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Freiheit, größer als geglaubt

Unter anderem auf einen mutigen Mönch aus Wittenberg geht die Freiheit und Vielfalt zurück, in der wir heute leben. Daran erinnerte Oberkirchenrätin Barbara Rudolph in ihrer Predigt zum Reformationstag in der Petrikirche.

Oberkirchenrätin Barbara Rudolph Oberkirchenrätin Barbara Rudolph

Verschiedenheit verantwortungsvoll leben - und manchmal auch aushalten, das schrieb die Predigerin, und Leiterin der Ökumene-Abteilung im Landeskirchenamt, der Gottesdienstgemeinde ins Aufgabenheft. Die Errungenschaften der Reformation scheinen dabei heute oft mehr als selbstverständlich. Für die Evangelischen sei es keine Frage mehr "dass wir alle zusammen, Laien und Theologen, Kirche gestalten."

Doch alle errungene protestantische Freiheit sei kein Grund, den Reformationstag heute als Fest "evangelischer Rechtgläubigkeit" zu feiern. "Die Verführung ist zwar da", räumte Barbara Rudolph ein. Aber der Botschaft des Paulus im Galaterbrief werde das nicht gerecht. Es gelte nicht, zu ent-scheiden, wem die Gnade Gottes zuteil werden dürfe, sondern nur zu unter-scheiden zwischen unterschiedlichen Menschen in der einen Kirche Jesu Christi. Nicht "meine" oder "deine" Kirche gelte es zu gestalten und zu reformieren, sondern die Kirche Jesu Christi.

 

An die eine Kirche richten derweil unterschiedliche Menschen unterschiedliche Wünsche, bringen verschiedenste Perspektiven ein. Diese in der presbyterial-synodalen Ordnung auszutauschen und gemeinsame Wege zu finden, sei zugegebenermaßen nicht immer der leichteste Ansatz, aber ein lohnenswerter. Rudolph erinnerte an die Feier zum 400-jährige Jubiläum der ersten reformierten Generalsynode in Duisburg. Titel: "Wir sind so frei".

Bei aller Freude über das Erreichte: "Auch im Namen der Freiheit dürfen wir andere nicht mundtot machen", warb die Oberkirchenrätin für protestantische Dialogbereitschaft. Dieses Bemühen trieb auch Paulus um: Nicht äußere Zeichen seien entscheidend, "sondern allein der Glaube, der in der Liebe tätig ist", so formulierte er in seinem Brief an die Galater.

Diese Liebe wirken zu lassen, kann ziemlich anstrengend sein, auch für den tief im Glauben verwurzelten Mönch, von dem die Predigerin berichtete. Der Mönch hatte vermutet: "Manchen Bruder hat Gott mir wohl nur zur Seite gestellt, um mir zu zeigen, wie viel größer seine Liebe ist als meine." Das nahm Barbara Rudolph auf und machte der Mülheimer Gottesdienstgemeinde Mut zu hoffen, "dass Gottes Freiheit mich auch jenseits des eigenen Glaubens trägt".

 

 

ala / 03.11.2011



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