Losung für den 13.12.2017

Ich gab ihnen meine Sabbate zum Zeichen zwischen mir und ihnen. Hesekiel 20,12

Bewahre das kostbare, dir anvertraute Gut in der Kraft des heiligen Geistes, der in uns wohnt. 2.Timotheus 1,14

Service

Presbyter Stefan Liedholz. "Ich glaube, das, was man mitbringt, reicht. Man ist nicht alleine."

Stefan Liedholz über sein Ehrenamt

"Was mir viel Spaß macht, ist die Gemeinschaft im Presbyterium"

Es sind die vielen unterschiedlich gelagerten Begabungen aller Presbyteriumsmitglieder und deren gute Zusammenarbeit, die Stefan Liedholz begeistern. Deswegen gestaltet der 52-jährige Unternehmer und vierfache Familienvater gerne in der Gemeinde Hückeswagen mit.

Alle vier Jahre werden die Presbyterien neu gewählt. Das nächste Mal am 14. Februar 2016. In Vorbereitung darauf ist momentan die Phase der Kandidatensuche. Ein ekir.de-Gespräch über die Aufgaben und Erfahrungen als Presbyter mit Stefan Liedholz, der auch Mitglied im Kreissynodalvorstand ist.

Wie kamen Sie dazu, im Presbyterium mitzuarbeiten?

Ich bin damals, 2008, vor der Wahl angesprochen worden, ob ich mir die Mitarbeit vorstellen könnte - wie das aktuell sicher auch bei vielen in den Gemeinden sein wird. Manche kannten mich schon aus der Gemeindearbeit, und so wurde ich gefragt.

War es für Sie dann gleich klar, ja zu sagen?

Nein. Ich bin Unternehmer und habe einen ziemlich vollen Terminkalender. Diese Zeitinvestition habe ich schon gut überlegt.

Da Sie sich 2012 auch ein zweites Mal dafür entschieden haben, scheint sich die Investition für Sie zu lohnen.

Ja. Aber ein weiterer wesentlicher Grund war, dass vier Jahre viel zu kurz sind. Wenn man Gemeindeleitung übernimmt - und das ist es ja, was man im Presbyterium macht - , und gestalten will, dann lernt man, dass gewisse Dinge ihre Zeit brauchen. Die Verwaltungsstrukturreform ist in vollem Gange, solche Sachen sind längere Prozesse. Man muss länger dabei sein, damit die Dinge auch weiter geführt werden.

Was macht Ihnen neben Ihrem Gestaltungswillen Spaß an der Presbyteriumsarbeit?

Was mir viel Spaß macht, ist die Gemeinschaft im Presbyterium: dass man sich vorher nicht gekannt hat und dann ganz neu zusammen findet; dass man gemeinsam Gemeinde baut; dass man sich zusammen dem Prozess stellt. Das ist nicht immer so ganz einfach, denn die evangelische Kirche ist ja auch eine Institution, die 2017 500 Jahre Reformation feiern wird. Das heißt: Man ist schon etwas alt, und das heißt auch, dass manche Strukturen eine gewisse, tiefe Furche haben. Es ist spannend, solche Dinge mal anzuschauen, und zu gucken, wie man, wenn es notwendig ist, auch mal aus der einen oder anderen Furche herauskommen kann.

Also auch mal Impulse für Neues geben?

Richtig, und es heißt ja immer: Wenn man gegen einen Tanker spricht, dann bewegt der sich nicht. Man muss schon herausfinden, wie der gesteuert wird. Übertragen bedeutet das, zu gucken, wie man dazu beitragen kann, dass ein Thema auf den Tisch kommt: Wo finden sich andere, die das Thema ebenso auf dem Herzen tragen? Wie können wir über den Austausch untereinander dieses Thema auch tatsächlich zur Proklamation bringen?

Mancher stellt erstaunt fest, wie viele Regularien es gibt, an die man sich im Presbyterium halten muss.

Ja, das ist richtig und das hat zwei Seiten: Einerseits ist es gut, dass Dinge zuverlässig geregelt sind. Andererseits engt das natürlich auch ein. Doch das gibt es in großen Unternehmen auch, das ist nicht so ungewöhnlich. Aber Presbyterium heißt ja auch Leitung. Da ist es durchaus gefragt, seinen gesunden Menschenverstand einzubringen, und der ist eben unterschiedlich gelagert. Das finde ich fantastisch: Bei uns im Presbyterium gibt es Menschen, die haben einen gesunden Menschenverstand für Beziehungen. Dann gibt es Leute, die haben einen gesunden Menschenverstand für Zahlen. Dann gibt es Kollegen, die haben einen gesunden Menschenverstand für Konzepte und Strategien. In diesem Mix sollte ein Presbyterium eigentlich aufleben können, denn dann bringt es die Begabung für Kirchenleitung mit und bringt die Gemeinde ein Stück weit voran.

Was sicher auch nicht immer ganz reibungslos funktioniert.

Ja, dafür braucht man eine gute Streitkultur, aber die kann man gut lernen. Wenn das gelingt, ist eine kontroverse Diskussion sehr bereichernd, weil die unterschiedlichen Gesichtspunkte berücksichtig werden und damit sichergestellt ist, dass Vieles bedacht wird.

Da sind wir an einem wichtigen Punkt. Was sollte man Ihrer Meinung nach mitbringen, wenn man sich im Presbyterium engagieren möchte?

Sich selbst und seine Eigenschaften und Stärken - die können ganz unterschiedlich sein. Darüber hinaus gerne eine gewisse Kessheit und das Selbstvertrauen, Fragen zu stellen: solange, bis man alles verstanden hat. Wenn man mal eine Frage stellt, ist es oft überraschend zu merken, wie viele andere Leute die Antwort auch noch nicht kennen. Also: keine Furcht vor dem "großen Amt" haben. Ich glaube, das, was man mitbringt, reicht. Man ist nicht alleine. Ebenso sollte man den Willen zu leiten, Verantwortung zu übernehmen, und zu Entscheidungen zu stehen mitbringen.

Wie empfinden Sie die Beziehung zur Gemeinde?

Es ist nicht immer einfach, wenn man schwierige Entscheidungen fällt. Ich nenne mal ein Beispiel. Unsere Gemeinde hatte mehrere Predigtstätten. Eine davon sollte veräußert werden. Als der Entschluss fiel, blutete natürlich allen Gemeindemitgliedern das Herz, die vor 30, 40 Jahren noch selbst Hand angelegt hatten, um das Gemeindehaus zu erbauen. Das ist so. Da kann ich mit in die Trauer einstimmen und sie gut verstehen, aber trotzdem müssen wir solche Einschnitte hinnehmen, wenn wir die Gemeinde für morgen fit machen wollen. Doch es ist nicht einfach, dies allen Menschen zu erklären, da muss man sich schon Zeit nehmen. Meine Erfahrung ist, wenn man die Menschen frühzeitig mitnimmt in die Gedankenspiele und offen miteinander redet, kann man das gemeinsam bewältigen. Aber natürlich bleibt der persönliche Schmerz und den muss man mittragen.

Wird es in Ihrer Gemeinde voraussichtlich genug Kandidaten für die Wahl zum Presbyterium geben?

Bis dato noch nicht, da geht es uns wie vielen Gemeinden. Es ist nicht so einfach, - gerade, wenn man jüngere Menschen gewinnen möchte. Das Amt ist schon ein Amt, das gegenüber früher umfangreicher geworden ist, weil durch die wachsende Verwaltung die Leitung auch komplexer geworden ist.

Wem würden Sie empfehlen, sich im Presbyterium zu engagieren?

Jedem, der auf Beziehungen achtet, der für Kirche und Gemeinde eine Vision hat, der ein Herz dafür hat, Kinder mit dem Evangelium zu konfrontieren. Da gibt es ganz unterschiedliche Motivationen, warum man sich da engagieren kann.

 



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