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Aktuelles
aus der
Rheinischen
Landeskirche

Lutherrose

Friedenstaube

Die Evangelischen in Porz vor 1964

Wenn auch protestantische Regungen in Porz um 1550 und noch um 1620 bezeugt sind, blieb die Bevölkerung hier im Zeitalter der Reformation doch bei ihrem hergebrachten katholischen Glauben. Nur in der Porzer Nachbarschaft gab es seit etwa 1560 eine evangelisch-lutherische Gemeinde in Volberg (jetzt Rösrath-Hoffnungsthal). 1610 kamen je eine Gemeinde für Lutheraner und Reformierte in Mülheim am Rhein hinzu.

Erst um 1719 wurden im alten Rheinhandelsort Niederzündorf, wo bereits 1700 Juden nachzuweisen sind, auch evangelische Handelsherren ansässig. Von ihnen hielten sich die Lutheraner nach Volberg und Mülheim am Rhein, die Reformierten nur nach Mülheim. Nach dem Willen des Königs von Preußen, der seit 1815 auch für den Raum Porz Landesherr war, wurden Lutheraner und Reformierte 1817 zur Evangelischen Kreisgemeinde Mülheim am Rhein vereinigt.

Die wenigen Evangelischen des Raumes Porz zählten seit 1857 zur Kirchengemeinde Deutz und 1877-1909 zur Kirchengemeinde Kalk; nur Grengel, Wahnheide und Lind gehörten noch bis 1909 zur Kirchengemeinde Volberg, gingen dann aber ebenfalls auf in der am 1. April 1909 gegründeten Kirchengemeinde Porz. Zu dieser Gründung hatte der Zuzug von evangelischen Familien entscheidend beigetragen. Er war bedingt durch die Anlage und den Ausbau des Artillerieschießplatzes auf der Wahner Heide seit 1817 und durch die eigentliche Industrialisierung am Porzer Rheinbogen seit 1875, wenn auch bereits 1845-1874 als erste Fabrik des Porzer Raumes die große Seilerei von Felten & Guilleaume auf der Linder Höhe bestanden hatte, die hier 1882 durch eine Dynamitfabrik der Deutschen Sprengstoff AG. abgelöst wurde, welche 1926 stillgelegt wurde.

Evangelische, die im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Bereich unserer heutigen Kirchengemeinde lebten, hielten sich also anfangs nach Mülheim am Rhein, Deutz und Kalk. 1883-1904 besuchten sie die Gottesdienste in der neuerbauten Luther-Kapelle in Porz an der „Möckeburg“, dann seit 1914 im kleinen Saal der Porzer Gaststätte “Zur Linde” und seit 1922 in der jetzigen Lukas-Kirche (damals Jesus-Kirche).

Gottesdienst im Bereich von Wahnheide gab es mit wachsender Bedeutung des Schießplatzes Wahn bereits bald nach der Mitte des 19. Jahrhunderts. 1867 ist erstmals Militärseelsorge durch den katholischen Pfarrer von Wahn überliefert, während evangelische Soldaten in Wahnheide durch den Divisionspfarrer aus Köln betreut wurden und auch evangelische Gottesdienste in Porz besuchten. Doch schon am 16. Februar 1913 fand evangelischer Gottesdienst für Soldaten und Zivilpersonen im Unteroffiziers-Speisesaal des Militärlagers Wahnheide statt.

Die Ansätze für unsere heutige Kirchengemeinde wurden bald verstärkt, nachdem die Evangelische Kirchengemeinde Porz am 18. Dezember 1951 (Presbyteriums-Beschluss 26.11.1951) die 1935 erbaute und seit 1939 vertraglich schon mitbenutzte Kapelle der Altkatholiken in Wahnheide, Magazinstraße 26, für 5400 Mark erworben hatte und diese auf ihrer Ostseite erweitert worden war. Zur Ausstattung gehörte ein Harmonium. Fortan wurde regelmäßig Gottesdienst - seit 1949 schon alle 14 Tage - gehalten.

1952 wurde am 23. März die seit Jahresbeginn vorhandenen 2. Pfarrstelle der Evangelischen Kirchengemeinde Porz mit Pfarrer Ernst Dietrich besetzt, einem großen Freund des Posaunenspiels, dessen Posaunenchor zu Weihnachten 1953 erstmals im Gottesdienst blies.
 
Die Kirchengemeinde Porz-Wahn-Heide seit 1964

Der 1. Januar 1964 war der Geburtstag der Evangelischen  Kirchengemeinde Porz-Wahn-Heide. Sie entstand durch eine Ausgemeindung aus der Kirchengemeinde Porz. Das Siegel der neuen Kirchengemeinde (seit 25.3.1966), gestaltet durch den Kölner Künstler Werner Schuffenhauer, zeigt ein gleichschenkliges, leicht geschweiftes, prankenartiges Kreuz, das mit einem kleineren Kreis belegt ist. Es besagt: „Jesus Christus wirkt in seiner Gemeinde.“

Das anhaltende Wachsen der Porzer Stadtteile und das unserer Kirchengemeinde erforderte nun bald den Bau einer neuen Kirche mit Gemeindezentrum auf dem schon 1963 angekauften Grundstück Sportplatzstaße. 63-65 im Stadtteil Wahnheide. Die Bauplanung oblag dem Kölner Architektenehepaar Ulrich Vossbeck und Anneliese Vossbeck-Krahwinkel. Nach Baubeginn 1966 konnte der Grundstein am 7. Oktober 1967 gelegt werden. Einen ganz erheblichen Finanzbeitrag leistete die Militärseelsorge der Bundeswehr, weil 60% der Kirchengemeinde aus Bundesbediensteten bestanden. Der letzte Gottesdienst in der Kapelle mit ihren 160 Sitzplätzen fand am 19. Mai 1968 statt. Am 26. Mai 1968 konnte der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Prof. Dr. Beckmann, das Gemeindezentrum Wahnheide mit einer Kirche weihen.

Die Muttergemeinde Porz schenkte die wertvolle Glocke der ehemaligen Lutherkapelle Porz von 1883, die zunächst in unserer Kirche hing, ohne zu ertönen. Dann Bau eines Glockentürmchens am 4. Oktober 1987.

Martin-Luther-Kirche
Schmuck und Ausstattung:
Links vom Eingang schuf Bildhauer Eugen Keller, Höhr-Grenzhausen, eine Plastik. Nach seinen Worten ist sie „zu lesen wie eine Schrift.
Es ist eine Aufforderung an den Kirchenbesucher: „Er möge sich aus den Zwängen des Alltags herausbegeben und sich, so vorbereitet (befreiend), in den besonderen Raum begeben.“

1970 wurde ein schmiedeeisernes Kreuz, gestaltet durch „Werkkunst Peters“, Stolberg, entsprechend dem schon gestalteten Altartisch sowie der Kanzel und Taufe, an der Altarwand angebracht. Seit dem 14. Mai 1992 schmückt ein ähnliches schmiedeeisernes Kreuz von Peters die Außenwand der Kirche.

1971 konnte eine wahre „Königin der Instrumente“ mit 15 Registern und 1092 Pfeifen, geschaffen durch Orgelbau Klaus Becker in Kupfermühle/Holstein, erstmals ertönen.

Eine künstlerische Krönung erfuhr die Kirche in Wahnheide Anfang 1990 durch die neuen Kirchenfenster von Prof. Johannes Schreiter, um die sich besonders Pfarrer Heda und der ehem. Presbyter Klaus Petzel bemüht haben. Monumentale Linien spiegeln in Grau die Wege der Menschen wider, rote, seitliche Begrenzungen stehen „für die ununterbrochene und ständig über uns wachende Liebe Gottes“, die „nach oben geöffnete U-form“ als „ein sinnvolles Kürzel für Segen“. Hervorgehoben sei im ersten Fenster die Lutherrose, vom Reformator zum Merkzeichen seiner Theologie erklärt, „damit ich mir selbst Erinnerung gäbe, dass der Glaube an den Gekreuzigten uns selig machet. Denn der Gerechte wird seines Glaubens leben, der Glaube an den Gekreuzigten.


Der zweite Meilenstein in der Entwicklung unserer Kirchengemeinde war die Geburt des Pfarrbezirkes 2 Grengel-Urbach am 1. April 1968. In seinem Bereich Grengel hatten seit 1949 vor allem evangelische Flüchtlinge und Vertriebene aus Mittel- und Ostdeutschland eine neue Heimat gefunden. Deshalb war hier, wo am 5. Dezember 1959 an der Hermann-Löns-Straße 183 ein Jugendheim, seit 1971 Waldheim genannt, eingeweiht worden war, anfangs ein Gemeindezentrum vorgesehen gewesen. Das Heim diente für regelmäßige Gottesdienste von Pfarrer Wilhelm Kreis, anfangs noch ohne Harmonium, so dass Schwester Erika Etzolds Stimme den schlecht und recht Singenden das musikalische Rückgrat leihen musste. Aber auch andere kirchliche Veranstaltungen fanden hier noch bis 1987 statt.

Als Pfarrer Paul-Hermann Ginsberg am 9. November 1969 als 2. Pfarrer eingeführt wurde, lebten im 2. Pfarrbezirk Grengel-Urbach rund 4000 Evangelische, denen wie bisher Gottesdienste für Erwachsene und Kinder im Jugend- bzw. Waldheim Grengel geboten wurden. Pfarrer Ginsberg hatte sofort in Urbach, Kastanienweg 12, das durch den Architekten Hans Bücher erbaute Pfarrhaus beziehen können. Derselbe Architekt plante auch das benachbarte Gemeindezentrum mit Kirche auf der Ecke Friedensstraße / Mühlenweg, dessen Bau am 19. Dezember 1972 begonnen wurde. Richtfest und Grundsteinlegung fanden am 28. April 1973 statt, die Einweihung am 4. November 1973 durch Oberkirchenrat Ludwig Quaas. Der Name Friedenskirche bot sich geradezu an und war glücklich gewählt. Der damalige Bundespräsident Dr. Gustav Heinmann schenkte zur Kirchweihe eine Altarbibel mit der Widmung: „Christus ist gekommen und hat verkündigt im Evangelium den Frieden, Euch, die ihr ferne wart, und denen, die nahe waren“ Epheser 2,17). Für den Bau des Friedenskirchenzentrums standen dem darum sehr besorgten Pfarrer Ginsberg und seinen Mitstreitern nicht mehr reichlich Gelder zur Verfügung. Das wirkte sich auf die Ausstattung der Kirche aus. Bereits 1981 mussten die Decke samt Lampen und die Glasfenster erneuert und die Bestuhlung ersetzt werden. Nun wurde die Kirche mit Taufschale, Altar, Kanzel und Wandkreuz nach Entwürfen von Michael Hack aus Krefeld ausgestattet. Das Wandkreuz und die Taufschale mit Ständer stiftete die Frauenhilfe.

Friedenskirche:
Schmuck und Ausstattung:


(Auszug aus: Jürgen Huck, Die Evangelische Kirchengemeinde Porz-Wahn-Heide, 1964 - 1994, Festvortrag in der Martin-Luther-Kirche in Köln-Porz-Wahnheide am 18. September 1994)

Den ganzen Text der Chronik gibt es unter Download.

 

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