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Malen, Geschichten schreiben, schauspielern - mit vielen kreativen Methoden gingen die Schüler das Trennungsthema an.
Trennungsgeschichten sind für viele Kinder Alltag, aber dennoch finden ihre Sorgen im 45-Minuten-Takt der Schule oft keinen Platz. "Deswegen haben wir auf Nachfrage der Schulen vor etwa zehn Jahren dieses Projekt ins Leben gerufen", erinnert sich Sozialpädagogin Claudia Behrend, Jugendleiterin in der Vereinten Evangelischen Kirchengemeinde. Gemeinsam mit Sozialpädagogin Jana Dörger vom Diakonischen Werk bietet Claudia Behrend aktuell die Projektvormittage an. "Zuerst sind wir in die Schulen gegangen, haben dann aber erkannt, dass Lehrer und Schüler sich an einem anderen Ort unbefangener mit sich selbst und dem Thema beschäftigen können", berichtet Behrend.
Ins Gemeindehaus an der Witthausstraße ist zum Beispiel die 6. Klasse der Realschule Stadtmitte gekommen. 30 Zwölfjährige sehen gemeinsam mit Lehrer Andreas Rausch zuerst einen Animationsfilm mit Familienszenen. Anschließend wird in Kleingruppen notiert, was die Kinder gesehen haben: Geschichten von Verliebtsein und Harmonie, genauso wie Streit, Trennung und Versöhnung.
Für viele ist das keine Theorie. Etwa 350 Mülheimer Kinder pro Jahr erleben eine Scheidung ihrer Eltern. "Nicht alle Schüler sind so offen, dass sie auf mich zu kommen und mir von den Trennungsgeschichten in ihren Familien erzählen", sagt Klassenlehrer Andreas Rausch. "Oft erfahre oder erahne ich eine Trennung der Eltern eher indirekt, durch Namens- oder Adresswechsel."
"Keine Schule" haben die Sechstklässler am Vormittag des Projekts. Das kommt gut an. Aber trotzdem gibt es für sie viel zu tun. Nach dem Film beginnt die Kreativarbeit: die einen studieren kleine Familienszenen ein, Mini-Dramen über Streit und Versöhnung am Küchentisch, die sie später in großer Runde allen präsentieren. Andere ziehen sich in die Malwerkstatt zurück. Hier entstehen Familienbilder. Manche mit vielen gebrochenen Herzen. Um die kreativen Geister zu stärken, gehört auch eine gemeinsame gesunde Frühstückspause zum Programm.
Dann im großen Stuhlkreis, die Abschlusspräsentation. Nicht für jeden ist es leicht, sich auf die Geschichten, Szene und Bilder der Mitschüler zu konzentrieren. Blödeln, johlen toben - die Anstrengung braucht ein Ventil. Und doch haben viele Schüler sich auch mit Ernst an die Arbeit gemacht. Sie präsentieren gemalte Geschichten von Harmonie in bunt und von Streit in grau und schwarz. Die eben entstandenen Familienstücke gibt es zu sehen: "Nimm die Füße vom Tisch!", "Weg mit dem Alkohol!", oder auch: "Hey, ich will einen Neuanfang...". Eine Schülerin traut sich sogar, die selbstgeschriebene Geschichte vorzulesen, über den Zwist, den man zu Hause haben kann. Ein Thema, zu dem fast jeder etwas zu sagen hat.
Mitnehmen können die Schülerinnen und Schüler nicht nur die Erinnerungen an Trickfilm und Kreativarbeit, sondern auch einige praktische Tipps: "Wir sagen den Kinder, dass es sich nicht lohnt, lange zu warten, wenn Familienprobleme sie bedrücken", erklärt Jana Dörger vom Diakonischen Werk. "Rat und Hilfe gibt es bei der Diakonie, gleichaltrige Freunde und erwachsene Wegbegleiter findet man zum Beispiel bei Evangelischen Jugend. Aber wir machen auch deutlich, dass es sich lohnt, im eigenen Umfeld nach Hilfe zu fragen. Oft gibt es Großeltern, Onkel, Tanten, die in den Ehestreit nicht direkt involviert sind und eine gute Anlaufstelle für die Kinder sein können."
Schulklassen, die auch einmal an einem Projektvormittag teilnehmen möchten, können sich unter claudia.behrend@kirche-muelheim.de melden. Finanziert wird "Verliebt, verlobt, verheiratet - geschieden" durch die Mülheimer Rekos-Stiftung.
ala / 20.09.2011
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