Partnerschaftskomitee Namibia - aktuell

    Ein Bericht aus dem Arbeitskreis Partnerschaften der Ev. Kirchengemeinde Schermbeck

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    Historie
    Der Aufstand
    Mission und Missionare
    Augenzeugenberichte

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    "Uns gehört Hereroland !"
    Freiheitskampf der Herero, Nama, Bergdamara u.a. in Namibia 1904 - 1907

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    Teil 2: Der Aufstand

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    1904 bis 1907 sind die Jahre der großen afrikanischen Freiheitskämpfe in Namibia gegen die deutsche Kolonialmacht. Herero, Nama und verbündete Stämme treten im Namen von Freiheit und Menschenwürde in einen Kampf auf Leben und Tod. Ihre Führer sind Samuel Maharero, Hendrik Witbooi, Jakob Marengo.

    Samuel Maharero
    Häuptling Samuel Maharero
    Quelle: Lernbuch NAMIBIA, S. 105
    (P.Hammer Verlag)
    . Hendrik Witbooi
    Häuptling Hendrik Witbooi
    (©) Archiv- und Museumsstiftung Wuppertal
    Archiv Nr. SW 4632-47
    . Jakob Marengo
    Häuptling Jakob Marengo
    (auch genannt: Morenga)
    Quelle: http://www.hschumacher.de

    Am 12. Januar 1904 bricht der Krieg der Herero unter dem Oberhäuptling Samuel Maharero gegen die Deutschen aus. Überall in Hereroland dringen bewaffnete Einheimische in die Farmhäuser ein und töten deutsche Männer. Sie brennen die Farmgebäude auf ihrem Land nieder, treiben das Vieh ab, überfallen Stationsbesatzungen, unterbrechen Telegrafenverbindungen, zerstören die Eisenbahnlinie Swakopmund-Windhoek. Mit einem Schlag fällt die ganze, von Hereros bewohnte Region in ihre Hände. Mehr als hundert deutsche Männer, Siedler und Stationssoldaten werden in diesen Tagen getötet.

    Ein Volk ist geschlossen mit Frauen und Kindern in den Kampf getreten. Es ist ein Verzweiflungskampf, denn die Herero haben kaum Hoffnung, dass sie der militärischen Überlegenheit der Deutschen standhalten können. Dabei sind die Häuptlinge der Hereros bemüht, in diesem Kampf Menschlichkeit und Menschenwürde soweit als möglich zu wahren: das Leben deutscher Frauen und Kinder soll ausdrücklich geschont werden. Auch den Engländern, Buren sowie den Missionaren soll nichts geschehen. Der Krieg der Herero ist kein Krieg gegen die "weiße Rasse". Es ist ein Befreiungskampf gegen die deutsche Kolonialherrschaft.

    Gouverneur Theodor Leutwein
    Gouverneur Theodor Leutwein
    (©) Archiv- und Museumsstiftung Wuppertal
    Archiv Nr. 903-075

    Der amtierende deutsche Gouverneur Theodor Leutwein wertet die Kampfhandlungen der Herero anfangs als Episode und somit nicht als ernsthafte Bedrohung für Siedler, Missionare und Militär. Zudem verfolgt er, sehr zum Ärger seiner vorgesetzten Kolonialabteilung in Berlin, eine Politik des Ausgleichs und der Verhandlung mit dem Ziel einer baldigen und friedlichen Beendigung des Aufstands.

    Generalleutnant Lothar von Trotha
    Generalleutnant Lothar von Trotha Quelle: National Archives, Windhoek

    Als auch eine drastische Verstärkung der Schutztruppe um etwa 1500 Soldaten keine durchgreifenden Erfolge bringt, wird Theodor Leutwein die Militärführung entzogen und im Juli 1904 von dem kriegserfahrenen Generalleutnant Lothar von Trotha abgelöst.

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    Die Stämme im ehem. Südwestafrika
    Die Stämme im ehem. Südwestafrika
    Quelle: http://www.jaduland.de

    Der scheut vor keiner Grausamkeit zurück. Mit der Ernennung v. Trothas ist das Ende des Befreiungskampfs bereits vorbestimmt, noch ehe das Gefecht militärisch entscheiden ist. Er hat schlussendlich eine "geniale" taktische Idee: Völkermord durch Vertreibung. Die wasserlose Halbwüste im Norden Namibias, die Omaheke, ist sein mörderisches Werkzeug. Am Waterberg werden die Hereros so umzingelt, dass ihnen nur ein Fluchtweg offen bleibt: die Omaheke. Zehntausende der fliehenden Herero werden in die Wüste abgedrängt und eingekesselt. Für über 80 Prozent des einst mächtigen und reichen Volkes ist diese Kriegstaktik das Todesurteil. Kinder, Frauen und Männer erleiden mit ihrem Vieh den grauenvollen Tod des Verdurstens. Nach Beendigung des Kampfes der Herero im Nov. 1904 werden von ursprünglich etwa 80.000 Volksangehörigen nur noch zwischen 12. bis 16.000 Überlebende gezählt.

    Noch während die Kämpfe im Norden Namibias gegen die Herero andauern, erhebt sich überraschend im Süden des Landes Jakob Marengo, Häuptling der Bondelszwart-Nama, gegen die deutsche "Schutzmacht". Anders als die den Deutschen in offenem Entscheidungskampf gegenüber tretenden Hereros, wendet Marengo die für das Militär neue und ungewohnte Taktik des Guerillakampfes an.

    Hendrik Witbooi, Oberhaupt des gleichnamigen Nama-Stammes, ist 1904 ein alter Mann, dessen Zeit als unbestrittener Führer einer Vielzahl von Nama-Stämmen sich dem Ende zuneigt. So zögert er lange, sich dem Aufstand gegen die Deutschen anzuschließen. Doch seine jüngeren Unterführer drängen ihn zunehmend, den Kampf aufzunehmen. Nicht zuletzt sind es die Erfolge Jakob Marengos, die Hendrik Witbooi veranlassen, sich zum Kampf bereit machen. Gemeinsam mit anderen Nama-Stämmen stellt sich Oberhäuptling Hendrik Witbooi ab Anfang Oktober 1904 an die Spitze der Widerstandsbewegung. Mit ihrer Taktik der sporadischen, überraschenden Angriffe wird der Freiheitskampf der Nama für die Deutschen zur militärischen Blamage: anfangs zwei- bis dreitausend, später nur wenige hundert kämpfende Nama erfordern eine Militärmacht von 15.000 deutschen Soldaten. Am 25. Oktober fällt der greise Oberhäuptling Witbooi. Geschwächt durch den Krieg und geschockt durch den Verlust seiner Führergestalt tritt der Witbooistamm aus dem Widerstandkampf aus.

    Der Aufstand geht aber noch weiter. Ein halbes Dutzend Nama-Einheiten mit mehr als 300 Kämpfern - darunter Häuptling Jakob Marengo und seine Leute - widersetzen sich noch länger als zwei Jahre der deutschen ‚Schutzmacht'. Am 31. März 1907 erklärt der deutsche Generalstab die Aufhebung des Kriegszustandes in Namibia. Der dreijährige Guerillakampf hat mehr als die Hälfte des Nama-Volkes vernichtet. Auf deutscher Seite werden die Verluste im Herero- und Namakrieg 1904 - 1907 mit 179 Offizieren und 2.169 Unteroffizieren sowie Mannschaften angegeben, denen die zivilen Opfer hinzuzurechnen sind.

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