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Kuhstall in China. Foto: Eikon Filmproduktion und Miramonte Film, Martin Rattini Kuhstall in China. Foto: Eikon Filmproduktion und Miramonte Film, Martin Rattini

Diskussion über Film "Das System Milch"

Milch: Vom "Lebensmittel" zum gehandelten Rohstoff

Als das heute nostalgisch anmutende Programmkino in Neitersen im Westerwald noch das kulturelle Dorfleben prägte, gehörten Kühe zum Lebensalltag der ländlichen Bevölkerung. Milchvieh graste die Wiesen ab, wurde abends durch die Dorfstraßen zum Stall getrieben und versorgte die Menschen mit einem hochwertigen Lebensmittel.

Rohrsystem in einer dänischen Molkerei. Foto: Eikon Filmproduktion und Miramonte Film, Falco Seliger Rohrsystem in einer dänischen Molkerei. Foto: Eikon Filmproduktion und Miramonte Film, Falco Seliger

Mit der Messingkanne zog man abends los und freute sich an stallwarmer Milch. Das „Direktvermarktung“ zu nennen, wäre damals, in den Wirtschaftswunderjahren, keinem eingefallen. Man ging schlicht Milch holen, zahlte dafür  ein paar Groschen, was angesichts der allgemeinen Lebenshaltungskosten beileibe kein billiger Einkauf war.

Heute gibt es auch in den Westerwälder Kühlschränken zumeist nur Tütenmilch. Ob sie aus der Eifel oder aus Ostfriesland stammt, weiß keiner der Konsumentinnen und Konsumenten. Ob man gut daran tut, zur teureren Markenmilch oder zur günstigeren Discountermilch zu greifen, bleibt dem Milchtrinker meist auch unklar. „Billig“ ist das Lebensmittel  geworden - und ohne Bezug zur Heimat, zum Tier, zur bäuerlichen Arbeit.

Melk-Karussell in China. Foto: Eikon und Miramontefilm, Martin Rattini Melk-Karussell in China. Foto: Eikon und Miramontefilm, Martin Rattini

Wie kam es dazu, dass aus dem „Lebensmittel Milch“ ein Big Business wurde, ein milliardenschwerer Komplex industrieller Produktion, durchgesetzt von Vermarktungskonzernen? Wie kam es dazu, dass Milch ein „Rohstoff“ wurde, der global knallhart gehandelt wird? Wie wurde aus einem tier-, bauern- und verbrauchergerechten Milchhandel eine milliardenschwere Industrie, die Tier, Mensch und Umwelt weltweit belastet? Das jedenfalls zeigt der Dokumentarfilm „Das System Milch“.

Der Film von Grimme-Preisträger und Regisseur Andreas Pichler - eine von evangelischen Kirchen mitfinanzierte EIKON-Produktion - blickt aus vielen Perspektiven auf das, was den Wandel auslöste, ihn beschleunigt, wem er schadet und wem nutzt. Pichlers dokumentierte Treffen mit Milchbauern, Molkerei-Managern, Politikern, Wissenschaftlern und Lobbyisten lösen nicht nur im Westerwald heftige Diskussionen aus.

Präses Manfred Rekowski kostet Milch mit Axel Dosch, Agrarsoziologe und Referent der Landjugendakademie Altenkirchen. Präses Manfred Rekowski kostet Milch mit Axel Dosch, Agrarsoziologe und Referent der Landjugendakademie Altenkirchen.

Bei der öffentlichen Filmvorführung – auf Initiative der Evangelischen Kirche im Rheinland und der Landjugendakademie in Altenkirchen – im proppenvollen alten Neiterser Kino im Kreis Altenkirchen war nicht nur Präses Manfred Rekowski „erschlagen“ von der Fülle des Films. „So viele Ansatzpunkte, die uns als Gesellschaft und Christen herausfordern, wo wir anpacken müssen.“ 

Der Film „Das System Milch“ greife genau die Themen auf, mit denen man sich seit der Landessynode 2008 mit ihrem Schwerpunktthema „Wirtschaften für das Leben - Wirtschaftliche Globalisierung und ihre Herausforderungen für die Kirchen“ beschäftige. Filmproduzent Christian Drewing erklärte: "Wir wollen Filme für das Leben machen, da ist Milch sicher ein wichtiges Thema."

Zwischen Zukunftsängsten und Hoffnungen

Geht es im Film auch um die globalen Folgen des „Systems Milch“, so wurde in der Podiumsdiskussion vor allem deutlich, welche Reaktionen das „System Milch“ bei den Vor-Ort-Akteuren hervorruft. Zukunftsängste wurden ebenso offenbart wie Hoffnungen auf neue Direktvermarktungschancen oder die Hinwendung zu ökologischer Landwirtschaft. Engagiert diskutierten mehr als hundert Besucherinnen und Besucher, darunter auch Berufsschülerinnen und -schüler einer landwirtschaftlichen Ausbildung.

Die Bauern stünden "mit dem Rücken an der Wand", klagte André Beetschen, Vorsitzender des Evangelischen Dienstes auf dem Lande der Evangelischen Kirche im Rheinland. Das rheinische Sorgentelefon für bäuerliche Betriebe spiegelt die Situation: Früher war die Hofnachfolge ein großes Thema, heute quäle die Anrufer "die schiere Existenzangst", so Pfarrer Beetschen. Das haben auch die Filmemacher mitbekommen. Viele Landwirte wüssten nicht mehr, wie es mit Ihnen, ihrer Familie und ihren Höfen weitergehen kann, so Produzent Drewing.

Am Wohl für Tier und Mensch orientieren

Unisono forderte die Diskussionsrunde ein Mehr an Wertschätzung und Orientierung am Wohl von Tier, Mensch und Schöpfung ein. Dabei seien – so der Tenor - Konsumenten, Produzenten, Vermarkter und politisch Handelnde gleichermaßen gefordert. Nur ein Beispiel: Georg Groß, Vorsitzender der Kreisbauernverbandes Altenkirchen, mahnte, dass es unvernünftig und unökologisch ist, "dass allein in unserer Region zehn unterschiedliche Unternehmen Milch einsammeln".

Dazu passte der Aufruf von Milchbau Ludwig Seegers aus Rott: "Lasst uns die Milch wieder regional aufarbeiten und vermarkten." Dann lasse sich auch das Vertrauen der Verbraucherinnen und Verbraucher wiedergewinnen. Er erzählte, dass er sich nach der Umstellung auf Biobetrieb und damit von 200 auf 130 Kühe befreit fühle.

Selber sehen: Die Fernseh-Erstausstrahlung des Films "Das System Milch" läuft am heutigen Abend, Dienstag, 21. November, ab 20.15 Uhr auf Arte. Zu sehen ist der Film außerdem noch bis einschließlich 22. November in  Bonn-Beuel im Kino Neue Filmbühne (wie auch in anderen Programmkinos). Außerdem ist der Film auf DVD erhältlich.

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ekir.de / Petra Stroh / 21.11.2017



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27.10.2010



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