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Mission und Missionare |
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![]() Christliche Missionsstationen in Namibia 1805-1897
Quelle: nach Lernbuch NAMIBIA, S. 38 (P.Hammer Verlag) |
Durch die ständigen Berichte der Missionare an die Leitung der Rheinischen Missionsgesellschaft in Barmen war die Unzufriedenheit der namibischen Stämme bekannt, doch überraschte der plötzliche Beginn des Freiheitskampfes des Hererovolkes und später der Namastämme sowohl Missionare vor Ort als auch die Missionsleitung in der Heimat. Die jüngeren Missionare stellten sich den Militär- und Sanitätsbehörden als freiwillige Helfer, Krankenpfleger und Feldgeistliche zur Verfügung und bezeugten damit ihre vaterländische Gesinnung. Die Missionsstationen im Kriegsgebiet mussten natürlich geräumt werden. Es gab für manche Missionare und deren Familien sorgenvolle Tage und schmerzliche Erlebnisse. Die Missionsgesellschaft stellte sich schützend vor die afrikanische Bevölkerung, indem sie die harte Behandlung an den Aufständischen öffentlich kritisierte. Anderseits richtete sie im Mai 1904 einen Hirtenbrief an die Hererochristen, in dem sie "ihrer tiefen Betrübnis über die traurigen Vorgänge in der Kolonie Ausdruck gab, die Christen vor dem Wege des Verderbens warnte und sie bat, freiwillig die Waffen niederzulegen, sich zu unterwerfen und Buße zu tun". Dieser Hirtenbrief gelangte aber niemals an die Hererochristen, da er dem General von Trotha nicht gefiel. |
Nachdem die Missionare in Südwestafrika ihre Friedensvermittlung vergebens General von Trotha angeboten hatten, wiederholte die Missionsleitung in Deutschland dieses Anerbieten am 25. November 1904 mit einer Eingabe an Reichskanzler von Bülow. Von diesem wurde der Vorschlag zustimmend beantwortet. So durften dann die Missionare seit Ende 1904 versöhnende Briefe an die Herero senden und als Dolmetscher und Vermittler selbst Truppenkommandos begleiten. Unter der Leitung von Missionaren wurden vier Sammellager in Omburo, Otjihaenena, Otjozongombe und Okomitombe eingerichtet, in denen etwa 12.000 verhungerte und verelendete Herero freiwillig die Waffen niederlegten, also etwa 75 Prozent der den Krieg insgesamt überlebenden Hereros. In den Sammellagern befanden sich keine Soldaten. Wenn sie sich einigermaßen erholt hatten, kamen sie in die Gefangenlager Windhoek, Okahandja und Swakopmund. Diese Lager wurden dann nacheinander aufgelöst. Die Gefangenen wurden als Arbeiter über das ganze Hereroland verteilt. Auf das weitere Schicksal der Herero und Nama hatten die Missionare keinen Einfluss, weil sie von Beginn der Kolonialverwaltung an immer nur einzelne Methoden des kolonialen Systems gerügt, seine Berechtigung aber nie grundlegend in Frage gestellt hatten. So konnten sie sich nur auf die Pflege und Versorgung von Alten, Kranken und Kindern sowie auf eine Verbesserung der schlechten Arbeits- und Lebensbedingungen in den Lagern beschränken.
In der Rückschau ist festzustellen, dass sich die Rheinische Missionsgesellschaft durch ihre Mitwirkung an der Zusammenführung von überlebenden Hereros in sogenannten Sammellagern mitschuldig an der Vernichtung des Hererovolkes gemacht hat. Dieses Resumé ist umso schmerzvoller, als sich eine Reihe von Missionaren nachdrücklich für die Verbesserung der Lebensbedingungen in den Lagern eingesetzt haben.
Aus der Heimat hat man den Missionaren später vorgeworfen, sie - die so vertraut mit den Herero und Nama waren - hätten nichts über deren Pläne mitgeteilt. Die Mission und ihre Mitarbeiter standen nun im wahrsten Sinne des Wortes zwischen den Fronten und gerieten ins Rampenlicht der Öffentlichkeit in Deutschland. |
Kirche in Okahandja
(die Einschusslöcher sind deutlich zu erkennen)
Quelle: National Archives, Windhoek |
Ihnen wird tätige Parteinahme mit den "Rebellen" und Schlimmeres unterstellt. Dieser Vorwurf trifft dann zu, wenn man christliche Hilfe und Nächstenliebe als solche Parteinahme wertet. Die Mission hat dazu beigetragen, dass nach dem Zusammenbruch des Widerstandes nicht noch größeres Unglück und Leid entstand, ganz verhindern konnte sie es nicht. |
Mit diesem christlich geprägten Handeln legte sie den Grund zur Fortsetzung der Missionsarbeit unter den geschlagenen Völkern in Südwestafrika, jetzt allerdings in von der deutschen Kolonialregierung gesetzten, engeren Grenzen als vorher Die missionskritische Haltung insbesondere von Siedlern, Kolonialvereinen/verbänden und Presse führte u.a. dazu, dass sich auch die Synodalversammlung des Kirchenkreises Wesel am 28.07.1904 mit dieser Frage eingehend befasste. Nach sorgfältiger Beratung verabschiedet sie eine vorgelegte Resolution, in der sie "die vielfachen Schmähungen...mit aller Entschiedenheit zurückweist sowie der Leitung der rheinischen Mission in der Heimat mit herzlichen Segenswünschen für weiteres Wirken im Dienste des Herrn ihr unbedingtes Vertrauen ausdrückt". Die Synode fügt ihre Bitte an die Gemeinden an, "nicht müde werden zu wollen in Arbeit und Gebet, die wichtige Sache der Mission nach Kräften fördern zu helfen". Der Herero- und Namakrieg bedeutete für die Rheinische Missionsgesellschaft den Zusammenbruch ihrer bisherigen Arbeit in Südwestafrika. Die Stationen an den Hauptverkehrsverbindungen und in den größeren Orten waren zwar nicht völlig zerstört, aber von den Herero und Nama - Christen wie ein-heimischen Hilfskräften - verlassen. Viele Missionsstationen waren nicht mehr bewohnbar. Von den 14.000 Christen waren nur noch 9.500 übrig; neun Missionsstationen des Landes von 23 zerstört und verlassen. Die Arbeit wurde durch die neuen Verhältnisse in vielerlei Hinsicht erschwert und komplizierter. Große Gemeinden, in den die Christen sich sammeln und in Ruhe gepflegt werden konnten, gab es nur noch wenige. Die Missionare mussten jetzt mit ihren Helfern im Lande umherreisen, um den kleinen Gruppen von Arbeitern auf den Farmen, an den Eisenbahnen und in den Minen nachzugehen. Man stellte notgedrungen Wanderevangelisten an, die von Farm zu Farm zogen, Taufunterricht einfachster Art erteilten und Gottesdienste oder Abendandachten hielten. Während seines Aufenthaltes auf der Farm reihte sich der Wanderevangelist in die Kolonnen der Arbeiter ein, mit denen er tagsüber zusammen die Landarbeit verrichtete. Dafür wurde er mit ihnen durch den Farmer verpflegt.
Des weiteren waren in der Zeit nach dem Aufstand Gottesdienste, Taufunterricht, Schulunterricht und das Gemeindeleben von Seiten der Kolonialverwaltung stark beschnitten. Der Krieg hatte besonders im Hereroland zahlreiche Waisenkinder hinterlassen, für die in Otjimbingue eigens ein Haus eingerichtet wurde. Nachdem jahrelang die Ausbildung eingeborener Helfer vernachlässigt worden war, wurde endlich im Jahre 1911 das Predigerseminar 'Augustinum' auf der nord-östlich gelegenen Missionsstation Gaub unter der Leitung von Missionar Dr. Vedder wieder eröffnet.
War es eine "natürliche" Reaktion auf den erfolglosen Krieg, dass nach dessen so blutiger Niederschlagung die einheimische Bevölkerung sich verstärkt zum Christentum hingezogen fühlte? So konnte die Rheinische Missionsgesellschaft schon in ihrem Jahresbericht 1910 sagen: "Es ist noch nie in Afrika so erfreulich vorwärtsgegangen, wie in den letzten Jahren." Überall meldeten sich kleinere und größere Gruppen zum Taufunterricht, die Kirchen und Gemeindesäle waren gut besucht, das Spendenaufkommen wuchs. So betrug im Jahre 1909 die Zahl der Getauften schon wieder fast 15.000 Personen, zuzüglich ca. 3.000 Missionsschüler, also mehr als vor dem Aufstand.
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