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mehrNicht nur sonntags wird in den Gemeinden im Kirchenkreis An der Ruhr Gottesdienst gefeiert. Auch an Werk- und Feiertagen treffen sich Christinnen und Christen in den Kirchen und Gemeindezentren der Stadt.
mehrfür den 24.05.2012
Ist mein Arm nun so kurz geworden, dass er nicht mehr erlösen kann?
Jesaja 50,2
mehrÜber einen Reformator und Bildungsarchitekten
Referentin und Melanchthon-Expertin Dr. Nicole Kuropka
Bildung steht auf dem Stundenplan, auch bei der evangelischen Kirche: der Lernatlas der Bertelsmann-Studie macht im Ruhrgebiet weiße Flecken aus, das Mülheimer Bündnis für Bildung versucht, nun auch mit Unterstützung der Kreissynode An der Ruhr, eine Schulschließung zu verhindern. Und die Evangelischen und ihre Gäste hörten beim Neujahrsempfang des Evangelischen Kirchenkreises An der Ruhr das Referat über Melanchthons reformatorisches Plädoyer für die Bildung von Dr. Nicole Kuropka.
Auch Superintendent Helmut Hitzbleck würdigte in seiner Ansprache die Bildung als Schlüssel, auch den Schwachen eine Zukunftsperspektive zu geben. "Gott ist in den Schwachen mächtig“ heißt es in der Jahreslosung 2012 aus dem Korintherbrief. Ebenso wie Paulus, der einst an die Gemeinde in Korinth schrieb, habe die Kirche ihre Rolle als Mittlerin angenommen „zwischen Arm und Reich, zwischen den Schwachen und den Starken, zwischen denen, die suchen und denen, die ihre Rolle im Leben schon gefunden haben. In Zeiten, in denen die „Volkskirche kein Selbstläufer mehr“ ist, sei es umso wichtiger, am christlichen Bekenntnis festzuhalten und sich den Aufgaben des Glaubens zu stellen: zum Beispiel den (vermeintlich) Schwachen durch Bildung eine Perspektive zu geben, so Superintendent Hitzbleck.
Einer, der dazu schon im 16. Jahrhundert wichtige Anstöße lieferte, war Phillip Melanchthon. Wenn heute Kinder das Gymnasium besuchen und in allgemeinbildenden Schulen Religionsunterricht erhalten, dann ist das auch auf den Theologen, Wissenschaftler, Kirchenpolitiker und Luther-Schüler zurückzuführen. „Erkennen, verstehen und lernen – das war für Melanchthon der wahre Gottesdienst im Alltag“, das und mehr erfuhren die rund 250 geladenen Gäste im Mülheimer Haus der Kirche beim Gastvortrag der Melanchthon-Forscherin und Berufschulpfarerrin Dr. Nicole Kuropka.
Die Bemühungen Melanchthons um Bildung für alle waren ein Novum ihrer Zeit – und fielen dennoch auf fruchtbaren Boden: Der Humanismus kam auf und die Bildungsfähigkeit des Einzelnen rückte in den Fokus, gleichzeitig forderte der von den Reformatoren gepredigte gebildete Glauben auch gebildete Gläubige.
Bildung müsse sich immer am Leben orientieren, führte Melanchthon-Expertin Kuropka die Gedanken des Gelehrten aus. Deswegen könne weder der Staat noch die Kirche ein Monopol darauf haben. In Melanchthons Theorie waren Erziehung, Bildung und Frömmigkeit gleichberechtigte und unabhängige Bestandteile eines guten Schullebens. Praktisch hieß das: Melanchthon forderte allgemeinbildende und für jeden zugängliche Schulen – mit reserviertem Zeitbudget für den Religionsunterricht, nämlich einem ganzen Tag. Melanchthon setzte so seinen ganzheitlichen Bildungsanspruch um. Referentin Kuropka: „Wer sich von Gott getragen weiß, kann sich leichter von eigenen Interessen lösen und auch leichter mit dem eigenen Scheitern umgehen“. Kompetenzvermittlung statt Streben nach der nächsten Jahrgangsstufe – das charakterisiert den Ansatz Melanchthons, den Dr. Kuropka als „Architekt des früh-neuzeitlichen Schulsystems“ würdigte. Am von ihm gegründeten Melanchthon-Gymnasium in Herzberg wird noch heute unterrichtet.
Dr. Nicole Kuropka (Jahrgang 1970) studierte evangelische Theologie in Wuppertal, Bochum und Bonn. Für ihre Dissertation an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal erhielt sie den Melanchthonpreis 2009 der Stadt Bretten (Geburtsstadt Melanchthons). Heute ist Dr. Kuropka Berufsschulpfarrerin in Düsseldorf, außerdem lehrt sie Kirchengeschichte an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal.
ala / 28.11.2011
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