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Besuch der Rheinischen Kirchenleitung

Was bewegt die Menschen vor Ort?

Was bewegt die Menschen vor Ort? - im Kirchenkreis Krefeld-Viersen. Das wollten die Mitglieder der Kirchenleitung an diesem Wochenende wissen. So startete die Visite mit einem Treffen von Vertretern der Region aus Politik, Ökumene und Religionen in Hüls. 

Auftakt der Visite (vorne v.l.n.r.): Pfarrer Paul Jansen (Hüls), Superintendent Burkhard Kamphausen, Präses Manfred Rekowski, Kreisdirektor Ingo Schabrich (Kreis Viersen), Oberbürgermeister Frank Meyer (Krefeld). Foto: Furchheim LupeAuftakt der Visite (vorne v.l.n.r.): Pfarrer Paul Jansen (Hüls), Superintendent Burkhard Kamphausen, Präses Manfred Rekowski, Kreisdirektor Ingo Schabrich (Kreis Viersen), Oberbürgermeister Frank Meyer (Krefeld). Foto: Furchheim

Zwei halbe Tage war die Rheinische Kirchenleitung im Kirchenkreis Krefeld-Viersen unterwegs. „Wir haben die Arbeit in den Gemeinden und Arbeitsbereichen gelobt“, resümierte Präses Manfred Rekowski am Ende der Visite in Krefeld. „Dem Kirchenkreis gelingt es, an vielen Stellen situationsbezogen zu arbeiten und das ausgesprochen gut.“ Einige Projekte, beispielsweise „The Church Project“ der Jugend in Fischeln und das Haiti-Projekt in Kempen, haben große Begeisterung bei der Kirchenleitung ausgelöst. Die gesamte Leitung der Evangelischen Kirche im Rheinland (nur ein Mitglied war erkrankt) nahm sich die Zeit, ins Gespräch zu kommen – mit dem Kreissynodalvorstand und vor Ort. „Wir verstehen unsere Ausgabe bei einer Visite auch darin, für Knowhow und Erfahrungstransfer zu sorgen“, sagte Rekowski. „Da gibt es immer ein paar Punkte, wo man gegenseitig voneinander profitieren kann.“ Manche Dinge konnten sie wahrnehmen, die für die ganze Landeskirche relevant sind. „Wir müssen situationsbedingt arbeiten“, erklärte Präses Rekowski. „Es gibt keine Kopiervorlagen. Jede Gemeinde und jeder Kirchenkreis ist anders. Wir brauchen einerseits Innovationen von ganz neuen Formen, andererseits müssen wir bestehendes weiterentwickeln.“

Jedes Jahr visitiert die Kirchenleitung ein bis zwei Kirchenkreise. Dabei informiert sich über die geleistete Arbeit sowie über aktuelle Themen und Entwicklungen. Krefeld-Viersen war der letzte der 38 rheinischen Kirchenkreise, der in Folge visitiert wurde.

Die Visite begann mit einem Gespräch mit örtlichen Politikern und Vertretern der Ökumene und Religionen. „Normalerweise wird die Kirchenleitung im Rathaus der Stadt des Kirchenkreises empfangen“, erklärte Superintendent Burkhard Kamphausen. „Wir hatten die Ökumenische Begegnungsstätte als passenden Raum gewählt.“ Denn der Kirchenkreis Krefeld-Viersen erstreckt sich über mehrere Städte und mehrere Landkreise.

Neben der Zusammenarbeit mit den Kommunen und der Ökumene habe auch die interreligiöse Zusammenarbeit eine hohe Qualität, betonte der Superintendent. So freue es ihn sehr, dass auch Vertreter der Jüdischen Gemeinde Krefeld und ein Vertreter der UNION der islamischen und türkischen Vereine der Einladung gefolgt seien. Zu den Besonderheiten des Kirchenkreises gehöre auch: „Wenn wir sagen, wir gehen in die Stadt, kann das bei uns ganz Unterschiedliches bedeuten: Neben den Städten in Krefeld-Viersen auch Venlo beispielsweise.“ Und gehe es in der Landeskirche um „Kirche auf dem Land“, könne er sich melden. „Geht es um Cityarbeit, Studierendenarbeit oder Religionsunterricht – es ist alles bei uns vorhanden“, betonte Kamphausen. „Es ist die Vielfalt, die unseren Kirchenkreis prägt.“

„Eine Gesellschaft ohne Kirche würde so nicht funktionieren, wie sie jetzt funktioniert“, davon ist der Krefelder Oberbürgermeister Frank Meyer überzeugt. „Sie ist ohne Kirche für mich nicht vorstellbar.“ Selbstbewusster sollten Christen mit diesem Umstand umgehen. „Wir versuchen die Zusammenarbeit von Stadt und Religionen weiter zu verbessern“, fügte Meyer in Hüls an. Und nannte als Beispiel das feierliche Entzünden des Chanukka-Leuchters im Dezember gemeinsam mit allen Religionen im Krefelder Rathaus. Oder: Den gemeinsamen Gebetsabend im Rathaus zur „Internationalen Gebetswoche der Evangelischen Allianz“. Für Meyer selbstverständlich: Ein Gebet gehört auch ins Rathaus.

„Unsere Kirchenleitung besteht aus Menschen, die geordneten bürgerlichen Berufen nachgehen“, erklärte Präses Manfred Rekowski um den Besuch aus Düsseldorf vorzustellen – und fügte schmunzelnd hinzu: „Und anderen, die in der Kirche beschäftigt sind und auch da ordentlichen Berufen nachgehen.“ Gemeinsam leiten sie Kirche. „Wir wollen wahrnehmen, wie Kirchenkreise leben und arbeiten“, erklärte Rekowski den Hintergrund einer Visite. Was bewegt die Menschen vor Ort? „Ich finde es ausgezeichnet, dass sich hier evangelische und katholische Christen ein Begegnungszentrum teilen“, ergänzte Rekowski. „Und dass es selbstverständlich ist, dass die Jüdische Gemeinde mit dabei ist.“ So wie auch ein Vertreter der Muslime. Kritisierend fügte er an, es sei populär mit Häme und Niedertracht über Leute zu sprechen, die politisch aktiv seien. „Ich habe großen Respekt vor dem was Sie tun“, betonte Rekowski. Natürlich passierten auch Fehler, doch vor allem seien es Menschen, die Verantwortung tragen, nach Lösungen suchen und Kompromisse schließen. „Wir begleiten Sie“, meinte Rekowski, „in kritischer Solidarität.“

Im Rhein-Maas-Berufskolleg: "Bibel und Zeitung gehören zusammen", meinte Pfarrer Roland Kühne, Projektleiter von "Schüler bauen für Haiti". Dieser Ausspruch stamme von dem Theologen Karl Barth. Foto: Furchheim LupeIm Rhein-Maas-Berufskolleg: "Bibel und Zeitung gehören zusammen", meinte Pfarrer Roland Kühne, Projektleiter von "Schüler bauen für Haiti". Dieser Ausspruch stamme von dem Theologen Karl Barth. Foto: Furchheim

Schüler bauen für Haiti: "Ein beeindruckendes Projekt" - so Präses Rekowski.

Maurer und Anlagenmechaniker in Ausbildung traf Präses Manfred Rekowski bei den Gesprächen vor Ort im Rhein-Maas-Berufskolleg in Kempen. Sie nehmen teil am Projekt „Schüler bauen für Haiti“. Seit 2011 fahren jedes Jahr Schüler und Lehrer des Berufskollegs nach Haiti, um dort zu arbeiten. Beim Wiederaufbau zu helfen, das war dringend notwendig nach dem Erdbeben 2010 und dem Hurrikan Matthew 2016. Und ist es weiterhin. Direkt nach dem verheerenden Erdbeben fragte ein Azubi im Religionsunterricht „Wir sind doch Maurer und können Häuser bauen – sollen wir dort nicht helfen?“ Gesagt, getan. Seitdem sind in vielen Arbeitseinsätzen in Haiti bereits ein Lehrerausbildungszentrum in Liancourt und ein Jugendzentrum in Torbeck entstanden. In den Osterferien geht es weiter: Geplant sind eine Grundschule und eine Praxis für medizinische Erstversorgung sowie ein kleines Waisenhaus.

Drei Wochen sind die Helfer jeweils vor Ort. Die Lehrlinge spenden ihren Urlaub, ein Teil wird ihnen meist von ihren Chefs geschenkt. Gemeinsam arbeiten die Azubis mit Einheimischen. „Wir haben mehr von ihnen gelernt, als andersherum“, berichtete Engelbert Hillen, Abteilungsleiter Technik des Berufskollegs, von seinen Erfahrungen vor Ort. „Sie können sich mit dem bisschen, was sie haben, selber versorgen. Sie haben nur nicht viel Geld. Wenn jedoch Geld da ist, dann passiert auch etwas.“ Das haben die jeweiligen Arbeitsgruppen um Initiator Pfarrer Roland Kühne, Religionslehrer am Rhein-Maas-Berufskolleg, sehr deutlich gemerkt.

„Es ist ein beeindruckendes Projekt“, sagte Präses Rekowski. „Ich bin ganz fasziniert von dem, was hier passiert.“ Es sei das erste Projekt, das er kenne, wo Menschen, die nicht Abitur haben müssen, sich vor Ort im Ausland engagieren. „Es gibt auch Leute mit Abitur bei uns“, widersprach Angelo Kaiser, der Ostern zum ersten Mal mitfährt. Die Ausrede vieler Menschen „Ich würde ja gerne helfen, aber ich weiß nicht, wo das Geld hingeht“ lässt er nicht gelten. Für ihn ist das der Grund, nach Haiti zu reisen: „Ich mache, ich fahre und packe mit an.“

„Sie haben gezeigt, dass der Satz, da kann man eh´ nichts tun, falsch ist“, lobte Rekowski. „Hier ist aus einer Idee nachhaltige Hilfe geworden.“ Für jeden Einsatz vor Ort benötigen die Kempener zwischen 40.000 und 50.000 Euro. „Damit es sich dort lohnt und wir etwas verbauen können“, fügte Projektleiter Pfarrer Kühne an. „Von dem Geld entlohnen wir die Arbeitskräfte vor Ort, kaufen Baumaterial bei kleineren Familienunternehmen in der Region, organisieren Transport und Verpflegung, bezahlen die Flüge der Schüler.“ Das primäre Problem sei nicht die Verständigung, erklärte Kühne auf Nachfrage, sondern das Geld. Sie seien darauf angewiesen, dass andere „Töpfe aufmachen“. „Ich kann nichts versprechen“, antworte Rekowski, „aber ich habe da schon einige Ideen.“

Andere Mitglieder der Kirchenleitung lernten währenddessen die Arbeit des Diakonischen Werkes kennen, informierten sich über die „Zusammenarbeit im ländlichen Raum“ am Beispiel der AG Nette und über „Gemeindearbeit für alle Generationen“ in St. Tönis. Am Abend berieten die beiden Leitungsorgane – einzeln und gemeinsam.

Kirchenleitung zu Besuch im KRUMM: Vizepräsident Dr. Johann Weusmann (4.v.l.), Marion Unger (6.v.l.) und Wolfgang Albers (4.v.r.) sowie Pfarrerin Helga Schröck-Vietor (3.v.l.), Referentin des Präses LupeKirchenleitung zu Besuch im KRUMM: Vizepräsident Dr. Johann Weusmann (4.v.l.), Marion Unger (6.v.l.) und Wolfgang Albers (4.v.r.) sowie Pfarrerin Helga Schröck-Vietor (3.v.l.), Referentin des Präses

"Was stattfindet, ist inspirierend"

Der Samstag startet mit weiteren „Gesprächen vor Ort“. Etwa im Begegnungszentrum KRUMM in Willich. Es wurde vor 15 Jahren gegründet in gemeinsamer Trägerschaft der Ev. Emmaus-Kirchengemeinde und der Caritas. Hier findet so genannte Gemeinwesenarbeit statt. Etwa 700 Personen besuchen das KRUMM pro Woche in den unterschiedlichen Angeboten – von Yoga über Krabbelgruppen und Sprachkurse zum Café International, alles ist dabei. Und was es noch nicht gibt, kann selber angeboten werden. Denn das Motto des KRUMM „Komm Rein und Mach Mit“ ist Programm. Menschen aus der Umgebung können hier selbstverantwortlich Angebote gestalten, mit Unterstützung zweier Hauptamtlicher. „Das Zentrum ist eine absolute Erfolgsgeschichte“, erklärt Pfarrer Joachim Schuler. Das funktioniere nur, wenn eine Kommune offen sei für Zusammenarbeit und die Kirchengemeinde ihre Kompetenz und ihr Engagement miteinbringe. So habe die Emmaus-Kirchengemeinde 2015 auch die Trägerschaft für die Begegnungsstätte und Netzwerkarbeit in Neersen übernommen. Dort wird Quartiersarbeit aufgebaut, auch hier das Angebot unterstützt, eigenverantwortlich etwas zu machen.

„Es gelingt Ihnen hier vorzüglich, viele Menschen anzusprechen mit wenig Ressourceneinsatz“, meinte Vizepräsident Dr. Johann Weusmann. Er sei beeindruckt, von dem, was er in Willich erlebt habe. Es ist auch Inspiration. Etwas, das sie weitergeben werden. Hier erlebe man christliche Gemeinschaft in einer Bürgergemeinde. „Sie sind bei den Menschen“, resümierte Weusmann. „Kirche, die nicht bei den Menschen ist, kann ich mir gar nicht vorstellen.“

Weitere Themen am Samstagvormittag waren „Übergemeindliche Zusammenarbeit“ am Beispiel des Koordinierungsausschusses Meerbusch und des Gemeindeverbandes Krefeld sowie Jugendarbeit exemplarisch durch „The Church Project“ (TCP) in Fischeln.

Dankbar ist Superintendent Burkhard Kamphausen für den Besuch – er war vielfältig anregend: „Es ist uns gelungen, die Besonderheiten unseres Kirchenkreises darzustellen, insbesondere im ökumenischen Bereich sind sie deutlich geworden, aber auch zu anderen Religionsgemeinschaften und zum öffentlichen Leben. Wir erreichen viele Menschen, so auch der Eindruck der Kirchenleitung. Wir nutzen an vielen Stellen die Chancen, die wir haben.“

„Was stattfindet, ist inspirierend“, betonte auch Oberkirchenrat Bernd Baucks, Mitglied der Kirchenleitung.

Bettina Furchheim

 



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