Gemeindebrief Mai/Juni/Juli/August 2012
Brief an die Gemeinde
Liebe Gemeinde, ich bin über einen Vers aus den Psalmen gestolpert. In Psalm 147,3 heißt es: Gott heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden. Gott als Arzt? Ich habe mich gefragt, ob ich dann quasi als Sprechstundenhilfe im EKO. unterwegs bin, wenn ich Patienten und Angehörige oder Mitarbeiter besuche. Immerhin erfahre ich viel von den Menschen, bin ihnen für die Dauer des Besuchs oder manchmal für die Länge ihres Aufenthaltes emotional sehr nahe.
Wenn wir zum Arzt gehen, dann ist der Kontakt mit der Sprechstundenhilfe zunächst einmal der erste. Je nachdem wie wir uns fühlen, erzählen wir dort schon, wo es zwickt und wie wir uns fühlen.
Gott als Arzt ist aber nicht so sehr auf mich als Sprechstundenhilfe angewiesen, sondern er hat eigentlich selbst immer Sprechzeiten. Ohne Umwege kann ich mich in den schönen und schweren Momenten meines Lebens an ihn wenden.
Gerade in der mit dem Monat Mai beginnenden Zeit erlebe ich Erholung und Erfrischung, auch im Dienst. Die Welt er-scheint leicht und die Schöpfung tanzt.
Der Vers aus dem Psalm ist gar nicht so sehr Stellenbeschreibung eines Arztes Gott, sondern es geht dem Sänger um das Lob Gottes, der Schöpfer ist, der seine Schöpfung bewacht und behütet und der keines seiner Geschöpfe aus den Augen lässt. Gott ist da für uns und wir rufen ihn oftmals in den dunklen Stunden an, in der akuten Krise, wenn nichts mehr leicht fällt oder tanzt. Wir brauchen ihn dann als Arzt, weil er unsere Akte, uns als seine Geschöpfe eben am besten kennt. Er sieht uns ins Herz und weiß, wenn und warum es gebrochen ist. Gott ist uns nahe in der Traurigkeit, er begleitet uns durch die Einsamkeit. Seine Leitungen hält er frei für unsere Anrufe, für unsere Gebete zu ihm.
Für mich ist dies eine tragende und tröstende Hoffnung, wenn ich im Krankenhaus den Menschen, egal ob es Patienten, Angehörige oder Mitarbeitende sind, begegne, und sie mir ihr Leid klagen. Mit der Hoffnung im Herzen, dass Gott für alle diese Geschichten das richtige Verbandsmaterial wählt, begegne ich den Menschen, während sie im Krankenhaus sind.
Am meisten freue ich mich, wenn ich jemanden treffe, der mir freudig erzählt: "Gott hat mein gebrochenes Herz in der schweren Zeit gesehen, er hat es geheilt, weil er mich Begleitung hat erfahren lassen, und so waren meine Wunden verbunden, bis irgendwann die Verbände abfielen und ich nun wieder selbst gehen kann. Die blasse Narbe ertrage ich, weil ich weiß: da hat Gott mich berührt und heil gemacht."
Ihre Melanie Marolt
» Gemeindebrief Mai - August 2012 [pdf; 7MB]
» Gemeindebrief Februar - April 2012 [pdf]