Losung für den 22.10.2017

Mach dich auf und handle! Und der HERR möge mit dir sein! 1.Chronik 22,16

Simon Petrus sprach: 

Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich die Netze auswerfen. Lukas 5,5

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Seit 23 Jahren ist Margarete Preis Presbyterin und wirbt gerne für das Amt: "Da ist immer wieder etwas Neues, das erobert, erarbeitet und mit Begeisterung umgesetzt werden will."

Margarete Preis ist gerne Presbyterin

"Es lohnt sich!"

"Ich möchte dazu beitragen, dass Gemeinden auch morgen noch lebendig sein können", sagt Margarete Preis. Die 58-jährige Religionspädagogin engagiert sich im Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde Düsseldorf-Urdenbach - mit immer neuer Begeisterung.

Alle vier Jahre werden die Presbyterien neu gewählt. Nächster Wahltermin ist der 14. Februar 2016. In Vorbereitung darauf läuft zurzeit die Phase der Kandidierendensuche - was Margarete Preis nicht betrifft, weil wegen Fusionsplänen in ihrer Gemeinde erst ein Jahr später gewählt werden wird. Ein ekir.de-Gespräch über Aufgaben, Zeitaufwände, Chancen und Hürden im Ehrenamt Presbyterium, mit der Presbyterin Margarete Preis, die Mutter von vier erwachsenen Kindern ist darüber hinaus auch Mitglied des Kreissynodalvorstandes (KSV) des Kirchenkreises Düsseldorf.

Seit wie vielen Jahren sind Sie im Presbyterium?

Schon seit 1992.

Wie kamen Sie dazu?

Ich bin klassisch kirchlich sozialisiert: Kindergottesdienst, Konfirmation, Jugendarbeit... In der Gemeinde habe ich Freunde gefunden und eine tolle Jugend erlebt. Heute arbeite ich als Religionspädagogin in der Schule und habe das Glück, dass meine Familie mein ehrenamtliches Engagement in der Kirche mitträgt und gut findet.

Wie viel Zeit muss man auf jeden Fall mitbringen, wenn man neu ins Presbyterium kommt, um vernünftig hineinzuwachsen?

Zum einen ist es die Zeit für eine Presbyteriumssitzung und etwa zwei Ausschusssitzungen im Monat. Aber es gibt auch Phasen, in denen mehr gefordert ist, weil wichtige Entscheidungen anstehen. Ich persönlich kann mir das Amt auch nicht vorstellen, ohne den Gottesdienst zu besuchen und viel Tuchfühlung mit der Gemeinde zu haben. Das ist für mich keine zeitliche Belastung, sondern eigentlich die Kraft- und auch Hauptinformationsquelle. Zu spüren: Worum geht es denn hier? Wofür mache ich das? Sonst könnte ich auch in einen Aufsichtsrat gehen oder Golf spielen.

Sie sagen, Presbyteriumsarbeit funktioniert nur mit geistlicher Begleitung. Woher kommt sie?

Einerseits kommt sie durch unsere Pfarrerinnen und Pfarrer. Aber im Protestantismus haben wir ja auch ein gutes Selbstbewusstsein: Da darf man auch selber denken und handeln. Ich bin zum Beispiel ordiniert zur Prädikantin - früher hieß das Predigthelferin - und gestalte selber Gottesdienste. Schließlich lebt die Gemeinde von den vielen Ehrenamtlichen, die sich und ihre Gaben einbringen. Dazu gehören natürlich auch die Presbyterinnen und Presbyter.

Waren Sie im Presbyterium immer für einen bestimmten inhaltlichen Bereich zuständig?

Das hat gewechselt. Das Tolle ist ja, dass man im Lauf der Jahre wirklich viel dazu lernt. Man entwickelt neue Talente, man wird älter und man arbeitet sich in Bereiche ein, von denen man vorher weniger Ahnung hatte, z.B. Bau- oder Finanzfragen. Mit der Wahl eines Fachausschusses oder der Übernahme eines Kirchmeisteramtes - bei uns sind das Finanzen, Bau, Personal und Diakonie - hat man die Möglichkeit, einen persönlichen Schwerpunkt zu setzen.

Muss man sich in alle Bereiche einarbeiten?

Es ist erst mal gut, wenn man ein breites Interesse mitbringt. Genauso gut ist es, wenn man Spezialwissen hat: vom Handwerk, vom Kaufmännischen, von Musik oder Pädagogik, damit das Presbyterium alle Bereiche behandeln kann. Doch jeder muss bereit sein, sich in alle Themen einzuarbeiten, damit man gemeinsam Entscheidung treffen oder sie zumindest verantwortlich mittragen kann. Mal stark vorweggehen und mal den anderen folgen - dieses Zusammenspiel von Kompetenz und Vertrauen ist eine besondere Herausforderung in der Presbyteriumsarbeit.

Welche weiteren Aspekte gefallen Ihnen an Ihrem Amt?

Für etwas, das mir wichtig ist, übernehme ich gerne Verantwortung. Viele Menschen sind schnell dabei mit der Kritik an der Kirche. Denen würde ich gerne sagen: Mach doch mit! Hilf uns doch, die richtigen Entscheidungen zu treffen, bring dich ein! Vielleicht haben wir etwas übersehen, vielleicht gibt es andere oder bessere Lösungen - dann trage dazu bei, dass wir es gemeinsam gut machen!

Hat die Zusammenarbeit im Presbyterium immer gut funktioniert?

Ganz ehrlich - wo verschiedene Interessen aufeinander treffen, entsteht auch "Reibungshitze". Entscheidend ist, wie man damit umgeht. Es sollte in Presbyterien einen hohen Anspruch geben, in welcher Art und Weise wir zu Ergebnissen kommen. Wir müssen uns in die Augen gucken können, auch wenn wir völlig unterschiedlicher Meinung sind! Wenn das nicht funktioniert, bleiben Menschen auf der Strecke und bereuen, sich eingebracht zu haben - das können wir uns nicht erlauben, weder um der Menschen noch um des Evangeliums willen.

Das erfordert ein hohes Maß an Kommunikationsfähigkeit.

Ja, das funktioniert am besten, wenn sich alle darüber im Klaren sind, für wen sie da sitzen und sich engagieren, nämlich für die Gemeinde. Man muss sich auch eine gewisse Souveränität erarbeiten. Leitungsentscheidungen sind nicht immer einfach! Dann darf man sich auch sagen: Die Gemeinde hat uns gewählt und dieses Amt übertragen. Daher erwarte ich auch von der Gemeinde, dass sie unsere Arbeit anerkennt und dem Presbyterium stets besten Willen unterstellt, denn die Rahmenbedingungen für die Arbeit der Presbyterien werden immer schwieriger.

Weil immer mehr gespart werden muss?

Ja, die prognostizierten Zahlen sind deutlich. Geld und personelle Kapazitäten reichen nicht mehr, um weiter so zu machen wie bisher. Viele Presbyterien beklagen, dass zu wenig Zeit für theologische Themen bleibt, und manche wünschen sich augenzwinkernd mehr "katholische" Regelungen "von oben". Aber im Ernst: Wir sollten diese Zeit des Umbruchs auch als Chance sehen. Bewährtes bewahren und gleichzeitig Neues zu wagen, ist auch theologisch wichtig. Ich kann nicht sagen, ich habe einen lebendigen Gott, aber auf der anderen Seite wollen, dass ein Gemeindezentrum stehen bleibt, bis ich tot umfalle. Ich möchte dazu beitragen, dass Gemeinden auch morgen noch lebendig sein können. Das ist der Grund, weshalb ich als Presbyterin gerne weiter mache: Da ist immer wieder etwas Neues, das erobert, erarbeitet und mit Begeisterung umgesetzt werden will.

Erinnern Sie sich an etwas, das Sie aus heutiger Sicht anders gemacht hätten?

Ich habe etwas Wichtiges dazu gelernt. Ich bin ein Mensch, der es gerne hauruck - fertig hat. Ich habe gelernt, dass man nichts durchsetzen kann - auch nicht mit einem Gremium - wenn man nicht diejenigen, die es direkt angeht, mit einbezieht. Das ist oft mühsam und schwierig und geht auch nicht immer hundertprozentig, aber man muss es versuchen. Trotzdem ist es nicht falsch, eine klare Richtung vorzugeben, wenn die Rahmenbedingungen es nicht anders zulassen.

Würden Sie anderen empfehlen, sich als Presbyter wählen zu lassen?

Ja, ich werbe nach wie vor gerne für das Presbyteramt. Man muss ehrlich sein: Es braucht einiges an Zeit und ist nicht immer einfach, aber es lohnt sich! Manchmal sind die Erfolge überschaubar und die Lösungswege mühsam, aber es sind ja eh nicht wir, die das Haus bauen... Gott traut uns da schon ganz schön was zu!

 



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