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Pfarrer Uwe Kaiser wird verabschiedet

„Ich freue mich auf die Freiheit, das zu machen, was mir sinnvoll erscheint“

Nach 33 Jahren an den Berufskollegs in Krefeld sowie vielfätigen Aufagben in Gemeindeverband und Kirchenkreis, wird Pfarrer Uwe Kaiser in einem Gottesdienst am Mittwoch, 31. Januar 2018, 17 Uhr in der Pauluskirche Krefeld, Hülser Str. 171, verabschiedet.

Etwas mehr Zeit, die Ruhebank in seinem Garten zu genießen, wird Pfarrer Uwe Kaiser hoffentlich im Ruhestand haben. Foto: privat LupeEtwas mehr Zeit, die Ruhebank in seinem Garten zu genießen, wird Pfarrer Uwe Kaiser hoffentlich im Ruhestand haben. Foto: privat

„Ich habe gerne unterrichtet und fand es gut, mit den Schülern im Austausch zu stehen, ihre
Weltanschauung kennenzulernen“, resümiert Pfarrer Uwe Kaiser, der als Berufsschulpfarrer 33
Jahre an Berufskollegs in Krefeld, seit 2003, am Glockenspitz, Religionsunterricht gegeben hat. In
den drei Jahrzehnten habe sich seine Rolle gegenüber den Schülern geändert „Ich habe mit 32
angefangen zu unterrichten“, berichtet Kaiser. Am Anfang noch in Position des großen Bruders, sei
er über die Vaterrolle inzwischen in die Großvaterrolle gerutscht.

Auch die Weltanschauung der Schüler hat sich in der Zeit sehr verändert: Von den Menschen, die
von Religion noch eine Ahnung hatten, zu den Leuten heute, die völlig uninformiert sind.
Es gebe viele muslimische Schüler und somit einen stetigen interreligiösen Dialog. Auch eine
Multikulti-Klasse hatte er, mit 24 Schülern aus insgesamt 14 Nationen. Eine große Herausforderung
für die Lehrer. Festgestellt hat Kaiser, dass der Antisemitismus bei seinen Schülern in den
vergangenen Jahren zugenommen habe. Dieser sei ganz unreflektiert von anderen übernommen
worden. Er habe im Religionsunterricht den Schülern gezeigt, wie stark der Islam im Judentum
wurzele. Das sei für seine Schüler etwas ganz Neues gewesen. Jedoch seien die muslimischen
Schüler inzwischen ebenso verweltlicht, säkular, wie die christlichen Schüler. „Die Entwicklung ist
ganz ähnlich“, erklärt Kaiser.

In der Schule habe in den vergangenen Jahrzehnten die Einbindung aller Lehrenden in die
didaktische Jahresplanung enorm zugenommen – in Konferenzen und Berichte. Der Unterricht
mache nur 45 Prozent der Arbeitszeit eines Lehrers aus, habe er in einer Studie gelesen. Auch die
staatlichen Relilehrer seien so eingebunden in das System, dass sie kaum Fortbildungen besuchen
können. Diese Entwicklung konnte er auch in seiner Funktion als Bezirksbeauftragter des Ev.
Kirchenkreises Krefeld-Viersen wahrnehmen. Kaiser hat in 19 Jahren als Bezirksbeauftragter für
den Evangelischen Religionsunterricht an Berufskollegs Lehrerfortbildungen organisiert, bei allen
Anstellungsverfahren und Staatsprüfungen die Kirche vertreten, stand als Seelsorger Kollegen und
Schülern zur Verfügung.

Uwe Kaiser wurde 1952 in Varel bei Oldenburg geboren und studierte Evangelische Theologie in
Wuppertal und Bochum. Nach seinem Vikariat in Leverkusen und Köln und Hilfsdienst in Köln,war
er dort Gemeindepfarrer in Höhenberg Vingst. 1985 wurde er Berufsschulpfarrer an der
Kaufmannsschule Krefeld. Pfarrer Kaiser war von 1997 bis 2001 Assessor des Kirchenkreises
(Stellvertreter des Superintendenten) und mehrere Jahre Beauftragter für Sekten- und
Weltanschauungsfragen. 33 Jahre gehörte er dem Leitungsgremium des Ev. Gemeindeverbandes
Krefeld an, über zehn Jahre im Vorstand.

Traurig ist Uwe Kaiser nicht, dass er nun aufhört mit der Schule und seinen anderen Aufgaben in
Kirchenkreis und Gemeindeverband. Nicht vermissen wird er endlose Sitzungen und Konferenzen.
„Ich freue mich auf die Freiheit, das zu machen, was mir sinnvoll erscheint“, meint Kaiser
schmunzelnd. Langweilig wird ihm nicht werden. Auf gar keinen Fall, dafür ist Kaiser viel zu aktiv
und engagiert. „Ich konzentriere mich auf andere Bereiche“, meint Kaiser. „Auf die
Telefonseelsorge und die Ausbildung der Ehrenamtlichen, auf Emailberatung und die
VeranstaltergemeinschaftWelle Niederrhein, in der ich seit 2017 Vorstandsvorsitzender bin. Bei der
Telefonseelsorge so wie auch bei der Veranstaltergemeinschaft ist er bereits seit Jahren aktiv. Er
wird auch weitermachen im Vorstand des Europäischen Bibeldialogs in Berlin und einmal im Jahr
ein Seminar fürWeltanschauungsfragen organisieren. Und zudem weiter als beratendes Mitglied im
Ausschuss für Schule undWeiterbildung der Stadt Krefeld tätig sein.

„Ich freue mich darauf, mehr Zeit zu haben“, bekräftigt Kaiser. „Auch mehr Bücher zu lesen. Da
liegt noch ein ganzer Stapel ungelesen herum.“ Seiner Frau Elke hat er versprochen, erstmal sein
Arbeitszimmer aufzuräumen mit Beginn des „Ruhe“stands. Dann sehe man weiter. In Urlaub fahren
außerhalb der Ferien zum Beispiel. Und: „Zeit für Familie“ ist Uwe Kaiser sehr wichtig. Schließlich
ist er auch als Opa stets gefragt, demnächst kommt das sechste Enkelkind.

Uwe Kaiser ist mit Leib und Seele Pfarrer, so hat er neben Schule und Gremienarbeit gerne
Gottesdienste,Trauungen und Beerdigungen gehalten. Das will er auch weiterhin tun. Interessant
findet Kaiser, dass seine eigene kirchliche Vergangenheit die Zukunft der Kirche sein wird. „Ich
habe bereits als Vikar eine eigene Gemeinde betreut“, erinnert sich der Theologe. „Damals waren
viele Pfarrstellen unbesetzt, es gab über 200 offene Stellen.“ Dann kam eine Pfarrerschwemme und
heute gebe es wieder zu wenige. Das werde die nächste Herausforderung der Kirche sein: Umbau
und Konzentration der Kirche bzw. des Pfarrberufs auf dasWesentliche. Der Theologe hatte schon
früh Kontakte zu Gemeinden in der ehemaligen DDR – und Jugendbegegnungen durchgeführt,
verbotenerweise. Dort habe er gesehen, was auf uns zukommt in der Entwicklung von kirchlicher
Arbeit „Das erschreckt mich nicht“, betont Kaiser. „Es ist eine Herausforderung.“

Warum ist Uwe Kaiser Pfarrer geworden? „Darauf habe ich alle fünf Jahre eine andere Antwort“,
meint Kaiser und lächelt. „Auf jeden Fall hatte ich einen sehr guten Religionslehrer.“

Bettina Furchheim

 



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