Unser großes Wochenende zum Frieden
Friedensfest

Tatsächlich Frieden

Vom 27. bis 29. September 2019 veranstaltete der Kirchenkreis Lennep ein Wochenende ganz im Zeichen des Friedens. Hier finden Sie weitere Informationen im Rückblick.

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Donnerstag, 24. Oktober, 10.00 Uhr
Gottesdienst im Haus Clarenbach
Haus Clarenbach
Sonntag, 27. Oktober, 10.00 Uhr
Gottesdienst in der ev. Kirche Lüttinghausen
Kirche Lüttringhausen
Sonntag, 27. Oktober, 17.00 Uhr
Gottesdienst in der ev. Kirche Goldenberg - Orgel trifft Musical
Kirche Goldenberg

 

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Losung

für den 23.10.2019

Du wirst mit deinem Gott zurückkehren. Halte fest an Liebe und Recht und hoffe stets auf deinen Gott!

Hosea 12,7

Claudia Paul Claudia Paul (Foto: Sergej Lepke)

Sexuelle Selbstbestimmung 2

„Die Menschen sind aufmerksamer geworden“

Claudia Paul berät im Auftrag der Evangelischen Kirche im Rheinland Menschen, die sexualisierte Gewalt erleben mussten. Wer sich an sie wenden kann und wie sie Betroffenen weiterhilft, erzählt die Sozialpädagogin im Interview.

Frau Paul, Sie leiten die Ansprechstelle für den Umgang mit Verletzung der sexuellen Selbstbestimmung der Evangelischen Kirche im Rheinland. Wer kann sich an Sie wenden?
Claudia Paul:
Grundsätzlich können sich alle, die im evangelischen kirchlichen Kontext sexualisierte Gewalt erfahren haben, direkt an mich wenden. Das gilt auch, wenn die Tat schon viele Jahre her ist. Auch Angehörige können bei mir Rat holen. Ebenso berate ich Menschen, die in ihrer Gemeinde oder Einrichtung etwas beobachtet haben und vermuten, es könnte ein Fall sexualisierter Gewalt vorliegen. Ich schaue mit ihnen, wie das einzuschätzen und was als nächster Schritt zu tun ist. Der Kontakt kann anonym erfolgen, also ohne die Einrichtung oder Gemeinde namentlich zu nennen. Auch Kirchenkreise und –gemeinden, in denen ein Vorfall bekannt wurde, berate und begleite ich bei der Intervention.

Welche Hilfen finden Betroffene in der Ansprechstelle?
Paul:
Ich gehe zunächst mit den Betroffenen ins Gespräch. Gemeinsam arbeiten wir heraus, was er oder sie für sich will. Manche wollen nur, dass wir von der Tat wissen. Manche möchten, dass sich in der Einrichtung oder Gemeinde, in der die Tat geschah, etwas verändert. Manche brauchen Unterstützung, weil sie sich nicht trauen, Strafanzeige zu stellen. Das ist ganz unterschiedlich. Wir gehen hier von den Bedürfnissen der Betroffenen aus. Sind allerdings Kinder oder Jugendliche betroffen, leiten wir in aktuellen Gefährdungssituationen auch ohne Zustimmung der Familien eine Strafverfolgung ein.
Ich begleite Betroffene auch über einen längeren Zeitraum, helfe Anträge für Anerkennungsleistungen oder beim Hilfefonds der Bundesregierung zu stellen. Gerade bei Altfällen, bei denen die Täter nicht mehr juristisch belangt werden können, besteht die Möglichkeit, bei uns einen Antrag zur Anerkennung des Leids zu stellen. Ich vermittele ferner an weitere Beratungsstellen und helfe bei der Suche nach Ärzten oder niedergelassenen Therapeuten. Meine Beratung ist in jedem Fall streng vertraulich und kostenlos.

Aus welchen Bereichen melden sich Betroffene?
Paul: In der Hauptsache sind es Menschen, die aktuell oder als Kind oder Jugendlicher sexualisierte Gewalt erfahren haben. Aber es kommen auch Menschen, die als Erwachsene sexualisierte Gewalt innerhalb der Kirche erleben mussten. Auch Beschuldigte und ihre Angehörigen können bei mir eine erste Beratung bekommen. Ich vermittle sie in der Regel an spezielle Täterberatungsstellen weiter.

Wie hat sich die Anzahl der Beratungsfälle entwickelt?
Paul: Es ist wellenartig. Wenn das Thema gerade in der Öffentlichkeit ist, kommen mehr Meldungen. Die Menschen sind heute sensibler geworden, so dass wir auch schon bei Grenzverletzungen, wo es noch nicht zu strafrechtlich relevanten Handlungen gekommen ist, Nachfragen und Anrufe erhalten. Das sehe ich sehr positiv. Man ist viel aufmerksamer geworden und holt sich eher Rat und Unterstützung.
 
Wie soll man mit Hinweisgebern umgehen?
Paul: Was mir am Herzen liegt, ist die Rehabilition von Hinweisgebern, die zum Beispiel in ihrer Kirchengemeinde Vorfälle melden, denen am Anfang vielleicht nicht geglaubt wird, die als Nestbeschmutzer gelten. Ganz häufig verlassen diese Menschen dann ihre Einrichtung oder Gemeinde, weil sie sich von Kirche unverstanden fühlen. Es kann nicht sein, dass wir sie ziehen lassen. Das gilt auch für zu unrecht Beschuldigte. Ich plädiere deshalb dafür, dass Gemeinden feste Verfahren und Schutzkonzepte aufstellen und diese auch leben. Wir müssen mit solchen Meldungen unbedingt korrekt und sachlich umgehen. Nur wenn das glaubwürdig geschieht, kann ich Hinweisgeber auch in der Gemeinde halten, weil sie ernst genommen werden.

Was können Betroffene tun, die von kirchlichen Tätern Gewalt erfahren haben und deshalb kirchlichen Stellen nicht mehr vertrauen?
Paul: Sie können sich an unabhängige Beratungsstellen wenden, wie zum Beispiel die Zentrale Anlaufstelle .help. Sie hat eine Lotsenfunktion und richtet sich ebenfalls an Betroffene, Angehörige, haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitende sowie Zeugen von sexualisierter Gewalt innerhalb der evangelischen Kirche oder der Diakonie. Sie ist jedoch strukturell nicht mit Kirche und Diakonie verbunden. Die Berater von .help kontaktieren die Ansprechpersonen in den einzelnen Gliedkirchen und suchen mit ihnen Lösungen. Ich bekomme dann zum Beispiel eine anonymisierte Meldung über eine Vorfall, recherchiere dazu und teile das Ergebnis .help mit.

Infos:
Ansprechpartnerin für Betroffene: Claudia Paul, Evangelische Hauptstelle für Familien- und Lebensberatung, Graf-Recke-Straße 209a, 40237 Düsseldorf, Telefon 0211 3610-312, E-Mail: claudia.paul@ekir.de; www.ekir.de/ansprechstelle

Zentrale Anlaufstelle .help
Telefon 0800 5040112
E-Mail: zentrale@anlaufstelle.help
www.anlaufstelle.help

Die Evangelische Kirche im Rheinland gestaltet am kommenden Sonntag, 27. Oktober 2019, einen Radiogottesdienst auf WDR 5. Er wird um 10 Uhr aus der Lukaskirche Kaarst übertragen und hat das Thema: „Ich aber vertraue auf Dich, Gott – Sexualisierte Gewalt und Kirche“. Vizepräses Christoph Pistorius, zugleich Leiter der Personalabteilung im Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche im Rheinland, und Ille Ochs, Krankenschwester, Theologin und Therapeutin, werden eine Dialogpredigt über Psalm 55 – eine Klage über treulose Freunde – halten.

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ekir.de / red / 22.10.2019



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