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für den 25.05.2012
Du sollst anbeten vor dem HERRN, deinem Gott, und sollst fröhlich sein über alles Gut, das der HERR, dein Gott, dir und deinem Hause gegeben hat.
5.Mose 26,10.11
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Predigttext: 1.Petrus 5, 1-4
B kommt eilig von hinten nach vorne gelaufen
A ruft:
Hallo, B! Wohin denn so eilig?
B:
Zum Wahllokal! Um 16.00 Uhr ist Ende!
A:
Wahllokal? Was wählen wir denn? Schon wieder einen neuen Bundestag? Ich dachte, das wär’ erst noch... Habe ich da was verpasst?
B kommt zu A:
Nein, keinen Bundestag! Das neue Presbyterium!
A:
Presby... - was?
B:
Presbyterium. Du weißt nicht, was das ist? Hast wohl im Konfirmandenunterricht nicht richtig aufgepasst, wie?
A:
Hm, da muss ich wohl krank gewesen sein. Masern??? Oder ich hab‘s vergessen. Und? Was ist nun ein Presbyterium?
B:
Das Wort kommt aus dem Griechischen und heißt soviel wie "Älteste". Natürlich sind das nicht die ältesten Gemeindeglieder! Sondern sie sind Gemeindeglieder, die von der Gemeinde für vier Jahre gewählt werden, um gemeinsam mit den Pfarrerinnen und Pfarrern und gewählten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Leitung der Gemeinde zu übernehmen. Alle vier Jahre wird das Presbyterium neu gewählt. Einmal im Monat kommt es zu einer Sitzung zusammen, um über die verschiedenen Gemeindeangelegenheiten zu beraten und zu beschließen. Das können ganz verschiedene Dinge sein: die Presbyter tragen die Verantwortung für den Gottesdienst, den Konfirmandenunterricht, für Seelsorge und Diakonie, für die Finanzverwaltung und die Unterhaltung der Gebäude, für die Veranstaltungen einer Kirchengemeinde und für die Menschen, die in ihr und für sie arbeiten. Weil das manchmal zu viel Arbeit für das gesamte Presbyterium ist, gibt es Ausschüsse für die verschiedenen Bereiche, die alles, was anliegt, beraten und dem Presbyterium zur Abstimmung vorlegen. Dazu gibt es einen Finanzkirchmeister, der sich besonders um das Geld und den Haushaltsplan kümmert, und einen Baukirchmeister, der für die Gebäude zuständig ist.
A:
Oh, das hört sich aber anstrengend an! Das müssen ja wahnsinnig gebildete Leute sein, die sich das zutrauen! Was die alles können müssen! Von Bauen bis Seelsorge!
B:
Naja, so schlimm ist es nun auch wieder nicht. Aber es ist schon gut, wenn in einem Presbyterium möglichst viele Gaben zusammenkommen. Die Pfarrer können ja schließlich nicht alles - obwohl sie das manchmal meinen...
Auf die Vielfalt kommt es an, und wenn alle gut zusammenarbeiten, dann ist so ein Presbyterium ein echt gutes Team! Schau dir mal die Kandidatenliste an! Da haben wir ... (Lehrerinnen, einen Rechtsanwalt und einen Richter, eine Jurastudentin, Banker, einen Verwaltungsbeamten im Ruhestand, eine Krankenschwester und einen Personalleiter), und im Presbyterium sind Handwerker, Ingenieure, alles Menschen wie du und ich, die der Gemeinde das, was sie können, gerne zur Verfügung stellen möchten.
A:
Das ist ja wirklich beachtlich! Warum tun die das eigentlich? Gibt‘s da Geld für?
B:
Nein, kein Geld. Alles ehrenamtlich. Die tun das, weil sie diese Arbeit wichtig finden und sich gerne dabei engagieren möchten. Warum die einzelnen das tun, kannst du sie heute Nachmittag übrigens auch selber fragen. Da gibt es im Gemeindehaus eine Wahlparty, die die Jugendlichen veranstalten, und da werden alle Kandidatinnen und Kandidaten interviewt. (eigene Gemeindeveranstaltungen einfügen)
A:
Ich glaube, da gehe ich dann doch mal hin. Das interessiert mich jetzt. Aber trotzdem weiß ich immer noch nicht genau, was man so als Presbyter beachten muss. Ich meine, es ist doch ein Unterschied, ob ich in einem Kaninchenzüchterverein oder Fußballclub, oder ob ich in einer Kirchengemeinde aktiv bin. Presbyter, das klingt irgendwie so, hm, fromm eben. Und ein bisschen altmodisch.
B:
Einen Unterschied gibt es schon. Es sind eben auf je ihre Weise überzeugte Christinnen und Christen, die ein solches Amt übernehmen. Und mit diesem Hintergrund, mit diesem Glauben erfüllen sie ihr Amt. Sie wollen im Sinne Jesu die Gemeinde leiten. Und sie sollen das auch!
A:
Sollen? Wo steht das? Gibt‘s dazu etwa Gesetze?
B:
Gesetze auch. Die Kirchenordnung hat viele davon, mehr, als dem Presbyterium manchmal lieb ist. Aber die ist eigentlich gar nicht so wichtig!
A:
Sondern?
B:
Die Bibel. Da stehen viel bessere Sachen drin als in der Kirchenordnung! Ich lese dir mal vor, was dort über das Presbyteramt zu lesen ist. Hör mal:
1.Petrus 5, 1-4
1 Ich wende mich nun an die Ältesten unter euch. Ich bin selbst Ältester der Gemeinde, und ich habe teil an den Leiden von Christus wie an seiner Herrlichkeit, die bald offenbar werden wird. Deshalb ermahne ich euch:
2 Leitet die Gemeinde, die Herde Gottes, die euch anvertraut ist, als rechte Hirten! Kümmert euch um sie, nicht weil es eure Pflicht ist, sondern aus innerem Antrieb, so wie es Gott gefällt. Tut es nicht, um euch zu bereichern, sondern aus Hingabe.
3 In eurem Verantwortungsbereich führt euch nicht als Herren auf, sondern gebt euren Gemeinden ein Vorbild.
4 Dann werdet ihr, wenn der oberste Hirt kommt, den Siegeskranz erhalten, der nie verwelkt.
A:
Presbyter sind Hirten? Eben sagtest du noch, Presbyter seien Älteste - die Pastoren sind doch die Hirten. Das steckt doch schon im Namen. Lat. Pastor = Hirte. Im Lateinunterricht habe ich aufgepasst!!!
B:
Du hast ja recht! Aber zur Zeit der christlichen Urgemeinden - und in der Zeit ist der Brief ja entstanden - waren das Pfarramt und das heutige Presbyteramt und das Amt eines Religionslehrers noch zusammengefasst. Presbyter hielten damals die Gottesdienste, waren für die Finanzen zuständig und sorgten dafür, dass richtig und angemessen von Jesus Christus geredet wurde. Erst noch etwas später wurden die verschiedenen Ämter daraus. Trotzdem finde ich das Bild des Hirten auch ganz schön für die Presbyter. Die tragen ja schließlich eine große Verantwortung für die Gemeinde.
A:
So viel Verantwortung zu übernehmen - da muss man als Presbyter ja wirklich den ganz dringenden Wunsch haben, etwas für die Gemeinde zu tun! Du kennst doch den Spruch „ reicht man einem den kleinen Finger, dann will der die ganze Hand.“ Gerade bei kirchens ist das doch oft so: wenn jemand gebeten wird, kurzfristig eine Aufgabe zu übernehmen, dann wird er die nicht mehr los, und aus einem Amt werden wie durch Zauberei eine ganze Menge davon.
B:
Da magst du ja recht haben. Es kann sein, dass der, der diesen Brief geschrieben hat, bereits die Schatten des Amtes andeutet: das Problem aufgedrückter Arbeit. Schließlich spricht er aus Erfahrung, er ist ja selber Presbyter. Deswegen erwähnt er wohl extra, dass das Amt auf Freiwilligkeit, auf innerem Antrieb beruht. Niemand darf dazu gezwungen werden, und jeder muss auch nein sagen dürfen, ohne dass es ihm übel genommen wird.
A:
Na, hoffentlich wissen die neuen Kandidaten, worauf sie sich da einlassen!
B:
Ich denke schon.
A:
Da ist aber noch etwas. Du hast da eben zwar etwas vorgelesen von Vorbild oder so...
B:
Ja! Führt euch nicht wie Herren auf, sondern gebt euren Gemeinden ein Vorbild, schreibt der Verfasser unseres Briefes.
A:
Ja, die Stelle meine ich! Vorbild für die ganze Gemeinde sein, immer alles richtig machen...
B:
Um das zu verstehen, müssen wir wieder ein bisschen übersetzen. Denn Petrus hat seinen Brief ja nicht in deutsch, sondern in griechisch geschrieben.
A:
Langsam wird mir das zu kompliziert! Lateinisch, griechisch...
B:
Ist es aber gar nicht! Also. Wo wir „Vorbild“ sagen, da steht im griechischen Originaltext „TYPOS“. Und diese Wort bedeutet so viel wie Urbild, und zwar für Formen, Reliefs, Siegel und Münzen. Na, dämmert‘s?
A:
Noch nicht so richtig...
B:
Vorbild ist nicht in einem moralischen Sinn zu verstehen. Wir müssen nicht immer alles richtig machen, immer perfekt sein, das können wir gar nicht! Presbyter, überhaupt die Christen, sind ja auch nur Menschen und vor Krisen und Schwächen nicht geschützt. Vorbild sein meint erst einmal gar nicht, was wir machen sollen, sondern was wir mit uns machen lassen sollen. Wir sollen unser Leben durch Jesus Christus prägen lassen und dann immer wieder auf den hinweisen, der uns geprägt hat: Jesus eben. Weil er der eigentliche Herr der Gemeinde ist, dürfen und brauchen wir uns nicht als Herren aufspielen. Die Verantwortung, die ein Presbyterium hat, hat nichts mit Herrschaft zu tun. Sondern wenn jemand in einer Gemeinde etwas zu sagen hat, dann aufgrund seiner Kompetenz, seiner Fähigkeit und kraft seines verliehenen Amtes. Es ist eher eine Befugnis, Entscheidungen zu treffen. Und alles, was das Presbyterium tut, soll wiederum der Gemeinde dienen, damit sie erkennen kann, dass alles im Namen Jesu Christi geschieht. Das ist manchmal ganz schön schwer, denn auch in einer Kirchengemeinde geht es bisweilen nicht nur christlich zu!
A:
So wie du das schilderst, klingt es wirklich nicht gerade einfach. Den Glauben verkündigen gerade in den ganz alltäglichen Dingen. Ein ganz schöner Drahtseilakt! Woher nehmen die Presbyter die Kraft dazu? Wenn es schon keinen Lohn gibt...
B:
Denk doch nicht immer an das liebe Geld! Hör noch mal, was im Petrusbrief steht: „Dann werdet ihr, wenn der oberste Hirte kommt, den Siegeskranz erhalten, der nie verwelkt.“
A:
Ach, wieder so‘n Vergleich! Aber ich ahne, was er bedeuten soll: Der „oberste Hirte“, das ist doch bestimmt Gott oder Jesus. Und wenn der wiederkommt am Ende der Zeit, am Ende der Welt also, wird jeder seinen Lohn bekommen. Presbyter arbeiten also im wahrsten Sinne des Wortes für „Gotteslohn“.
B:
Ja, gar nicht schlecht, dein Gedanke! Aber ich glaube nicht, dass die Presbyterinnen und Presbyter an den Lohn denken, den sie für ihre Arbeit bekommen. Bei Gott brauchen wir uns doch nichts zu verdienen. „Es liegt nicht an unserem Wollen und Laufen, sondern an Gottes Erbarmen“, sagt der Apostel Paulus. Den Siegeskranz hat Christus für uns erkämpft. Der liegt sozusagen schon bereit. Nicht nur für Presbyter.
A:
Also doch Gotteslohn für alle, ob Presbyter oder nicht. Dann ist es ja egal, was die Presbyter tun und wie sie es tun. Wieso dann der ganze Aufstand mit Vorbild, TYPOS und so?
B:
Nun stell dich aber nicht dümmer, als du bist! Dass wir Gottes Liebe nicht verdienen brauchen, heißt ja nicht, dass es Gott egal ist, was wir tun und lassen! Gott gibt uns die Verantwortung für die Gemeinde, in der wir leben. Und er erwartet, dass wir unsere Gaben für andere einsetzen, so gut wie wir können. Wofür hat er uns denn unsere Talente gegeben? Doch nicht, um sie versauern zu lassen! Die Presbyter bereichern die Gemeinde durch ihre Gaben in der Leitung der Gemeinde, und sie lassen sich dabei von ihrem Glauben leiten.
A:
Da hast du wohl recht. Und das Mindeste, was jeder und jede in der Gemeinde tun kann, ist, ihre Arbeit mit seiner Stimme zu unterstützen. Denn Entscheidungen zu treffen, die das Leben, die Zukunft der Gemeinde betreffen, ist ja manchmal ganz schön schwer. Da tut es gut, wenn die Presbyter wissen: sie haben den Rückhalt, das Vertrauen ihrer Mitchristen.
Jetzt weiß ich wenigstens Bescheid.
Gut, dass ich dich getroffen habe!
A und B zusammen:
Also, nicht vergessen! Wählen gehen!
Amen.
01.02.2012
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