.
.
Matthäus 5, 13-16:
Mit Worten angelehnt an diesen biblischen Text überreichte mir Pastor Immanuel Mberira aus Namibia am letzten Tag seines Besuches zwei aus Holz geschnitzte Kerzenständer. Sie sollen Sinnbild sein für das Weitertragen des Lichts, Sinnbild für einen Glauben, von dem man nicht hinter verschlossenen Türen erzählen sollte…
In der für mich vollkommen neuen Partnerschaftsarbeit gilt es viel zu lernen.
![]() Pfr. Michael Lucka-von Erde und Pastor Immanuel Mberira (v.l.) zum Erntedankgottesdienst am 3. Okt. 2010 im Willibrordidom
|
Wir hörten von Pastor Immanuel Mberira -"Ims" - so sein Spitzname und von Gisela Tsauses und Rensia Uxams von einer wachsenden Kirche in Namibia. Natürlich habe ich neugierig und auch neidisch danach gefragt: "Wie macht Ihr das?" und Ims erzählte von den 135 Konfirmanden, die letztes Jahr in Otjiwarongo konfimiert wurden. Die Konfirmanden in Namibia werden selbstverständlich früh in das Gemeindeleben integriert durch einen gemeinsamen Jugendchor. Überhaupt spielt die Musik eine riesige Rolle. Kostproben konnte man hören z.B. bei dem Frauenhilfsjahresfest in der Niederrheinhalle am Mittwoch, den 29.09.2010.
Ims erzählte, wie sich in seiner Kirche gegen viele Widerstände neue Musikrichtungen neben den traditionellen Chorälen durchgesetzt haben.
Am 28. April konnten in einem sehr gut besuchten Konzert der Bridgewalkers aus Namibia im Lutherhaus viele Menschen eine wirklich von den Stühlen reißende Musik erleben. Da kann man nachvollziehen, wie der Heilige Geist durch solche Musik mitten durch die Kirche in Namibia fegt und ich kann mir auch Gottes Freude vorstellen. Vielleicht schnipst er mit den Fingern, wie wir das alle an diesem Abend getan haben. Dieses Konzert war mein Einstieg in die Partnerschaftsarbeit, die bisher mit sehr viel Herzblut von Pfarrerin Helma Pontkees geleitet wurde, die ja nun selbst in einer deutschen Gemeinde in Otjiwarango arbeitet und lebt (dies mit allen Schwierigkeiten, ihre Rolle "zwischen den Stühlen" zu finden, denn ihre jetzige deutsche Kirche in Namibia hat gar nicht so viel Kontakt zu unseren Partnern.)
Ich bin dankbar, dass ich von Beginn an von einem außergewöhnlich hoch engagierten Kreis von Mitstreitern, von Menschen umgeben war, denen die Partnerschaft wirklich am Herzen liegt. Und genau das ist Partnerschaftsarbeit: Herzarbeit. Man konnte das sehen, wenn Marion Grüneboom über die schwarze Hand Giselas streichelte und ich konnte es spüren bei der gemeinsamen Predigt mit Ims auf der Kanzel im Dom am Erntedanksonntag. Die Kinder des Familienzentrums Beguinenstrasse hatten Ihre beiden "Praktikantinnen" Gisela und Rensia fest in ihre Herzen geschlossen. Wann kann man schon mal aus erster Hand von Elefanten hören, die gar nicht so beliebt sind, weil sie die Ernte zerstören oder Millipup (das typisch namibianische Gericht) kochen und essen.
Ims als Aidsbeauftragter seines Kirchenkreises erzählte, wie nah die Kirche an den tatsächlichen Problemen der Menschen dran ist. Da wird ein Gottesdienst zum Thema Aids gefeiert (20 % der Bevölkerung ist daran erkrankt) und nachher stellen sich die Gottesdienstbesucher selbstverständlich in eine Schlange, um einen Aidstest nach dem Gottesdienst machen zu können.
Natürlich wurde auch von Problemen erzählt, von massiven: Viele Arbeitsfelder unserer Partner- Kirche in Namibia sind bedroht, weil das Geld an allen Ecken fehlt. Ims selbst war in seiner Woche hier in Deutschland betroffen. Durch eine SMS bekam er die Information, dass sein Büro geschlossen wurde und er damit nun ohne Pfarrstelle ist.
Dieser sehr seltsame und befremdliche Weg der Information über eine SMS erzählt auch von den Schwierigkeiten innerhalb der Partnerkirche. Der im Ausland hoch angesehene Bischof Kameeta hat in seiner eigenen Kirche viele Widersacher, weil sie wohl auch das berechtigte Gefühl von Führungslosigkeit haben.
Ich erlebe die Partnerschaftsarbeit als einen großen Reichtum.
Ich bin sehr dankbar für viele Menschen, die mithelfen und mitdenken in unserem Kirchenkreis..
Und ich bekomme revolutionäre Gedanken, wenn mir unsere Partner von ihren Gemeinden erzählen und wenn ich ihnen unsere zeige.
Wieso fragt mich dann Pastor Ims am ersten Tag seines Aufenthaltes in Wesel, wieso feiert ihr alle 5 Kilometer entfernt einen Gottesdienst? Wie viele kommen denn dahin?
Und er staunte darüber, dass bei uns so viele Pfarrer an vielen kleinen Orten mit den gleichen Dingen beschäftigt sind. Mir wurde klar, wie viele Möglichkeiten wir haben im Vergleich zu unseren Geschwistern in Namibia. Wir müßten nur unsere Kräfte bündeln. Noch machen alle das Gleiche: es gibt Kindergottesdienste an jedem Kirchturm mit manchmal nur 6 Kindern. Es gibt Gottesdienste in Kirchen, mit vielen freien Sitzplätzen.
Und weil wir alle sehr fleißig und oft bis an die Grenze unserer Möglichkeiten das Gleiche tun, bleibt keine Lücke mehr, um Neues anzustoßen. Müssen wir nicht jetzt beginnen, Menschen der mittleren Generation in unsere Kirchen einzuladen? Ich glaube, wir hätten ungeahnte Möglichkeiten, würden wir es schaffen, unsere Kräfte zu bündeln.
Und so gefällt mir das Geschenk von Pastor Immanuel Mberira, zwei Kerzenständer, die im Moment auf meinem Schreibtisch stehen und immer wieder auch auf einem Altar stehen werden als Erinnerung: 14 Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. 15 Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. 16 So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.
![]() unsere Gäste am 3.01.2010 im Willibrordidom (v.l.) Gisela Tsauses (Otjiwarongo), Pastor Immanuel Mberira (Otjiwarongo), Kindergärtnerin Renisa Uxams (Omaruru) |