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für den 19.04.2018

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Wiederaufbau_Kommern Eure Kirche, unsere Kirche: Beim Richtfest im Museum freut sich die Overatherin Irmgard Weyers (3.v.re.), dass der örtliche Pfarrer Christoph Cäsar (li.) ihre frühere Kirche nutzen wird.

Kirchen-Wiederaufbau

„Das versöhnt uns“

Ihr Rohbau steht wieder: Nachdem die Versöhnungskirche aus Overath im Vorjahr abgebaut und zum Wiederaufbau ins Freilichtmuseum Kommern transportiert worden ist, wurde jetzt in der Eifel das Richtfest gefeiert. Am 135. Geburtstag ihres Architekten Otto Bartning trafen sich dabei frühere und zukünftige Nutzerinnen und Nutzer.

Die Overather Kirche ist ins Museum umgezogen. Die Overather Kirche ist ins Museum umgezogen.

„Ja, natürlich erkenne ich sie wieder: Das ist unsere Kirche“, sagt Karl-Heinz Weyers. Im Freilichtmuseum Kommern in der Eifel schaut der ehemalige Baukirchmeister der Evangelischen Kirchengemeinde Overath auf Balken, Bimsstein und Holzverschalung. „Die blanken Mauersteine stören mich, aber die werden bestimmt noch verputzt“, meint der Senior. Wie er sind einige Overather Gemeindemitglieder die rund 80 Kilometer zum Museum des Landschaftsverbands Rheinland in Mechernich angereist, um ein Richtfest zu feiern. Denn nachdem ihre Versöhnungskirche des Architekten Otto Bartning im vergangenen Jahr im rheinisch-bergischen Overath abgebaut und in Einzelteilen ins Museum transportiert worden ist, steht hier nun der fertige Rohbau.

„Der Abbau tat weh“

In dieser Kirche seien ihre Enkel getauft und konfirmiert worden, erzählt im Museum die Overatherin Irmgard Weyers. „Für unsere Familie war es immer etwas Besonderes, beim Gottesdienst in diesem Haus gemeinsam das Weihnachtsfest zu feiern.“ Den Abbau des Kirchengebäudes zu beobachten, das habe schon wehgetan, sagt sie. Schmerzhaft fand das auch die ebenfalls angereiste Seniorin Rosemarie Mundil: „Immerhin bin ich 1952 in dieser Kirche konfirmiert worden.“ Der Anblick des wieder errichteten Gebäudes tröste sie nun jedoch. „Hier im Freilichtmuseum wird unsere Kirche von Fachleuten nicht nur restauriert, sondern für alle Zeiten bewahrt.“

Sie freue es vor allem, dass das Gebäude auch weiterhin einen kirchlichen Bezug haben werde, ergänzt Irmgard Weyers. Denn beim Richtfest hat sie Pfarrer Christoph Cäsar und die Vertreterinnen und Vertreter aus dem Presbyterium der örtlichen Evangelischen Kirchengemeinde Roggendorf kennengelernt. „Wir werden regelmäßig Gottesdienste in dieser Bartning-Kirche feiern“, versichert ihr Pfarrer Cäsar.

Das Gebäude müsse für diesen Gebrauch auch nicht erst wieder gewidmet werden, erklärt der Theologe. „Denn als Protestantinnen und Protestanten können wir Gott überall feiern.“ Vor kurzem habe er so bereits eine Taufe auf dem Gelände des Freilichtmuseums Kommern durchgeführt.

Im Januar begann der Aufbau, jetzt wurde Richtfest gefeiert. Im Januar begann der Aufbau, jetzt wurde Richtfest gefeiert.

„Das Haus sah viele glückliche Gesichter“

Hausherr der Kirche ist nun das Museum, dessen leitender Mitarbeiter und Architekt Carsten Vorwig die Gäste beim Richtfest an die Ursprünge des Gebäudes erinnert: „Das Haus sah viele glückliche Gesichter, als es 1951 in Overath seine Türen öffnete.“ Bis dahin hätten die Gemeindemitglieder nämlich ihre Gottesdienste verstreut in den heimischen Wohnzimmern und Küchen feiern müssen.

Das Gebäude ist eines von etwa 90 bundesweit noch erhaltenen Kirchenbauten des 1959 verstorbenen Architekten Otto Bartning. Gemeinden, deren Kirchen im Zweiten Weltkrieg zerstört und die mit den hinzugeflüchteten Protestantinnen und Protestanten stark angewachsen waren, fanden in seinen Kirchen in Fertigbauweise einen Raum für Gemeinschaft und Gottesdienst.

„Wäre das nicht was fürs Museum?"

Als die Versöhnungskirche in Overath aufgrund anstehender und teurer Sanierungsarbeiten vor allem bei der Energetik abgerissen werden sollte, hatte sich damals Susanne Bonenkamp vom Kulturbüro des Rheinisch-Bergischen Kreises eingeschaltet. „Wäre das nicht was für euch?“, schrieb sie ans Freilichtmuseum Kommern, und dessen Direktor Josef Mangold griff gleich zu. Diese Kirche füge sich nämlich wunderbar in den derzeit entstehenden „Marktplatz Rheinland“ auf dem Museumsgelände, der mit Originalbauten die Nachkriegszeit erlebbar mache, erklärt Mangold.

Nur einen Prozent der Holzkonstruktion mussten die Handwerker erneuern. Nur einen Prozent der Holzkonstruktion mussten die Handwerker erneuern.

Mit dem Errichten des Rohbaus hatten die Handwerker des Museums im vergangenen Januar begonnen. „Die Holzkonstruktion war noch gut erhalten, wir haben höchstens einen Prozent erneuern müssen“, berichtet Zimmermann Helmut Schmitz. Immerhin seien 70 Jahre für ein Denkmal ja auch kein hohes Alter, meint der Fachmann.

„Wir verstehen ihre Trauer“

„Wir fühlen mit den Overathern und können nachvollziehen, dass beim Abbau der Kirche auch Tränen geflossen sind“, meint Baukirchmeisterin Dunja Reinartz von der Roggendorfer Kirchengemeinde. Denn auch ihre Gemeinde entwidme in diesem Monat einen Kirchenraum im Mechernicher Dietrich-Bonhoeffer-Haus.

Vom Overather Ehepaar Karl-Heinz und Irmgard Weyers notiert sie sich beim Richtfest im Museum daher gleich die Adresse. „Wir laden sie und ihre Gemeindemitglieder ein, sobald wir in ihrer Versöhnungskirche einen Gottesdienst feiern“, verspricht sie. Die Overather freut das. „Es versöhnt uns mit dem Abbau“, fasst Irmgard Weyers die Gefühle zusammen.

Die Einweihung des bis dahin fertiggestellten Kirchengebäudes wird am 22. Juli 2019 im Freilichtmuseum Kommern gefeiert.

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ekir.de / Text und Fotos: Sabine Eisenhauer / 16.04.2018



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