September 9, 2008

Entwurf - Gemeindekonzeption der Evangelischen Luther - Kirchengemeinde

(Stand: 17.01.2006)

 

Wir verstehen uns als Gemeinde, die

1. einladend ist, sich auch um die Nichtkirchgänger bemüht und Raum für unterschiedliche Menschen bietet.

2. sich der Abhängigkeit von Gottes Gnade und ihrer einzigartigen Botschaft bewusst ist, und die sich der Auseinandersetzung um den christlichen Glauben stellt und ihre Antworten aus dieser Auseinandersetzung vermittelt.

3. erkennt, das Gott immer wieder Menschen aus den unterschiedlichsten „Sklavenhäusern“ befreit, und die darum ihre soziale Verantwortung ernst nimmt, Hilfen anbietet und Randgruppen auffängt.

4. einer zunehmenden Tendenz zu einer „Ich“- und „Mir“- bezogenen Gesellschaft gegensteuert, und für Menschen zu einem Ort der Gemeinschaft, des gemeinsamen Lebens und Lernens und Fragens wird, und die Menschen nach ihren Möglichkeiten fragt, sich einzubringen.

Unsere Visionen von Gemeinde sollen in folgenden Arbeitsbereichen konkret werden:

1. Gottesdienst und Kasualien

Gottesdienste, Andachten und Kasualien (Taufe, Trauung, Beerdigung) sollen für alle verständlich, transparent und lebensnah sein.

Dies geschieht, indem wir uns einer verständlichen Sprache bedienen und die Lebenssituation der Zuhörenden ernst nehmen. Dazu gehört auch die Beteiligung von Presbyterinnen und Presbytern, von Gemeindegruppen und weiteren interessierten Menschen an den Gottesdiensten.

Durch besonders gestaltete Gottesdienste sollen auch junge Familien mit Kindern angesprochen werden (Familiengottesdienste, Krabbelgottesdienste, Kindergottesdienst, Kindergartengottesdienste usw.)

Das Presbyterium begleitet die Gestaltung von Gottesdiensten und Kasualien.
Der Ausschuss für Theologie und Gottesdienst leistet dazu die entsprechende Vorarbeit.

2. Seelsorge und Besuchsdienst

Als Gemeinde bieten wir Seelsorge an, die in erster Linie von den Pfarrerinnen und Pfarrern in Beratung, Gespräch und diakonischer Hilfe wahrgenommen wird. Als einladende Gemeinde bieten wir Besuchsdienst durch ehren- und hauptamtliche Mitarbeitende an.
Diese Angebote gelten allen Menschen.

Dies versuchen wir zu erreichen durch Gewinnung ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die beiden Besuchsdienstkreise in der Gemeinde. Die Besuchsdienstkreise treffen sich regelmäßig, um sich ihres christlichen Auftrags zu vergewissern, um Erfahrungen auszutauschen und um die Arbeit zu koordinieren.

In diesem Arbeitsbereich sollen möglichst viele Menschen erreicht werden (Besuche an Geburtstagen, im Krankenhaus, bei Neuzugezogenen und Kirchenfernen). Der Besuchsdienst ist eine sinnvolle Möglichkeit um auf die Menschen zuzugehen.

Die Arbeit wird vom Diakonieausschuss begleitet.

3. Öffentliche Verantwortung

Die Gemeinde steht zu ihrer Verantwortung gegenüber den Menschen in Kirche und Gesellschaft. Das gilt für alle Lebensbereiche innerhalb der Gemeinde, der Kommune, unseres Landes und der Welt.

Diese Verantwortung wird sichtbar in Veranstaltungen zu aktuellen Themen sowie entsprechenden Stellungnahmen, die sich am ökumenischen Prozess für „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ orientieren. Hierbei wird die Zusammenarbeit und der Austausch mit anderen kirchlichen und nichtkirchlichen Einrichtungen und Initiativen gesucht.

Der partnerschaftliche Austausch mit Christinnen und Christen in Soni (Tansania) ist uns ein wichtiges Anliegen.

Die Begleitung dieser Arbeit erfolgt durch das Presbyterium und, je nach Thema, durch die entsprechenden Ausschüsse.

4. Kindergarten

Kinder und Familien jeder Nationalität, Hautfarbe, Kultur, Religion, sozialer Herkunft finden einen Raum zum gemeinsamen Leben und Lernen. Dazu gehören auch Kinder, die im emotionalen, sozialen und körperlichen Bereich besonderer Förderung bedürfen.

Die religionspädagogische Arbeit umfasst die Vermittlung christlicher Tradition (biblische Geschichten, Feiern der Feste im Kirchenjahr). Die biblische Botschaft soll in das alltägliche Leben einfließen (Gebete, gewaltfreie Konfliktlösungen u.s.w.).

Die Kindergärten sind Einrichtungen der Gemeinde. Dies wird durch alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Eltern und Kindern bewusst gemacht und z.B. durch die Mitarbeit bei Gemeindeveranstaltungen sichtbar.

Das Presbyterium beschließt die Aufnahmekriterien und begleitet durch die Kindergartenräte die Arbeit.

5. Kinder

Die Arbeit mit Kindern ist geprägt durch Offenheit für alle Kinder des Viertels, unabhängig von Religion und sozialer Herkunft. Dabei stehen die Bedürfnisse der Kinder im Vordergrund.

Offener Kindertreff, Gruppenarbeit, Freizeiten und Ferienaktionen werden durch pädagogisch qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angeboten.

Religionspädagogische Arbeit mit Kindern geschieht im Kindergottesdienst, im Familiengottesdienst und bei der Kinderbibelwoche. Bei anderen Veranstaltungen der Gemeinde werden Kinder mit einbezogen. Mit den Grundschulen wird in unterschiedlichen Bereichen und Projekten zusammen gearbeitet.

Begleitet wird die Arbeit mit Kindern vom Jugendausschuss.

6. Kirchlicher Unterricht

Im kirchlichen Unterricht werden Jugendliche auf die Konfirmation vorbereitet. Dabei wird ihnen neben biblischem Basiswissen die Bedeutung des christlichen Glaubens für das alltägliche Leben vermittelt und ihre spezifische Lebenssituation ernst genommen.

Dies geschieht in regelmäßigen Unterrichtstunden, Einzelprojekten und Freizeiten.
Dabei werden die Eltern mit einbezogen. Die Beteiligung der Jugendlichen an Gottesdiensten und Gemeindeveranstaltungen, in denen sie ihre besonderen Gaben einbringen können, soll bei ihnen das Zugehörigkeitsgefühl zur Gemeinde stärken.

Die Begleitung des kirchlichen Unterrichts erfolgt durch das Presbyterium und den Jugendausschuss.

7. Jugend

Die Angebote in der Jugendarbeit sind, wie im Kindergarten und der Arbeit mit Kindern, für alle Jugendlichen offen. In der Jugendarbeit der Gemeinde werden Jugendliche in schwierigen Lebensphasen begleitet, wobei ihnen Partizipationsmöglichkeiten eröffnet werden.

Dies geschieht durch offene Angebote, Gruppen- und Projektarbeit. Hierzu stehen Räume zur Verfügung. Durch Beratung wird bei Lernproblemen, Bewerbungen usw. geholfen. Als Ansprechpartner für die Jugendlichen sind Vertrauenspersonen wichtig. Eine Vernetzung mit Kooperationspartnern im Sozialraum wird angestrebt.

Der Jugendausschuss begleitet diese Arbeit.

8. Eltern-Kind-Arbeit (junge Familien)

In der Eltern-Kind-Arbeit finden junge Eltern mit ihren Säuglingen und Kleinkindern einen Raum, in dem sie soziale Kontakte knüpfen können, verbunden mit Austausch, Informationen, Anregungen, Orientierung und Begleitung in schwierigen Fragen und Lebenssituationen.

Der über die Taufe oft wieder neu begonnene Kontakt zur Kirchengemeinde kann fortgesetzt und intensiviert werden. Durch Angebote wie Eltern-Kind-Gruppen, Eltern-Kind-Treff, Ausflüge und Krabbelgottesdienste wird in vertrauter Umgebung auf die Bedürfnisse junger Familien eingegangen.

Diese Arbeit wird zum Teil in Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Familien- und Erwachsenen-Bildungswerk durchgeführt.

9. Erwachsene

Die Arbeit mit Erwachsenen ist geprägt von Bildungsangeboten und niedrigschwelligen Angeboten.

Erwachsenenbildung geschieht bei unterschiedlichen Veranstaltungen mit qualifizierten Referentinnen und Referenten, die gemeinsam von ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern organisiert werden.

Niedrigschwellige Angebote (Kirchgartentreff, Gesprächsnachmittage, Konzerte usw.) sollen Menschen ansprechen, die nur einen geringen Bezug zur Kirche und zur Gemeinde haben. Die Angebote werden ehren- und hauptamtlich organisiert und durchgeführt.

Die Begleitung der einzelnen Veranstaltungen erfolgt durch die Ausschüsse des Presbyteriums und durch Gemeindegruppen.

10. Senioren

Die Arbeit mit Senioren ist generations- und generationsübergreifend orientiert.
Theologische und andere Themen kommen ebenso vor wie gemeinschaftsfördernde Veranstaltungen.

In regelmäßigen und sporadischen Veranstaltungen wird auf die Bedürfnisse älterer Menschen eingegangen. Fahrten und Freizeiten werden organisiert. Durch Besuche wird auf die Menschen zugegangen und in die Gemeinde eingeladen. Eine Vernetzung der Aktivitäten im Viertel wird angestrebt.

Die Begleitung dieser Arbeit erfolgt durch den Diakonieausschuss, die Besuchsdienstkreise und Gemeindegruppen.

11. Kirchenmusik und kulturelle Angebote

Die musikalische Gestaltung von Gottesdiensten, Andachten und Kasualien ist für uns ein wichtiger Teil der Gemeindearbeit. Darüber hinaus wollen wir mit dieser Arbeit auch Menschen erreichen, die ein eher distanziertes Verhältnis zur Kirche haben.

Die Arbeit wird im wesentlichen von ehrenamtlichen Gruppen (Chor, Orchester, Marimba-Gruppen) getragen und von nebenamtlichen Kirchemusikern begleitet. Außerdem versuchen wir für einzelne Projekte auch externe Gruppen und Künstlerinnen und Künstler zu gewinnen. Dabei kooperieren wir mit anderen Institutionen (z.B. Theater, Musikschulen) im Rahmen unserer Möglichkeiten.

Die Planung und Begleitung erfolgt durch den kirchenmusikalischen Ausschuss, das Presbyterium und die nebenamtlichen Mitarbeiter.


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