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Pskow: Von der zerstörtesten zur sozialsten Stadt

Über "Zeichen und Wunder" im russischen Pskow berichtete Dr. Dieter Bach bei einem Themenabend in der Evangelischen Ladenkirche.

Auch in der Ladenkirche zu kaufen: die Fingerengel aus den Pskower Werkstätten. Auch in der Ladenkirche zu kaufen: die Fingerengel aus den Pskower Werkstätten.

Pskow wurde von den Deutschen im zweiten Weltkrieg nahezu komplett zerstört, fast 400.000 Russen starben dort. Heute gilt es als Russlands "sozialste Stadt" und beherbergt landesweit vorbildliche Einrichtungen für geistig Behinderte. Maßgeblich dazu beigetragen hat die "Initiative Pskow", die dafür 2005 auch mit dem Hoffnungspreis des Kirchenkreises An der Ruhr ausgezeichnet wurde.

Es gebe "keine Grausamkeit", die die deutschen Besatzer im russischen Pskow "nicht begangen" hätten, begann Dr. Dieter Bach, Geschäftsführer der "Initiative Pskow", seinen Vortrag in der Mülheimer Ladenkirche. Von 1941 bis 1944 dauerte die deutsche Schreckensherrschaft in der Stadt im Westen Russlands. 1991 bat die Rheinische Landeskirche um einen gemeinsamen Weg der Versöhnung.

 

Dr. Dieter Bach bei seinem Vortrag in der Ev. Ladenkirche. Dr. Dieter Bach bei seinem Vortrag in der Ev. Ladenkirche.

Dr. Dieter Bach war dabei, als der damalige Präses Beier in der Pskower Dreifaltigkeitskirche bewegende Worte fand für das geschehene Grauen und das gebliebene Misstrauen, er bat "Christus setzt die neue Wirklichkeit und die heißt Versöhnung". Die Russen ließen sich darauf ein und die deutsche Delegation beschloss: "Hier bauen wir eine Schule für Menschen mit geistiger Behinderung." Ein absurder Gedanke für die Einheimischen, bis vor wenigen Jahren wurden Dreijährige mit einem IQ von unter 50 meist als "nicht weiter förderungswürdig" aussortiert.

Für Dieter Bach ist die Initiative Pskow nicht nur ein förderungswürdiges Projekt. Die Besucherinnen und Besucher in der Mülheimer Ladenkirche konnten erleben, dass sich für ihn ein Stück Lebensgeschichte damit verbindet. Als die deutschen Besatzer in Pskow wüteten, war Dieter Bach neun Jahre alt. Er erinnerte sich in seinem Vortrag an die nationalsozialistische Rede vom "slawischen Untermenschen": "Und als Kind habe ich geglaubt, wir wären im Recht. Wenn sie das in mein Kinderhirn gebracht haben - was haben sie bloß in die Hirne der Erwachsenen gebracht."

Doch nicht nur für den deutschen Protestanten änderten sich die Perspektiven. "Auch in Pskow hat sich die Stimmung gewandelt", berichtete Bach. Nach anfänglichem Unverständnis sind die Angebote der Rheinischen Initiative nun als vorbildlich anerkannt und die "soziale Stadt" wächst. Zu der Schule für Menschen mit geistiger Behinderung kam noch eine Werkstatt, das "Waldhaus" für gefährdete Jugendliche und ein Hospiz hinzu, Schulungen für Altenpfleger werden aufgebaut.

Ziel der Initiative Pskow ist es, den dritten Bauabschnitt der heilpädagogischen Werkstatt finanziert zu haben, wenn sich der deutsche Überfall zum 70. Mal jährt: am 22. Juni diesen Jahres. Noch fehlen 20.000 Euro.

Spendenkonto:
Bank für Kirche und Diakonie
BLZ 350 601 90
Konto 101 341 5010

ala / 24.02.2011



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