-Straße 9), Hilberath & Lange (Düsseldorfer Straße 111) sowie bei der Mülheimer Stadtmarketinggesellschaft am Synagogenplatz.

 

ala / 22.11.2011



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