Ein brennendes Herz für den Kirchenkreis

- Stehender Applaus für den scheidenden Superintendenten: Die Synode des Kirchenkreises An Nahe und Glan dankte Hartmut Eigemann für fast 21 Jahre Tätigkeit als Superintendent.
MEISENHEIM. Mit lang anhaltendem Applaus im Stehen nahmen die Mitglieder der Synode des Kirchenkreises An Nahe und Glan Abschied von Hartmut Eigemann. Fast 21 Jahre lang hat er das Entscheidungsgremium geleitet, 25 Jahre lang war er Mitglied des Kreissynodalvorstandes (KSV).
Viele der mehr als 100 Delegierten aus den Kirchengemeinden hatten Tränen in den Augen, als Pfarrer Wolfgang Fleißner (Windesheim) als dienstältester Theologe Eigemann als „verlässlichen Vertreter der presbyterial-synodalen Ordnung“ würdigte und ihm für seine „behutsame Regie und transparente Strukturierung“ der Tagungen dankte. Als Superintendent sei er stets präsent gewesen, „wo Gemeinden von Sorgen überhäuft und von Problemen überschüttet“ waren. In seinem Schlusswort gab Eigemann den Dank an Synode und KSV zurück und wünschte allen Verantwortlichen weiter „ein brennendes Herz für die Gemeinden und unseren Kirchenkreis“.
Ehe es ans Abschiednehmen ging, hatten die Vertreter der 32 Kirchengemeinden eine umfangreiche Tagesordnung abzuarbeiten und unter anderem über die künftige Gestalt des Pfarrdienstes zu entscheiden. 27,55 Pfarrstellen soll es im Kirchenkreis im Jahr 2015 noch geben. Diesen Wert legt die Landeskirche in ihrer Richtlinie für die Verteilung von Pfarrstellen fest, die auf die sinkende Zahl von Gemeindemitgliedern und das rückläufige Kirchensteuer-Aufkommen reagiert. Auf dieser Grundlage müssen hier noch fünf Pfarrstellen abgebaut werden, fast sieben sind in den letzten zehn Jahren bereits eingespart worden. Im Rahmen des festgelegten Anteils kann jeder Kirchenkreis eigene Schwerpunkte setzen. Davon machte die Synode Gebrauch und entschied sich mit 64 gegen 21 Stimmen bei 11 Enthaltungen dafür, entgegen dem Vorschlag der Landeskirche den ländlichen Raum stärker zu berücksichtigen.
Die verbleibenden Pfarrstellen so zu verteilen, dass jede Gemeinde ihre Grundaufgaben erfüllen kann, die pfarramtliche Versorgung in der Fläche erhalten bleibt und kein Pfarrer seinen Arbeitsplatz verliert, sind erklärte Ziele des Strukturpapiers „Vertraut den neuen Wegen“. Es richtet den Blick nicht mehr auf die einzelne Gemeinde sondern auf fünf Nachbarschaften. Die Entscheidung zur Freigabe von Pfarrstellen soll hier getroffen werden. Das machte Professor Dr. Herbert Lindner noch einmal deutlich, der den Anpassungsprozess bereits seit sechs Jahren begleitet. Lindner erläuterte die beiden möglichen Verteilungsvarianten.
Die Entscheidung „zwischen Hunger und Elend“ sah Pfarrer Jens Schrader (Meisenheim) in den unterschiedlichen Berechnungsarten. Er mahnte an, die Bezahlbarkeit des Pfarrdienstes als Kriterium in den Blick zu nehmen. Während der Vorschlag der Landeskirche die dicht besiedelten städtisch geprägten Gemeinden mit insgesamt einer Stelle mehr stärkt, sieht das von Lindner und dem KSV erarbeitete Alternativmodell zwei Stellen mehr für die dünner besiedelten Gemeinden vor. Pfarrer Dr. Claus Clausen (Bad Kreuznach) warnte vor den gravierenden Folgen für die Kreisstadt, in der nach diesem Modell der Paulus-Kirchengemeinde nur noch eine halbe Pfarrstelle zustehen würde. Zur Lösung dieses Problems, so erwiderte Superintendent Eigemann, sei die Nachbarschaft aufgefordert.
Das Thema ist eng mit der Richtlinie für die Berechnung von Grundaufgaben und Dienstzeiten von Pfarrern verknüpft, die der KSV der Synode vorlegte. Wie lange dauert die Vorbereitung einer Predigt oder Beerdigung? Wie viel Zeit muss für Konfirmandenunterricht, Gemeindeleitung oder Seelsorge-Gespräche kalkuliert werden? Die Presbyterien sind aufgerufen, Fragen wie diese in den nächsten Monaten zu diskutieren. Verbindliche Antworten soll die Herbstsynode im November geben. Das KSV-Papier macht Vorschläge, die als Richtschnur für den Abschluss von Kooperationsverträgen in den Nachbarschaften gelten können.
mu