Grabstein

Bestattung

"Du hast uns geschaffen, Gott, zu dir hin, und unser Herz ist unruhig in uns, bis es zur Ruhe kommt in dir."(Augustinus)

Von Anfang an hat die Kirche ihre Toten zur letzten Ruhe geleitet.

Die Bestattung ist Ausdruck der Liebe und der Achtung gegenüber den Verstorbenen.

Im Mittelpunkt des Bestattungsgottesdienstes steht der Glaube an Gott, der Jesus Christus von den Toten auferweckt hat.

Die Gemeinschaft mit Jesus Christus wird durch den Tod nicht aufgehoben.

Diese Gewissheit hat Christen zu allen Zeiten Trost und Zuversicht gegeben.

In der Kirchenordnung (KO) der Evangelischen Kirche im Rheinland heißt es über die Bestattung:
"Die kirchliche Bestattung ist ein Gottesdienst, bei dem die Kirche ihre Toten zur letzten Ruhe geleitet und den gekreuzigten und auferweckten Herrn Jesus Christus verkündigt." (KO, Art. 61)

 

Kirchliche Sterbebegleitung

 

Bei einer Sterbebegleitung begleitet ein Pfarrer/ eine Pfarrerin den sterbenden Menschen auf seinem letzten Lebensabschnitt. Es besteht die Möglichkeit, das Abendmahl zu feiern und gesegnet zu werden. Der/ Die Sterbende kann seine/ ihre Wünsche zur Gestaltung der Bestattung äußern und sich von seiner/ ihrer Familie und Freunden verabschieden.
Der Pfarrer/ die Pfarrerin kann der Ansprechpartner/ die Ansprechpartnerin für die Angehörigen sein.

 

Kirchliche Aussegnung

 

Die Aussegnung ist eine Verabschiedungsfeier im Sterbezimmer, nachdem der Tod eingetreten ist.
Sie können einen Pfarrer/ eine Pfarrerin darum bitten, eine Aussegnung vorzunehmen.
In einer kleinen Andacht werden vertraute Worte aus der Bibel, Liedstrophen, Gebete und ein Abschiedssegen gesprochen.
Die Worte und Gesten helfen den anwesenden Angehörigen, die sehr nahe Begegnung mit dem Tod besser zu bestehen.

Trauergespräch

 

Der Pfarrer/ die Pfarrerin, der/ die die Bestattung durchführen wird, vereinbart mit den Angehörigen den Bestattungstermin und ein Trauergespräch.
Das Trauergespräch ist in seelsorgliches Gespräch. Es geht darum, Rückschau auf das Leben und Sterben des/ der Verstorbenen zu halten.
Der Ablauf des Bestattungsgottesdienstes wird besprochen. Sie können Dinge zur Sprache bringen, von denen Sie nicht möchten, dass sie Teil des Bestattungsgottesdienstes werden. Es kann eine Hilfe sein, das Sie das, was Sie bedrückt, vor Ihrem Pfarrer/ Ihrer Pfarrerin aussprechen. Er/ Sie wird und muss darüber Verschwiegenheit bewahren.
Die Lebensdaten des Verstorbenen/ der Verstorbenen werden in Kirchenbücher übertragen und in Ihrer Gemeinde dauerhaft aufbewahrt. Die Daten sind selbstverständlich geschützt und werden nicht weitergegeben.

 

Kirchliche Bestattung

 

Die kirchliche Bestattung besteht aus dem Bestattungsgottesdienst und dem Gang zum Grab (auch in umgekehrter Reihenfolge möglich).
Der Bestattungsgottesdienst in der Kirche oder in der Friedhofskapelle wendet sich an die Trauernden, die sich versammelt haben.
Er besteht aus Liedern, biblischen Texten, Gebeten und der Predigt. Das Leben des/ der Verstorbenen wird in Erinnerung gerufen. Es kommt die Wirklichkeit des Todes zur Sprache.
Zugleich wird die Hoffnung auf das Leben bei Gott bezeugt
Welche Hilfen bietet die Kirche zur Trauerbewältigung?
In der Zeit nach der Bestattung kann ein seelsorglicher Besuch bei den Angehörigen nach vier bis sechs Wochen Hilfe zur Trauerbewältigung sein.
Am Sonntag vor dem 1. Advent (Ewigkeitssonntag) denkt die evangelische Kirche an ihre Toten, die im jeweils vergangenen Jahr verstorben sind. Oft werden die Namen im Gottesdienst noch einmal vorgelesen.

Die Kirchengemeinden Haan, Hilden, Hochdahl, Mettmann, Ratingen, das Franziskus-Hospiz in Hochdahl und das Familienbildungswerk des Kirchenkreises bieten darüber hinaus spezielle Einzelgespräche an und/ oder machen Gruppenangebote für Trauernde und Angehörige.
In den meisten Kirchengemeinden werden die Betroffenen schriftlich eingeladen.
Einzelheiten erfragen Sie bitte vor Ort.

Die Evangelische Kirche unterhält einen Trauerraum im Internet.
Dort besteht die Möglichkeit, im Trauer-Forum mit anderen Trauernden in Kontakt zu kommen. Ein Gästebuch ermöglicht Eintragungen zum Themenfeld Trauer. Ebenso besteht die Möglichkeit Gedichte und Gebete zu veröffentlichen. Buch- und Musikbesprechungen weisen auf interessante und hilfreiche Veröffentlichungen zum Thema hin. Natürlich besteht auch die Möglichkeit der Kontaktaufnahme mit den Trauerbegleitern von Trauernetz.de.


Arten der Bestattung

 

Erdbestattung.

Bei der Erdbestattung wird der Leichnam in einem Sarg in der Erde bestattet.

 

Feuerbestattung.

Der Feuerbestattung geht die Einäscherung des Leichnams voraus, die nur in behördlich genehmigten Anlagen (Krematorien) vorgenommen werden darf. Die Asche wird  in einer Urne aufbewahrt und dann in einem Grab beigesetzt.

 

Eine besondere Art der Feuerbestattung ist die anonyme Bestattung, die Urnenbeisetzung in Gemeinschaftsgrabstätten. Regional sind sie unterschiedlich angelegt. Es gibt Grabfelder ohne jegliche Kennzeichnung des genauen Ortes und ohne Namen. Es gibt Grabfelder mit einem gemeinsamen Mal ohne Namen und solche mit den Namen der Verstorbenen.
Eine Trauerbewältigung kann nach einer anonymen Bestattung schwieriger werden, weil die Grabstätte als Bezugspunkt fehlt.

 

Eine weitere besondere Art der Feuerbestattung ist die Seebestattung, die Versenkung von Urnen auf hoher See. Sie bedarf der Genehmigung durch die zuständige Behörde.
Die evangelische Kirche akzeptiert sowohl die Erd- als auch die Feuerbestattung und bietet für alle Arten eine gottesdienstliche Begleitung an.
Wird eine kirchliche Bestattung außerhalb des letzten Wohnsitzortes des/ der Verstorbenen und von einem anderen Pfarrer/ einer anderen Pfarrerin durchgeführt, benötigen die Angehörigen eine formelle Erlaubnis ("Dimissoriale"). Sie wird vom Pfarramt ausgestellt, in der der/ die Verstorbene seinen/ ihren letzten Wohnsitz hatte


Im Fall des Falles...

Wenn ein Angehöriger stirbt, lassen Sie einen Arzt kommen. Er muss den Tod feststellen und wird eine Todesbescheinigung ausstellen.

Danach brauchen Sie in der Regel nicht gleich aktiv zu werden.

Vielleicht mögen Sie beten.

Vielleicht ist es Ihnen unheimlich, alleine mit dem verstorbenen Körper zu sein.

Haben Sie keine Scheu, jemanden um Hilfe anzurufen - einer Ihrer Freunde oder jemanden, der schon Erfahrung mit dem Sterben und dem Tod hat.


Manche Menschen haben Angst den toten Körper zu berühren.

Sie haben Angst vor dem sogenannten „Leichengift“.

Dies gibt es jedoch nicht.

Zwar entstehen einige Stunden nach dem Tod basische Stoffe im toten Körper.

Der Kontakt mit diesen Stoffen oder die eventuelle Aufnahme in den eigenen Körper ist jedoch ungefährlich.

 

In der ersten Stunde, vor dem Einsetzen der Leichenstarre, ist es leichter, den Leichnam zurechtzumachen.

Behandeln Sie den Leichnam mit Achtung und Respekt.

Vielleicht haben Sie das Bedürfnis, den Körper des geliebten Menschen zu waschen und sich so zum letzten Mal von ihm zu verabschieden.
Vielleicht ist es Ihnen wichtig, dass Sie den Toten selber für die Bestattung anziehen.

Denken Sie bei der Wahl des Kleidungsstückes an eines, das der/ die Verstorbene gerne getragen hat.

 

Sie können sich an ein Bestattungsinstitut Ihrer Wahl wenden und es damit beauftragen, die erforderlichen Schritte zur Vorbereitung der Bestattung einzuleiten.

Das Bestattungsunternehmen kümmert sich dann oft auch um die Beerdigungsfeierlichkeiten, es stellt den Kontakt zum Friedhof her und benachrichtigt den zuständigen Pfarrer/ die zuständige Pfarrerin.

 

Wenn ein Mensch gestorben ist, haben Sie laut Gesetz als Angehörige das Totenfürsorgerecht.

Dieses Recht umfasst die Fürsorge für den menschlichen Leichnam vom Augenblick des Todes an bis zur Beendigung der Bestattung.

 

Der Tod eines Menschen ist spätestens am folgenden Werktag im Standesamt des Sterbebezirkes anzuzeigen.

Der Sterbefall wird in das standesamtliche Sterberegister eingetragen.

Der Leichnam muss nach 36 Stunden in eine Leichenhalle überführt worden sein.

Eine Beerdigung darf frühestens zwei Tage nach Eintritt des Todes erfolgen.

 

Kann ein Angehöriger kirchlich bestattet werden, der nicht in der Kirche ist?

 

Die kirchliche Bestattung setzt voraus, dass der/ die Verstorbene der evangelischen Kirche angehört hat.
Ist der/ die Verstorbene zu Lebzeiten aus der Kirche ausgetreten, respektiert die Kirche diese Entscheidung. Deshalb kann nur in eng begrenzten Ausnahmefällen eine kirchliche Bestattung stattfinden.
In der Kirchenordnung (KO) der Evangelischen Kirche im Rheinland heißt es dazu:
"Waren die Verstorbenen nicht Glied der evangelischen Kirche, kann auf Bitten der evangelischen Angehörigen ausnahmsweise eine kirchliche Bestattung stattfinden, wenn dies aus seelsorglichen Gründen angezeigt erscheint. Eine kirchliche Bestattung kann nicht stattfinden, wenn die Verstorbenen sie ausdrücklich abgelehnt haben."
(KO, Art. 63)
Hat der/ die Verstorbene einer anderen anerkannten christlichen Kirche angehört, ist auf Wunsch der Angehörigen eine kirchliche Bestattung durch einen evangelischen Pfarrer/ eine evangelische Pfarrerin unter Umständen möglich.
Welche anderen christlichen Kirchen die evangelische Kirche anerkennt, sind in der "Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen" aufgeführt.

 

Wie hilft die Kirche, wenn ein Kind stirbt?

 

Das eigene Kind zu Grabe zu tragen, ist eine der bittersten Erfahrungen, die ein Mensch machen kann.
Es kommt vor, dass Kinder im Mutterleib oder unmittelbar bei der Geburt sterben (Totgeburten).

Es gibt frühgeborene Kinder, die bald darauf sterben und Kinder, die einen plötzlichen Kindstod sterben.

Es gibt Kinder, die Unfälle erleiden oder das Opfer von Gewalt werden.

Kinder können tückischen Krankheiten erliegen.

 

Der Tod des eigenen Kindes ist eine tiefe seelische Verletzung.

Sie macht Betroffene stumm und einsam.
Möglich in solch einer Trauersituation ist das Angebot einer Aussegnung im Krankenhaus oder in der Wohnung.
Mit wenigen Worten aus den Psalmen, mit einem Gebet, dem Vaterunser und einem Abschiedssegen kann versucht werden, die schwere Situation aufzufangen.

Manchmal ist auch nur das Schweigen möglich.


Eltern, Geschwister und alle, die dabei sein sollen, können bei einer Aussegnung das verstorbene Kind noch einmal berühren und sich verabschieden.

 

Oftmals entsteht bei Eltern der Wunsch, das Kind noch taufen zu lassen, bevor es stirbt.

In der Regel wird sicher ein Pfarrer/ eine Pfarrerin gerufen werden, um die Nottaufe vorzunehmen.
In besonderen Notfällen kann aus evangelischer Sicht aber auch jeder getaufte Christ die Nottaufe durchführen. Diejenigen, die für das Kind verantwortlich sind, müssen mit der Taufe einverstanden sein.

Die vollzogene Taufe wird anschließend im Pfarramt gemeldet.
Sind Kinder verstorben, ohne getauft worden zu sein, können sie auf Wunsch der Eltern kirchlich bestattet werden.

Soll mein Kind an einer Bestattung teilnehmen?

 

Kinder sind durchaus in der Lage, mit der Situation einer Bestattung umzugehen.
Das Kind sollte gefragt werden, ob es an der Bestattung teilnehmen möchte oder nicht. Wenn Ihr Kind an einer Bestattung teilnimmt, sollte es vorher erfahren, was bei einer Bestattung geschieht.
Das Kind sollte während und nach der Trauerfeier einen Begleiter/ eine Begleiterin haben, der/ die sich um es kümmert.
Es ist sinnvoll, Erzieherinnen und Lehrer zu informieren, wenn ein Todesfall in der Familie oder Bekanntschaft eingetreten ist. Die Erziehenden können dann darauf eingehen.
Es gibt gute Bilder- und Kinderbücher, die Ihnen helfen, mit ihren Kindern über Sterben, Tod und Trauer ins Gespräch zu kommen:


Ulf Nilsson und Anna-Clara Tidholm
Adieu, Herr Muffin
Frankfurt 2003
ISBN: 3-89565-148-6

Herr Muffin ist ein Meerschweinchen. Ein Meerschweinchen, dessen Tage gezählt sind. Er wohnt in einem umgedrehten blauen Karton. Herr Muffin bekommt gerne Post. Auch wenn er seine Briefe meistens aufisst. Oft sitzt er in seinem blauen Haus und denkt an sein Leben. An Victoria und an die sechs kuscheligen Kinder. An das Ende der Welt, zu dem sie einmal gemeinsam spaziert waren. Herr Muffin hat Schmerzen, doch die Tierärztin schüttelt nach der Untersuchung den Kopf. Und dann ist Herr Muffin plötzlich tot.Viele Trauergäste weinen an seinem Grab. Das ganze Land ist in Trauer. Vielleicht wird der König da sein und die Königin. Vielleicht wird die Beerdigung im Fernsehen und im Radio übertragen.... Jetzt weißt du mehr als wir, Herr Muffin.
Ein Buch das anrührt, tröstet und die Angst nimmt.
Ein Buch, das den höchsten Preis für ein Kinderbuch erhielt, den August-(Strindberg-) Preis


Hiltraud Olbrich
Abschied von Tante Sofia.
Kaufmann Verlag 1998.


Inger Hermann
Du wirst immer bei mir sein
mit Illustrationen von Carme Sole Vendrell.
Patmos Verlag 1999.


Regine Schindler
Pele und das neue Leben.
Eine Geschichte von Tod und Leben
mit Bildern von Hilde Heyduck-Huth.
Kaufmann Verlag, 10. Auflage 1999.


Hier finden Sie weítere Buchtipps und Rezensionen.

 

Beim Bundesverband Verwaiste Eltern e.V. können Informationsmaterialen, einige Bücher und Broschüren bestellt werden. Eine umfangreiche Literaturliste wird zwei mal im Jahr aktualisiert.
http://www.veid.de/
http://www.veid.de/178.0.html


Was kostet die kirchliche Bestattung?

 

Die Kosten für das Bestattungsinstitut, für die Kapellenbenutzung auf den kommunalen Friedhöfen sowie für das Begräbnis sind von den Angehörigen zu tragen.
Die kirchliche Begleitung braucht von Angehörigen nicht extra bezahlt zu werden, denn diese Kosten sind durch die Kirchensteuer der Kirchenmitglieder abgedeckt.
Dies bezieht sich auch auf die eventuelle Nutzung einer Kirche.
Ein angeblicher Benutzungszwang für Friedhofskapellen, die die Angehörigen anmieten müssen, besteht in der Regel nicht. Der Bestattungsgottesdienst kann durchaus in einer geeigneten Kirche stattfinden, soweit die örtlichen Gegebenheiten dies zulassen.


Tröstliche Texte aus der Bibel und der Literatur


Den Tod eines lieben Menschen mitzuteilen ist eine schwierige Aufgabe.
Das Internetportal  www.mortalino.ch hat zu diesem Zweck verschiedene Texte zusammengetragen, die Ihnen und den Hinterbliebenen Anregungen geben, wie Sie Ihre Trauer und Trostspenden ausdrücken können. Auch zur Auseinandersetzung mit dem eigene Schmerz tragen diese Texte, die alphabetisch nach Autoren geordnet sind, bei.

 

Herr, sei mir gnädig, denn ich bin schwach;
heile mich, Herr, denn meine Gebeine sind erschrocken
und meine Seele ist sehr erschrocken.
Ach du, Herr, wie lange!
Wende dich, Herr, und errette mich, hilf mir um deiner Güte willen!
Ich bin so müde vom Seufzen und netze mit meinen Tränen mein Lager.
Mein Auge ist trübe geworden vor Gram und matt,
weil meine Bedränger so viele sind.
Der Herr hört mein Flehen; mein Gebet nimmt der Herr an.
aus Psalm 6 

 

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.
Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht,
und des Nachts, doch ich finde keine Ruhe.
Unsere Väter hofften auf dich; und da sie hofften, halfst du ihnen heraus.
Zu dir schrieen sie und wurden errettet, sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden.
Du hast mich aus meiner Mutter Leib gezogen; du ließest mich geborgen sein an der Brust meiner Mutter.
Auf dich bin ich geworfen von Mutterleib an, du bist mein Gott von meiner Mutter Schoss an.
Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe; denn es ist hier kein Helfer.
Aber du, Herr, sei nicht ferne; meine Stärke, eile, mir zu helfen.
Aus Psalm 22

 

Der Herr ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl
und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen
mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.
Psalm 23

 

Gott sieht mich,
Gott hört mich,
Gott kümmert sich um mich.
Ich bin traurig, und fühle mich verlassen,
und mein Herz sehnt sich nach Liebe und Geborgenheit.
Gott sieht meine Not,
Gott hört meine Klage,
Gott hilft mir auf.
Ich bin verzweifelt, und meine Lasten sind mir schwer.
Meine Sinne sind stumpf, und mein Körper leidet Schmerz.
Gott sieht mich an,
Gott hört, was ich rede,
Gott befreit mich aus der Angst.
Motive aus Psalm 34
Bei dir, Herr, bin ich geborgen.
Lass mich nicht zugrunde gehen!
Bei dir finde ich Hilfe.
Lass mich noch einmal davonkommen!
Höre, was ich rufe, und rette mich!
Von meiner Kindheit an habe ich mich auf dich verlassen.
Seit ich lebe, bist du mein Schutz. Dich habe ich besungen, seit ich dich kenne.
Es war vielen ein Wunder, dass ich nicht umkam.
Aber du hast mich erhalten, bei dir fand ich Zuflucht.
Dann habe ich gesungen, Lieder habe ich gesungen dir zu Ehren,
und mein Tag war voll Glanz, voll von deinem Licht.
Lass mich nun nicht fallen in meinem Alter.
Wenn meine Kraft schwindet, verlass mich nicht.
Von Jugend an kannte ich deinen Willen,
und bis heute erzähle ich, was du Wunderbares für mich getan hast.
Wenn ich nun alt werde und grau, mein Gott, verlass mich nicht.
Wir haben viel Jammer erlebt, viel großes Unheil,
du aber gabst uns das Leben wieder.
Wie aus dem Grab hast du uns wieder ins Leben gerufen.
So will ich dich rühmen mit Liedern, die ich zur Harfe singe.
Ich will von deiner Treue reden, mein Gott.
Meine Lippen sollen dir singen und mein Herz dich preisen,
mein Herz, das fröhlich wurde durch dich.
aus Psalm 71
nach der Übersetzung von Jörg Zink

 

Gott, bei dir suche ich Trost, denn meine Füße straucheln,
und ich falle in die Tiefe, mein Tritt geht ins Leere,
ich suche Grund unter meinen Füssen.
Soll denn mein Fragen umsonst sein und mein Suchen vergeblich?
Täglich plagt mich bitteres Leiden, und jeder Morgen bringt neuen Schmerz.
Ich sinne nach, ob ich´s begreifen könnte, aber es ist mir zuviel.
Es kreist und kreist in meinem Kopf, aber ich finde nicht heraus.
Es tut mir weh in meinem Herzen, und ich spüre Stiche in meinem Innersten.
Dennoch halte ich mich an dich, denn du hältst mich bei meiner rechten Hand, und leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an.
Darum hoffe ich auf dich, meine Zukunft befehle ich in deine Hände.
Psalmübertragung nach Psalm 73

 

Ich bete zu dir, Gott, am liebsten würde ich schreien,
damit du mich bestimmt hörst.
In meiner Angst weiß ich keinen Ausweg mehr, als mich an dich zu wenden.
Ich finde keine Ruhe, nichts, was mir aufhilft.
Denke ich an dich, Gott, so ist es, als ob ich eine schwere Last zu tagen habe.
Hast du, Gott, uns für immer ausgeschlossen, wirst du dich uns nie mehr zuwenden?
Werden wir deine Liebe nie mehr spüren?
Sind alle deine Verheißungen außer Kraft gesetzt?
Hast du uns einfach vergessen?
Ich denke an deine Taten, an die kleinen und großen Wunder, die du vollbracht hast.
Da ist so vieles, was mir einfällt, nach und nach wird es immer mehr.
Gott, es ist wunderbar, was du zu tun vermagst.
Du bist unvergleichlich in deinem Tun. Darauf will ich vertrauen.
Psalmübertragung nach Psalm 77

 

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?
Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht.
Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht.
Der Herr behüte dich; der Herr ist dein Schatten über deiner rechten Hand,
dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts.
Der Herr behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele.
Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!
aus Psalm 121

 

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.
Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus deiner guten und geliebten Hand.
Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so lass uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
all deiner Kinder hohen Lobgesang.
Dietrich Bonhoeffer

 

Manchmal denkt man,
Gott müsste einem in all den Widerständen des Lebens
ein sichtbares Zeichen geben, das einem hilft.
Aber dies ist eben ein Zeichen:
dass er einen durchhalten und es wagen und dulden lässt.
Jochen Klepper
Komme, was mag. Gott ist mächtig!
Wenn unsere Tage verdunkelt sind, und unsere Nächte finsterer als tausend Mitternächte,
so wollen wir stets daran denken, dass es in der Welt eine große, segnende Kraft gibt,
die Gott heißt.
Gott kann Wege aus der Ausweglosigkeit weisen.
Er will das dunkle Gestern in ein helles Morgen verwandeln -
zuletzt in den leuchtenden Morgen der Ewigkeit.
Martin Luther King

 

Ich hatte einen Traum: Ich ging mit Gott einen Strand entlang.
Vor meinen Augen zogen Bilder aus meinem Leben vorüber, und auf jedem Bild entdeckte ich Fußspuren im Sand.
Manchmal sah ich die Abdrücke von zwei Fußpaaren im Sand, dann wieder nur von einem Paar.
Das verwirrte mich, denn ich stellte fest, dass immer dann, wenn ich unter Angst, Sorge oder dem Gefühl des Versagens litt, nur die Abdrücke von einem Fußpaar im Sand zu sehen waren.
Deshalb wandte ich mich an Gott:
"Du hast mir versprochen, Herr, du würdest immer mit mir gehen, wenn ich dir nur folgen würde.
Ich habe aber festgestellt, dass gerade in den Zeiten meiner schwierigsten Lebenslagen nur ein Fußpaar im Sand zu sehen war.
Wo warst du denn, als ich dich am nötigsten brauchte?"
Da antwortete der Herr:
"Mein liebes Kind. Ich liebe dich und bin immer bei dir. Nie habe ich dich verlassen.
Dort, wo du nur ein Fußpaar im Sand gesehen hast, habe ich dich auf meinen Armen getragen."
Quelle unbekannt
Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in en Himmeln ferner Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.
Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.
Rainer Maria Rilke


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