Was die liturgischen Farben bedeuten
Das Kirchenjahr, das am 1. Advent beginnt und mit dem Toten- / Ewigkeitssonntag endet, nimmt uns immer wieder neu mit auf eine Reise. Sie führt uns vorbei an Festtagen und Festzeiten und erinnert uns mit Geschichten und Symbolen an das, was wir als Christen glauben, worauf wir uns verlassen und was unsere Hoffnung ist. Dabei begegnen uns auch Farben. In vielen Kirchen sind Altar oder Kanzel mit besonderen Tüchern (Paramenten) versehen. Die Grundfarbe dieser Tücher ist ein Hinweis auf die jeweilige Kirchenjahreszeit und deren Themen und Schwerpunkte.
In manchen Gemeinden tragen Pfarrer oder Pfarrerin zu besonderen Anlässen einen weißen Talar, dazu wird eine Stola in der entsprechenden Farbe verwendet.
sind genau genommen gar keine Farben.
Aber Weiß und Schwarz weisen auf entscheidende Eckdaten des Kirchenjahres hin.
Das weiße Altar- oder Kanzeltuch weist grundsätzlich auf Jesus Christus hin. Weiß, die Farbe des Lichtes und der Klarheit, passt zu ihm, dem "Licht der Welt". Weiß ist auch die Farbe der Freude und des Himmels.
Zur Weihnachtszeit erinnert es an die Geburt Jesu und die "große Freude, die allem Volk widerfahren wird". Zu Epiphanias (6. Januar) und am letzten Sonntag nach Epiphanias, bevor die Vorpassionszeit beginnt, zeigt das Weiß die Freude über Gottes Erscheinung (Epiphanie) auf Erden in Jesus Christus an.
Von Ostern an bis zum Samstag vor Pfingsten erinnert das Weiß an das Licht des Lebens, das in der Auferstehung Jesu für alle Menschen aufgeht.
Das Fest der Heiligen Dreifaltigkeit (Trinitatis) wird am Sonntag nach Pfingsten gefeiert. Hier wird noch einmal zusammengefasst, was Gott als Schöpfer, als Sohn und Heiliger Geist den Menschen von sich selbst gezeigt hat. So haben sich Himmel und Erde berührt. Das Weiß der himmlischen Vollkommenheit ist zugleich das Weiß der Freude über Gottes Gegenwart in der Welt.
Das schwarze Altar- oder Kanzeltuch. Schwarz, die Farbe des Todes und der Trauer, der Dunkelheit und der Lebensverneinung, hat ihren Raum an Karfreitag, wenn wir uns an den Tod Jesu erinnern. Das schwarze Altartuch wird auch bei Beerdigungen aufgelegt.
Manche halten Rot für eine aggressive Farbe. "Das ist für mich ein rotes Tuch" sagen andere und meinen: Darauf reagiere ich allergisch. Das kann ich überhaupt nicht leiden.
Auf jeden Fall lässt Rot einen
nicht gleichgültig. Es ist eine herausfordernde, lebendige Farbe. Sie kann
einen Betrachter geradezu in Wallungen versetzen.
Rot ist die Farbe des Heiligen Geistes. Der lässt auch niemanden gleichgültig.
Die Pfingstgeschichte erzählt, wie der Geist Gottes die verängstigten Jünger
und Jüngerinnen Jesu verändert. Wie Feuer und Wind reißt er sie mit, macht
sie begeisterungsfähig und verleiht ihrem Glauben ansteckende Überzeugungskraft.
So wächst christliche Gemeinde.
An Pfingsten ist deshalb natürlich Rot die liturgische Farbe.
Aber auch andere Festtage, die mit Gottes lebendigem Geist und der daraus lebenden Gemeinde und Kirche zu tun haben, werden von der Farbe Rot angezeigt: der Reformationstag am 31. Oktober zum Beispiel oder auch Konfirmationen.
Diese Farbe begegnet im Laufe des Kirchenjahres am häufigsten: an allen Sonntagen nach Epiphanias bis zum Beginn der Passionszeit sowie den Sonntagen nach dem Trinitatisfest. Die Zahl dieser Sonntage schwankt von Jahr zu Jahr abhängig vom sich jeweils verschiebenden Osterfest, insgesamt liegt sie bei 32, manchmal bei 33.
Grün als Farbe spricht für sich. Es symbolisiert vor allem das aufkeimende, wachsende und sich entfaltende Leben, aber auch die sprichwörtliche Hoffnung.
Das lilafarbene Altartuch begegnet uns immer dann im Kirchenjahr, wenn es um Zeiten der Besinnung und der inneren Einkehr geht, aus denen eine Erneuerung der Lebenspraxis hervorgehen soll.
Lila begleitet uns durch die Passionszeit. In diesen sieben Wochen bis Ostern wird besonders der Passion, des Leidens Jesu gedacht.
Ebenso sind die Adventswochen von der Farbe Lila geprägt, waren sie doch ursprünglich neben den Passionswochen die zweite große Fastenzeit im Jahr, in der sich die Menschen auf das Fest der Menschwerdung Gottes vorbereiten sollten
Darüber hinaus ist Lila auch die Farbe des Buß- und Bettages, der wie das Wort Buße schon sagt - ebenfalls zu Besinnung und Umkehr aufruft: den und die Einzelnen wie die Gemeinschaft.