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Frauen und Männer in der Kirche
Gender Budgeting: Eine Frage der Gerechtigkeit
Das Bild vom Zopf mit den vier Strängen überzeugte schon viele. Auch in den Finanzausschuss der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) brachte Beate Ludwig, Soziologische Referentin im Frauenreferat der EKiR, den neuen Zopf mit. Beate Ludwig hat ihn nicht erfunden, aber selbst schon geflochten. Die Finanzierbarkeit, die Sachgerechtigkeit und die Machbarkeit sind klassische Kriterien für Maßnahmen. Sie lassen sich als drei Stränge eines Zopfes darstellen. Mit dem Kriterium Geschlechtergerechtigkeit gibt es gleich zu Beginn einen vierten Strang - nicht nur eine lila Schleife. „Damit wird der Zopf etwas komplizierter, aber bunter und stabiler“, sagt die Referentin.
Der Zopf mit vier Strängen bindet auch das Thema Gender ein.
In der landeskirchlichen Sondersynode 2006 zu Umstrukturierungen und Einsparungen brachten Synodale einen Initiativantrag zum Thema „Gender Budgeting“ ein. Der englische Begriff steht für die gerechte Verteilung von Haushaltsmitteln für Frauen und Männer und gehört zum sogenannten Gender Mainstreaming, das sich im Deutschen mit „aktiv betriebener Geschlechtergerechtigkeit“ umschreiben lässt. Die Landeskirche nahm in der Verordnung über das Neue Kirchliche Finanzwesen in der EKiR auf, dass die Mittel so einzusetzen sind, dass sie Benachteiligungen und Diskriminierungen verhindern und der Geschlechtergerechtigkeit dienen. „Die Frage lautet künftig immer: Wie sind Frauen und Männer davon betroffen“, sagt Beate Ludwig.
Qualitative Ziele in den Gemeinden entwickeln
Beim Neuen Kirchlichen Finanzwesen (NKF) galt es, das Gender Budgeting von Anfang an einzubeziehen. „Auf welche Weise tragen die Maßnahmen dieses Handlungsfeldes zu mehr Geschlechtergerechtigkeit bei?“, so wird künftig in jeder Gemeinde gefragt. Dabei geht es nicht um einen getrennten Männer- und einen Frauenhaushalt. „Das Ziel ist auf keinen Fall, die Haushaltsmittel zwischen Männern und Frauen zu jeweils 50 Prozent aufzuteilen“, sagt Beate Ludwig. In den Gemeinden solle zunächst analysiert werden, welche Auswirkungen die bisherige Verteilung der Mittel auf die Geschlechter habe. Dann könnten qualitative Ziele entwickelt werden. Die Ausgangssituation sei aber von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich. Es gehe um größere Transparenz und Effizienz am Ort. Aus der Analyse entwickelten sich dann die Steuerungsmöglichkeiten.
In Zusammenarbeit mit dem NKF-Projekt erarbeitet das Frauenreferat jetzt die nötigen Indikatoren, um das Erreichen der Ziele qualitativ und quantitativ messen zu können.
Dass im NKF auch der ehrenamtliche Einsatz zum Erreichen von Zielen erfasst wird, trifft bei der Soziologin auf große Zustimmung: „Dann wird erst einmal sichtbar, was ehrenamtlich Mitarbeitende alles leisten.“ Für viele Kirchengemeinden wird Gender Budgeting eine neue Frage sein. „Den Nutzen müssen wir oft erst vermitteln“, sagt Beate Ludwig. Bei der Umsetzung will das Frauenreferat Hilfestellungen geben.
Die Evangelische Kirche im Rheinland sieht Beate Ludwig auf einem guten Weg. „Wir sind eine Kirche, die auf Menschen zugeht, um sie mit dem Evangelium in Kontakt zu bringen, sie zum Glauben einzuladen, ihnen zu dienen und sie zur Umkehr zu einem neuen Leben in Gerechtigkeit und Solidarität zu rufen.“ So heißt es in der Leitvorstellung „Missionarisch Volkskirche sein“, den die Landessynode im Januar 2010 zustimmend zur Kenntnis nahm. Nicht nur im Verhältnis der Geschlechter ist nach Ansicht der Referentin nach Gerechtigkeit zu fragen. „Aber das Thema Gender greift in allen Feldern.“
Weitere Informationen zu Gender Budgeting und Gender Mainstreaming enthält die Broschüre „Geschlechtergerechtigkeit in der Evangelischen Kirche im Rheinland“, herausgegeben vom landeskirchlichen Frauenreferat.
10.11.2010
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