Unser großes Wochenende zum Frieden
Friedensfest

Tatsächlich Frieden

Vom 27. bis 29. September 2019 veranstaltete der Kirchenkreis Lennep ein Wochenende ganz im Zeichen des Friedens. Hier finden Sie weitere Informationen im Rückblick.

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Donnerstag, 24. Oktober, 10.00 Uhr
Gottesdienst im Haus Clarenbach
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Sonntag, 27. Oktober, 10.00 Uhr
Gottesdienst in der ev. Kirche Lüttinghausen
Kirche Lüttringhausen
Sonntag, 27. Oktober, 17.00 Uhr
Gottesdienst in der ev. Kirche Goldenberg - Orgel trifft Musical
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Losung

für den 23.10.2019

Du wirst mit deinem Gott zurückkehren. Halte fest an Liebe und Recht und hoffe stets auf deinen Gott!

Hosea 12,7

Edwin Jabs Edwin Jabs (Foto: Sergej Lepke)

Sexuelle Selbstbestimmung 3

„Wir nehmen jedes Opfer ernst“

Mitgefühl und Anerkennung des Erlittenen statt billigem Trost – das ist es, was Menschen, die sexualisierte Gewalt erfahren haben, benötigen, sagt der Theologe und Psychologe Edwin Jabs, Leiter der Evangelischen Hauptstelle für Familien- und Lebensberatung in Düsseldorf. Er begleitet Betroffene als Seelsorger.

Wer Opfer sexualisierter Gewalt geworden ist, leidet nicht nur körperlich. Auch die Seele ist zutieftst verletzt. Welche seelsorglichen und psychologischen Hilfen finden Opfer in den Beratungsstellen der Evangelischen Kirche im Rheinland?
Edwin Jabs:
Wir hören den Betroffenen zu und glauben ihnen. Wir bringen ihnen Empathie und Mitgefühl entgegen. Sie entscheiden selbst, wie weit sie sich öffnen wollen. Sie werden nicht gedrängt, aber erhalten die Möglichkeit, das auszusprechen, was sie quält. Wir geben keinen billigen Trost, sondern nehmen das Erleben der Opfer ernst. Denn Menschen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben, bringen in der Regel sehr tiefgehende Verletzungen mit. In der rheinischen Kirche haben wir das Ziel, die Fälle wirklich zu verfolgen und auch die juristische Aufarbeitung zu befördern. Wir ermutigen Betroffene deshalb, Anzeige zu erstatten und begleiten sie dabei. Es geht tatsächlich um Aufarbeitung, nicht Vertuschung!

Was bedeutet es für Betroffene, dass ihnen sexualisierte Gewalt im Raum von Kirche passiert?
Jabs:
Das führt oft dazu, dass sie in ihrem Glauben tief erschüttert werden. Umso mehr, wenn die Täter Amtsträger sind. Denn das ist ein ganz tiefgehender Vertrauensbruch. Den können wir in einer Beratung zur Sprache bringen und dann sind wir manchmal schnell in elementaren theologischen Fragen. Ich erinnere mich an einen Betroffenen, der sagte: „Ich kann im Vaterunser die Stelle ...und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern nicht mehr mitbeten.“ Ein Aspekt, vor allem wenn es um Kinder als Opfer geht, ist auch die Frage: Wie konnte Gott das zulassen?

Welche Antworten geben Sie diesen Opfern?
Jabs:
Ich gebe keine Antworten vor, sondern versuche, mit den Betroffenen gemeinsam Antworten zu finden. Für mich ist die Gewissheit hilfreich, dass Gott auf der Seite der Leidenden steht, bei denjenigen ist, denen Unrecht geschieht. Er will, dass ihnen Recht widerfährt. Das Zentrale aus meiner Sicht ist die Parteilichkeit Gottes für die Betroffenen. Sie muss uns leiten im Umgang mit Menschen, die sexualisierte Gewalt erfahren haben.

Gibt es Strukturen, die sexualisierte Gewalt im kirchlichen Raum begünstigen? Kann man da vorbeugen?
Jabs:
Es gab bisher eine gewisse Arglosigkeit an vielen Stellen, ein Grundvertrauen. Man hat überhaupt nicht damit gerechnet, dass es etwa in der eigenen Gemeinde zu sexualisierter Gewalt kommen kann. Dazu gibt es nun sehr gezielte Präventionsangebote der rheinischen Kirche. Wir versuchen wirklich flächendeckend alle Menschen, die in ihrer Arbeit oder ehrenamtlich mit Kindern und Jugendlichen in Berührung kommen, zu sensibilisieren, aber auch ganz klar zu informieren, welche Grenzen absolut unverrückbar einzuhalten sind.

Ist die Suche nach Vergebung ein Motiv für Betroffene, die sich an Sie wenden?
Jabs:
Das ist unterschiedlich. Für manche Betroffene ist es gerade wichtig, dass sie sich erlauben können, nicht vergeben zu können und zu wollen. Es gibt auch Menschen, die tatsächlich nach der Möglichkeit von Vergebung dem Täter gegenüber suchen. Entscheidende Voraussetzung dazu ist, dass auf Seiten des Täters Buße passiert, also ein Eingeständnis der Schuld, ein Einfühlen und Erkennen, was das Opfer durch den Täter an tiefer Verletzung erfahren hat. Gerade das ist das Schwierige: dass Täter begreifen, was sie angerichtet haben und die alleinige Verantwortung dafür übernehmen. Denn sexualisierte Gewalt hat oft gravierende Auswirkungen auf das weitere Leben von Opfern.

Welche Auswirkungen sind das?
Jabs:
Ganz häufig ist das Selbstwertgefühl angegriffen. Opfer haben das Gefühl, falsch zu sein, weil Täter ihnen oft eine Mitschuld oder sogar die alleinige Schuld suggerieren. Das kann Menschen sehr in ihrer Entwicklung behindern. So kann ein Grundvertrauen zum Partner bzw. zur Partnerin unheimlich schwer fallen. Es kann zu psychosomatischen Erkrankungen und posttraumatischen Belastungsstörung kommen. Es gibt Betroffene, die bezeichnen sich als Überlebende. Ich glaube, darin kommt die ganze Dramatik zum Ausdruck, die sexualisierte Gewalt auf das Leben eines Menschen wirklich haben kann.

Wie kann Versöhnung überhaupt erreicht werden? Bieten Sie als Seelsorger dazu Rituale und Wege an?
Jabs:
Ein entscheidender Punkt ist, dass die Opfer dahin kommen, sich selbst keinerlei Schuld mehr zu geben. Dass sie wirklich sehen, die Schuld liegt ausschließlich beim Täter. Das kann sie mit den Zweifeln an ihrem eigenen Verhalten versöhnen. Es gibt für mich keine Versöhnungsrituale von Betroffenen und Tätern, aber es gibt so etwas wie einen Täter-Opfer-Ausgleich, nämlich dann, wenn tatsächlich ein Täter die Schwere seiner Schuld anerkennt und bereit ist, den Forderungen der Betroffenen an ihn nachzukommen. Auch das ist kein echter Ausgleich für das Erlittene der Betroffenen, aber eine Anerkennung. Das gelingt nur in Einzelfällen. Weitaus häufiger ist für Betroffene Versöhnung nicht möglich.

Kann man auch den Tätern aus theologischer Sicht helfen?
Jabs:
Ja, durch die Unterscheidung zwischen Täter und Tat. Das heißt: keinerlei Respekt vor der Tat, aber Respekt vor dem Täter als Mensch. Dazu gehört, dass der Täter lernt, seine Schuld anzuerkennen. Jede Form von Bagatellisierung geht an der Wirklichkeit vorbei.

 

Info
Die Evangelische Kirche im Rheinland gestaltet am kommenden Sonntag, 27. Oktober 2019, einen Radiogottesdienst auf WDR 5. Er wird um 10 Uhr aus der Lukaskirche Kaarst übertragen und hat das Thema: „Ich aber vertraue auf Dich, Gott – Sexualisierte Gewalt und Kirche“. Vizepräses Christoph Pistorius, zugleich Leiter der Personalabteilung im Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche im Rheinland, und Ille Ochs, Krankenschwester, Theologin und Therapeutin, werden eine Dialogpredigt über Psalm 55 – eine Klage über treulose Freunde – halten.

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ekir.de / red / 23.10.2019



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