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„Es ist so schön, für jemanden da zu sein“

Sebastian

Sebastian Müller

Sebastian Müller absolviert ein Freiwilliges Soziales Jahr in London


Er ist gerade 20 geworden, hat sein Abi in der Tasche und den Wehrdienst verweigert. Statt sechs Monaten bei der Bundeswehr hat er sich für ein so genanntes Freiwilliges Soziales Jahr entschieden – ein ganzes Jahr also. Und nicht nur das, er hat sich etwas Besonderes ausgesucht: einen Auslandsaufenthalt. In Plaistow, einem Stadtteil von London, nicht gerade als Nobelviertel zu bezeichnen, will er in einem Haus mitarbeiten, in dem Bedürftige versorgt werden. Obdachlose, Gestrauchelte, Menschen, die ihren Halt verloren haben, aber wieder auf die Beine kommen wollen.

„Helping Hands“ (helfende Hände) nennen sich die drei Franziskanerbrüder, die das Haus führen, unter Leitung von Bruder Julien. Sebastian wird bei ihnen leben und mit ihnen arbeiten. Er wird mit ihnen versuchen, den „Gästen“ wieder den Mut für das Leben zurück zu geben. Menschen mit den unterschiedlichsten Problemen, Menschen aus verschiedensten Kulturen, werden hier „angeschwemmt“, suchen Hilfe.

Warum macht man solch einen Dienst, das habe ich Sebastian Müller nach der Schilderung seiner Aufgabe gefragt. Die Antwort war lang, glaubhaft, schlüssig – und sehr authentisch. Das für einen anderen Dasein hat er schon einige Jahre praktiziert: er besucht an jedem Wochenende eine alte Dame im Altenheim „Bonne Vie“. Geht mit ihr spazieren, redet mit ihr, ist bei ihr. „Es ist so schön, für jemanden da zu sein“ sagt er, und das klingt glücklich und stolz. Außerdem wolle er „mal weg von Mama“ (klingt aber nicht böse), er findet London kulturell interessant und dass er dabei sein Englisch trainieren könne, schade in einer immer globaler handelnden Gesellschaft sicher nicht. Wohl wahr!

Den Kontakt nach London hergestellt und die Vorbereitung organisiert hat die Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR). Diese Vorbereitung war sehr intensiv: ein Orientierungstag, ein Auswahltag, ein spezielles Vorbereitungsseminar mit anderen „Friedensdienstlern“, die nach Russland, USA, Israel oder Frankreich gehen, sowie ein viertägiger Besuch bei den „Helping Hands“ in London und, als Abschluss, eine zweiwöchige Veranstaltungsreihe unmittelbar vor der Abreise Ende August- das alles gehört dazu. Auch während seines Aufenthaltes wird Sebastian Müller von der EKiR betreut.

Noch eine Hürde muss Sebastian überwinden: er muss einen Eigenanteil an der Finanzierung seines Aufenthalts in England aufbringen. Dazu ist er auf Förderer angewiesen, sucht Menschen in seiner Umgebung, die ihn finanziell unterstützen. Seine Förderer erhalten dafür von ihm regelmäßig Nachrichten über seine Arbeit und deren Hintergründe. „Das ist nicht einfach. Selbst bei Verwandten oder Freunden fällt es mir schwer, sie um Geld zu bitten“.

Nach dieser beeindruckenden Schilderung möchte ich wissen, welche Pläne er für die Zeit nach diesem Jahr in London hat. Insgeheim rechne ich mit einem Berufsziel im sozialen Bereich. Nein, in eine Fotoagentur nach Berlin wolle er, oder eventuell Bildjournalismus studieren, wenn möglich international. Er habe schon bei dem, übrigens in Rade lebenden, Fotografen in eben diese Agentur hinein geschnuppert – ja, das wäre etwas für ihn. Warum soll eigentlich ein guter Fotograf nicht auch ein guter Mensch sein, denke ich, nachdem sich meine erste Verwunderung gelegt hat.

Während Sebastian sich auf seine Aufgabe als „Helping Hand“ weiter vorbereitet, können Sie seinem Förderkreis beitreten und dann spannende, anrührende, manchmal wahrscheinlich auch traurig oder zornig machende Geschichten aus seiner Arbeit in London von ihm erzählt bekommen. Ich bin nach dem Gespräch mit ihm davon überzeugt, dass er Hoffnung und Mut auf andere übertragen kann. Er hat Ihre Unterstützung schon jetzt verdient. Wenden Sie sich an seine Mutter, Martina Müller, telefonisch unter 30658.

Wer mehr Informationen über den Freiwilligen Friedensdienst im Ausland sucht, sei auf folgende Adresse im Internet verwiesen: www.fsj-adia.de oder wenden Sie sich per Mail an friedensdienst@ekir.de

JR


 



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