Losung

für den 21.08.2019

Ich will des HERRN Zorn tragen, denn ich habe wider ihn gesündigt.

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Diesen Abendmahlskelch schenkte Gottliebe Liba 1897 der evangelischen Kirche in Mensguth/Ostpreußen.  Diesen Abendmahlskelch schenkte Gottliebe Liba 1897 der evangelischen Kirche in Mensguth/Ostpreußen.

Zeichen der Gemeinschaft

Der Kelch des Friedens

In den Wirren des 2. Weltkriegs ging das liturgische Gerät der evangelischen Gemeinde in Dźwierzuty, damals Mensguth, verloren. In einem Kölner Auktionshaus tauchte kürzlich ein Abendmahlskelch von dort wieder auf. Präses Manfred Rekowski bringt den stillen Zeugen eines Stücks deutsch-polnischer Geschichte zurück nach Masuren.

Die evangelische Kirche im polnischen Dźwierzuty (ehemals Mensguth) zählt zu den ältesten Masurens. Die evangelische Kirche im polnischen Dźwierzuty (ehemals Mensguth) zählt zu den ältesten Masurens.

Gottliebe Liba hatte Gott lieb. Und nicht nur ihn, sondern auch seine Gemeinde. Deshalb schenkte sie der evangelischen Kirche im ostpreußischen Mensguth (heute Dźwierzuty) 1897 einen Abendmahlskelch.

Wo sich Gottliebe Liba zum Zeitpunkt ihrer großherzigen Spende aufhielt, ist nicht bekannt. Die Spur der Familie, die im Kirchspiel Mensguth, genauer im Dorf Samplatten (heute Saplaty), seit dem 17. Jahrhundert einen Namen hatte, verliert sich um 1880. War sie - wie viele Masuren Ende des 19. Jahrhunderts - für Lohn und Brot Richtung Westen aufgebrochen? Und der Kelch womöglich Ausdruck ihrer großen Sehnsucht nach der alten Heimat?

Pfarrer Witold Twardzik, heute Seelsorger der Gemeinde im polnischen Dźwierzuty, hält das für denkbar. Denn eine Gravur im Fuß des Kelchs vermerkt neben der frommen Geberin den Hersteller der Kostbarkeit, den Fachlieferanten für Kirchenbedarf F. W. Jul. Assmann mit Wurzeln in Lüdenscheid. Dessen heutiger Inhaber, Christian Peter Barthelmes, spricht von einem „sehr schönen Stück“ aus reinem Silber, das vielleicht einmal „ein halbes Jahresgehalt“ gekostet habe.

Internet-Suche führte ins Rheinland

Doch der Reihe nach. In den Weltkriegs-Wirren ging auch das liturgische Gerät der evangelischen Kirche in Mensguth verloren - und mit ihm der von Gottliebe Liba gestiftete Gemeinschaftskelch fürs Abendmahl.

Eher zufällig suchte Pfarrer Witold Twardzik vor einigen Monaten im Internet unter dem Stichwort Mensguth historische Hinweise, nachdem auf dem Dachboden der Kirche in Dźwierzuty Bretter mit Malereien aus vergangenen Jahrhunderten gefunden worden waren.

Dabei stieß er in den Weiten des Netzes auf das Kölner Auktionshaus Van Ham - und unter der Nummer 65082-3 auf das versteigerte Objekt „Messkelch für eine Kirche in Mensguth, ehemals Ostpreußen“, Taxe: 600 Euro, Ergebnis: 774 Euro.

Versteigert – und doch wieder auf Reisen

Präses Manfred Rekowski (rechts) und Christian Peter Barthelmes, Inhaber des Unternehmens F. W. Jul. Assmann, begutachten den Abendmahlskelch aus Mensguth nach seiner Aufarbeitung durch einen Silberschmied. Präses Manfred Rekowski (rechts) und Christian Peter Barthelmes, Inhaber des Unternehmens F. W. Jul. Assmann, begutachten den Abendmahlskelch aus Mensguth nach seiner Aufarbeitung durch einen Silberschmied.

Verkauft! Kein Grund aufzugeben für den rührigen Pfarrer aus Polen. Seine Bitte um Unterstützung mit dem Ziel, den Kelch für die Gemeinde in Masuren zurückzuerwerben, erreichte die Ökumene-Abteilung im Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche im Rheinland.

In Düsseldorf mühte man sich nach Kräften, ebenso wie in der Domstadt: Johanna Bemmann-Orth vom Auktionshaus nahm mit der gebotenen Diskretion Kontakt zum Käufer auf, der äußerst verständnisvoll reagierte und den Kelch - verbunden mit Segenswünschen und einem persönlichen Brief an die heute hundert Seelen zählende Gemeinde - wieder auf Reisen schickte.

Heimkehr am Sonntag, 18. August 2019

Rheinische Gemeinden halfen, Rückkauf und fachmännische Aufarbeitung durch einen Silberschmied zu finanzieren. Und kein Geringerer als Präses Manfred Rekowski, selbst in Masuren geboren, bringt den Abendmahlskelch am kommenden Sonntag, 18. August 2019, in die Gemeinde, für die er einst bestimmt war,  zurück. Er wird den stillen Zeugen eines Stücks polnisch-deutscher Geschichte bei einem Konzert überreichen.

„Der zurückgekehrte Kelch möge in besonderer Weise ein Friedenskelch sein“, wünscht Präses Manfred Rekowski. Denn Friede zwischen Menschen und Völkern müsse immer wieder neu gesucht und gewonnen werden. Der Abendmahlskelch der Gottliebe Liba, die Gott liebhatte, bleibt dafür ein beredtes Zeichen.

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ekir.de / Cornelia Breuer-Iff, Fotos: Marcel Kuß (2), Manfred Rekowski / 16.08.2019



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