Enthüllung des Mahnmals zur Erinnerung
an die Blumenthaler Synagoge
70 Jahre nach der Zerstörung

Kölner Stadtanzeiger

Zur Enthüllung in die Eifel gekommen

Von Gudrun Klinkhammer, 10.11.08, 18:08h

Margot Heuman musste die Eifel im Alter von vier Jahren verlassen. Sie enthüllte im Gedenken an die schlimmen Ereignisse ein Mahnmal am Standort der alten Synagoge.

 
Hellenthal/Blumenthal - Als Ehrengast wurde am Wochenende Margot Heuman aus den Vereinigten Staaten in Hellenthal empfangen. Begleitet wurde sie von ihrem Verwandten Egon Fromm, dessen Ehefrau Joan und Tochter Sharon. Auch Familie Fromm lebt heute in den USA, ihre Wurzeln haben aber auch sie in der Voreifel, und zwar in Euskirchen. Dort betrieben die Vorfahren ein Trikotagen-Geschäft.

Margot Heuman stand als gebürtige Hellenthalerin jedoch im Mittelpunkt der Ereignisse. Am Sonntagnachmittag enthüllte sie an der Stelle, an der in Blumenthal einst die jüdische Synagoge stand, ein rund drei Meter hohes Mahnmal. Die Zingsheimer Künstlerin Maggie Töpfer hatte das Kunstwerk zum 70-jährigen Gedenken an die Pogromnacht geschaffen. Karl Reger als Sprecher des Arbeitskreises „JudiT.H“ begrüßte ebenso wie Hellenthals Bürgermeister Manfred Ernst die gut 100 Gäste bei der Enthüllung des Mahnmals. Die Gruppe „JudiT.H“, ein lockerer Verbund von 15 Mitgliedern, stieß die Errichtung des Mahnmals an und finanzierte es auch durch Spenden.

Wortlos streifte Margot Heuman das cremefarbene Leinentuch bei der Enthüllung ab, einige Zeit blieb sie dann bewegungslos stehen und schaute durch das Glas hindurch wie in eine entfernte Welt. Egon Fromm und seine Tochter lasen Arm in Arm das jüdische Gebet „Schma Jisrael“ (Höre Israel), ihre Tränen konnten sie dabei nicht zurückhalten. Pfarrer Oliver Joswig als evangelischer Pfarrer und Lothar Tillmann als Vertreter der katholischen Kirche beteten im Anschluss daran gemeinsam einen Psalm.

Gestern Morgen wurden die Gäste dann im Rathaus empfangen. Margot Heuman bedankte sich in einer kleinen Rede bei allen Anwesenden für die große Freundlichkeit und Gastfreundschaft, die sie und ihre Mitreisenden erfahren hätten. Sie erzählte: „Als ich gestern das Denkmal enthüllte, musste ich wieder an meine Eltern und die Zeit in Hellenthal denken.“ Die Amerikanerin verließ im Alter von vier Jahren die Eifel und ging nach Bielefeld. Gemeinsam mit der Familie wurde die heute 80-Jährige in das Ghetto von Theresienstadt deportiert.

Ausgewandert

1944 wurde sie von ihrer Familie getrennt. Im April 1945 konnte Margot Heuman in Bergen-Belsen befreit werden. Ihre Mutter, ihren Vater und ihre Schwester sah sie nie wieder - sie kamen wahrscheinlich in Auschwitz um. Nach ihrer Befreiung, im Alter von 16 Jahren, wanderte Margot Heuman nach Amerika aus, wo sie später ein Chemiestudium absolvierte, arbeitete und heiratete.

Die Mitglieder von „JudiT.H“ fühlten sich durch den Besuch Heumans sehr geehrt. Ihrem Ziel, die Geschichte der Juden im Schleidener Tals aufzuarbeiten und wachzuhalten, sind sie mit dieser Aktion ein Stück näher gekommen.

 

Margot Heuman bei der Enthüllung

Kölner Rundschau

Den Eltern nahe gewesen

Margot Heuman enthüllte Mahnmal an ehemaliger Synagoge

BERNADETTE SCHEURER

und BERND KEHREN

 

HELLENTHAL. Ehrengäste aus den Vereinigten Staaten von Amerika konnten gestern Morgen Hellenthals Bürgermeister Manfred Ernst, Vertreter der Politik und des Arbeitskreises Judit.H (Geschichte der Juden im Tal Hellenthal) und den Pfarren Oliver Joswig und Lothar Tillmann empfangen. Unter ihnen Margot Heuman. Sie wurde in Hellenthal geboren und gehörte der dortigen jüdischen Gemeinde an.

Margot Heuman wurde 1944 zusammen mit ihrer Familie in das Getto Theresienstadt deportiert. Dort wurde sie 1944 von ihrer Familie getrennt und einem Zwangsarbeiterzug angeschlossen. Im April 1945 wurde Margot Heuman aus dem Konzentrationslager Bergen-Belsen befreit. Ihr Vater, ihre Mutter und ihre Schwester sind wahrscheinlich im KZ Auschwitz ermordet worden. Margot Heumann wanderte nach ihrer Befreiung im Alter von 16 Jahren nach Amerika aus. Sie lebt heute in New York.

Bereits am Sonntag wurde ihr eine besondere Ehre zuteil. In Blumenthal enthüllte sie das Mahnmal am Standort der ehemaligen Synagoge in der Schulstraße.

Bei der Gedenkfeier, zu der der Arbeitskreis Judit.H eingeladen hatte, beeindruckte das "Sh'ma Israel" ("Höre Israel"), das der gebürtige Euskirchener Egon Fromm und seine Tochter Sharon Goldstein in Hebräisch beteten, die Anwesenden tief. Fromm, der mit seiner Frau Joan und der Tochter ebenfalls aus New York gekommen war, hatte Mühe, den Text unter Tränen aufzusagen - eine Geste, die die Trauer und die Ohnmacht wohl am eindruckvollsten ausdrückte. Margot Heuman wurde auch gestern Morgen beim Besuch im Rathaus ihren jüdischen Verwandten, dem Ehepaar Joan und Egon Fromm und Tochter Sharon begleitet. "Aus meiner Sicht verbietet sich am heutigen Tag eine Rede", sagte Manfred Ernst zu Margot Neumann. "Vielmehr wollen wir heute die Gelegenheit nutzen, Sie kennen zu lernen und uns mit Ihnen zu unterhalten."

Manfred Ernst schenkte den Besuchern aus den USA einen Wappenteller der Gemeinde. Margot Heuman sprach Deutsch, wenn auch ein wenig gebrochen. Sie bedankte sich beim Bürgermeister für die Gastfreundschaft. "Es ist sehr schön, hier zu sein", sagte sie.

Margot Heuman versicherte, dass sie von der Ausstellung "Wir waren Nachbarn", die in der Hellenthaler Filiale der VR-Bank zu sehen ist und die der Arbeitskreis Judit.H zusammenstellte, sehr beeindruckt sei. Auf den Fotos habe sie viele Familienangehörige wiedererkannt. Den Vertretern der Gruppe Judit.H zollte sie besonderen Respekt für ihre Arbeit.

Die Enthüllung des Mahnmals in Blumenthal sei für sie eine "besondere Zeit" gewesen. Hier sei sie ihren Eltern, Großeltern und Geschwistern besonders nahe gewesen.

Margot Heuman wird am Mittwoch das Städtische Gymnasiums in Schleiden besuchen und mit Schülern der Jahrgangsstufe 10 und dem evangelischen Religionskurs der Stufen 8 und 9 mit dem Pfarrer Oliver Joswig über den Holocaust sprechen.