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Zur Geschichte
der Evangelischen
Kirchengemeinde
Setterich-Siersdorf
Bis in die
zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurden die sehr wenigen
evangelischen
Christen in unserem Gebiet von den nächstliegenden Gemeinden
Geilenkirchen-Hünshoven und Jülich aus betreut. Zur Gemeinde
Geilenkirchen-Hünshoven gehörten Loverich, Floverich,
Puffendorf, Baesweiler
und Beggendorf, während Setterich und Siersdorf zur Gemeinde
Jülich zählten.
Als durch den aufkommenden Bergbau immer mehr Evangelische nach
Baesweiler und
Umgebung zogen, entstand aus Teilen der Gemeinden Geilenkirchen und
Lürken/Vorweiden 1927 die Kirchengemeinde Alsdorf-Baesweiler,
deren Pfarrer
von Alsdorf aus auch die Evangelischen in und um Baesweiler zu betreuen
hatte.
Nachdem zum 1.1.1935 Setterich aus dem Landkreis Jülich in den
Kreis
Geilenkirchen wechselte, wurden im Jahr 1936 die Orte Setterich und
Siersdorf
aus der evangelischen Kirchengemeinde Jülich in die
Kirchengemeinde
Alsdorf-Baesweiler umgemeindet. Dies lag sicherlich auch daran, dass im
Oktober
1927 die Friedenskirche in Baesweiler eingeweiht wurde und der Weg nach
Baesweiler erheblich kürzer als der nach Jülich war.
Während im noch rein
ländlich geprägten Setterich und den kleineren Orten die Zahl
der Evangelischen
zunächst sehr gering blieb, wuchs sie in Siersdorf nach dem Beginn
der
Abteufarbeiten für die dort vom Eschweiler Bergwerksverein (EBV)
geplante Grube
„Emil Mayrisch“ im Jahr 1938 von unter zehn auf ca. 40 an.
- Nach dem 2.
Weltkrieg wuchs die Gemeinde Alsdorf-Baesweiler durch den weiteren
Zuzug von
Bergleuten und Flüchtlingen stark an, wobei viele der Bergleute
ebenfalls
Flüchtlinge waren.
So bekam
Baesweiler 1950 dann auch eine eigene Pfarrstelle, die bis 1962 mit
Pfarrer
Karl Gursky besetzt wurde. Er verstarb im Jahr 1982 und wurde auf dem
Settericher Friedhof beigesetzt.
- Im Jahr 1952
begann die Förderung auf „Emil Mayrisch.“ Die ersten Bergleute
wurden in zwei
Neubaugebieten in Siersdorf untergebracht. Im gleichen Jahr mietete die
evangelische Gemeinde deshalb das alte Schulgebäude in Siersdorf
an, um hier
einen provisorischen Gottesdienstraum einzurichten.
Bedingt durch
den weiterhin stetigen Zuzug in Baesweiler und Siersdorf wurde die Ev.
Gemeinde
Baesweiler im Jahr 1953 eigenständig.
- Die weiteren
Planungen des Eschweiler Bergwerksvereins (EBV) für den
Wohnungsbau für die
Grube „Emil Mayrisch“ sahen vor, dass die Bergleute zum
größten Teil in
Setterich und in Aldenhoven wohnen sollten, während in Siersdorf
überwiegend
die Steiger angesiedelt wurden.
So zogen ab dem
Sommer 1954 zahlreiche evangelische Familien, darunter viele
Flüchtlinge aus
Siebenbürgen und Schlesien, in die neu erbaute Bergmannssiedlung in
Setterich,
wo bis dahin nur sehr wenige Evangelische lebten. Diese große
Zuzugswelle
erforderte auch die kurzfristige Gründung einer evangelischen
Volksschule, die
bereits zum Schuljahrsbeginn 1954/55 den Unterricht aufnahm. Erster und
einziger Rektor war Horst Kalle, zur damaligen Zeit der jüngste
Schulleiter in
Nordrhein-Westfalen. Wie fast alle Schulen in evangelischer
Trägerschaft wurde
auch diese Schule gegen Ende der 60er Jahre in eine
Gemeinschaftsgrundschule -
die heutige Andreasschule - und eine Gemeinschaftshauptschule - die
Lessingschule im Gebäude der ev. Volksschule -
überführt.
- Obwohl die
katholische Kirchengemeinde St. Andreas in großzügiger Weise
ihre Notkirche
auch für evangelische Gottesdienste zur Verfügung stellte,
gab die Zahl der
Gemeindeglieder Anlass, baldmöglichst eine eigene Kirche in
Setterich zu
errichten. Wie nötig dies war, wird auch daran deutlich, dass die
Weihnachtsgottesdienste 1954 im Saal der Gaststätte Werden
gefeiert wurden,
weil an diesen Tagen die Notkirche komplett belegt war.
Bereits in den
Jahren 1954/55 begann die Gemeinde mit den Planungen für eine
Kirche in
Setterich. Die sehr dürftige Finanzlage der Gemeinde
verzögerte den Bau
allerdings um einige Zeit. So wurde erst am 16. September 1956 inmitten
der
Bergmannssiedlung der Grundstein für die Gnadenkirche mitsamt
Pfarrhaus gelegt.
Als Architekt wurde Prof. F.G. Winter aus Krefeld durch die
Kirchenleitung
empfohlen. Am Bau beteiligten sich die recht mittellosen
Gemeindeglieder nicht
mit Spenden, sondern durch über 10.000 Arbeitsstunden. Auch der
zuerst geplante
Glockenturm wurde durch einen 23m hohen Stahlträger mit Kreuz
ersetzt. Die fünf
kleinen Glocken der Gnadenkirche hängen deshalb im Dachstuhl der
Kirche, was
sicherlich nicht die optimale Lösung darstellt.
Zudem wurde
1957 eine zweite Pfarrstelle für die Gemeinde Baesweiler mit Sitz
in Setterich
eingerichtet. Erster evangelischer Pfarrer in Setterich wurde Werner
Lenke. Er
bezog mit seiner Familie im Spätsommer 1957 das neu erbaute
Pfarrhaus.
Die
Gnadenkirche wurde am 23. Februar 1958 eingeweiht. Sie umfasste den
eigentlichen Kirchenraum mit ca. 250 Plätzen sowie drei
Gemeinderäume. Schon
bald erwies sich der Kirchenraum als zu klein, da sich vor allem die
aus
Siebenbürgen stammenden Gemeindeglieder durch regen Kirchgang
auszeichneten.
Daher wurde die Kirche schon im Sommer 1964 umgebaut: Durch Wegfall der
meisten
Gemeinderäume und den Einbau einer Empore erhielt die Kirche ihre
heutige
Gestalt mit etwa 420 Plätzen. Im Zuge des Umbaus entstand auch ein
eigenes
Gemeindebüro, was durch die Verselbständigung der Gemeinde
nötig wurde. Denn
zum 1.7.1964 teilte sich die Evangelische Kirchengemeinde Baesweiler in
die
beiden noch heute bestehenden Gemeinden Baesweiler und
Setterich-Siersdorf mit
je einer Pfarrstelle. Zur Gemeinde Setterich-Siersdorf gehörten
die Orte
Setterich, Loverich, Floverich, Puffendorf, Bettendorf und Siersdorf,
wo sich
die zweite Kirche der Gemeinde befindet. Der Ort Bettendorf wurde zu
Beginn der
achtziger Jahre in die Kirchengemeinde Alsdorf umgemeindet, da
Bettendorf nach
der kommunalen Gebietsreform 1972 zu einem Stadtteil Alsdorfs wurde.
Durch den Umbau
der Gnadenkirche wurde der Bau eines Gemeindezentrums dringend
erforderlich, da
die Gemeinde jetzt keine Räume mehr für ihre Gruppen und
Kreise hatte.
- In Siersdorf
begann die Gemeindearbeit, wie bereits erwähnt, 1952 mit der
Anmietung der
alten Schule in der Fronhofstr. als Notkirche. Kurz darauf
gründete sich ein
rühriger Kirchbauverein, der nicht nur zahlreiche Spenden
sammelte, sondern
auch bei der Kommunalgemeinde und dem EBV unermüdlich auf die
Notwendigkeit
eines Kirchbaus hinwies. Nachdem sich die Zahl der Evangelischen in
Siersdorf
allmählich der 1000er Marke näherte und 1960 der Eschweiler
Bergwerksverein der
Kirchengemeinde ein Grundstück von ca. 2500m² schenkte,
begann im Herbst 1961
der Bau der Erlöserkirche. Architekt war Prof. Otto Gercke aus
Stolberg, der in
den 50er und 60er Jahren viele Kirchen in der Region um Aachen plante.
Im
Oktober 1962 wurde die Kirche eingeweiht; 1963 kamen die drei Glocken
in den
Turm, 1966 konnte die Orgel eingeweiht werden (10 Register, 2 Manuale;
Orgelbaumeister Wilbrand aus Übach-Palenberg).
1993 wurde ein
dringend notwendiger Anbau an die Kirche mit Küche, Gruppenraum
und einem
kleinen Mehrzweckraum fertig gestellt. Auch die Toilettenanlage konnte
dabei
erweitert werden.
Die neben der
Kirche liegende Wiese von ca. 1600m², auf der zunächst
Pfarrhaus, Kindergarten
und / oder Jugendheim vorgesehen war, ist hingegen über 40 Jahre
nach der Grundstücksschenkung
noch nicht bebaut.
Dies liegt
daran, dass zunächst keine finanziellen Mittel für
Kindergarten oder Jugendheim
vorhanden waren. Später gab es schlichtweg keinen Bedarf, denn
für die Größe
des Ortes reichte der bereits vorhandene katholische Kindergarten und
das
kreiseigene Jugendheim völlig aus. An eine zweite Pfarrstelle
für die Gemeinde
war sowieso nicht zu denken, auch wenn es zu Beginn der achtziger Jahre
Überlegungen gab, eine solche Stelle mit der Seelsorge für
die damals in
Linnich stationierte Bereitschaftspolizei zu kombinieren.
- Im Jahr 1962
wechselte Pfarrer Gursky auf die Stelle des evangelischen
Militärseelsorgers
für Aachen und Umgebung. Sein Nachfolger wurde Pfarrer Wilfried
Pluntke,
welcher der evangelischen Gemeinde Baesweiler bis 1996 vorstand und bis
zur
Gemeindeteilung 1964 auch die Gemeindeglieder in Siersdorf mitbetreute.
- Bereits 1963
wurde der evangelische Kindergarten Setterich in der
Hans-Böckler-Str. als
erster Kindergarten des Ortes eröffnet. Bis heute trägt die
Einrichtung mit
ihren bis zu 95 Plätzen erheblich zur Bedarfsdeckung in Setterich
bei.
Um auch die
Betreuung der zahlreichen Kinder im Grundschulalter nach der Schule zu
ermöglichen, wurde die Konzeption des Kindergartens 1998
verändert: Anstelle
von fünfzehn Kindern im Kindergartenalter werden nun zehn Kinder
im Alter von
sieben bis 14 Jahren betreut.
Im Jahr 2006
wurde der Kindergarten im Zuge der allgemeinen Umstellung des
vorschulischen
Bildungssystems zum Familienzentrum „Aktion Engel-Haus“.
- Zu Beginn der
sechziger Jahre befand sich die Gemeinde in einer großen
Wachstumseuphorie,
bedingt durch die enorm kinderreiche Bevölkerung Setterichs und
die Absicht,
auf der Zeche Emil Mayrisch in Siersdorf die Belegschaft in den
nächsten Jahren
stark erhöhen zu wollen. Immerhin erbrachte Emil Mayrisch zu
dieser Zeit die
höchste Tagesförderleistung Europas und die geschätzten
Kohlevorräte hätten bei
gleicher Fördermenge noch für mehr als 100 Jahre ausgereicht.
Auch die
damaligen Wachstumsträume der Kommunalpolitiker veranlassten die
Kirchengemeinde zum Handeln: So sollte Setterich nach diesen Visionen
um 1980
etwa 12.000 Einwohner haben; Siersdorf zum gleichen Zeitpunkt etwa
7.000.
Aus den
damaligen Plänen zum Bau von weiteren Kirchen, bzw.
Gemeindehäusern in der
(damals viel größer geplanten) Siedlung Ost in Setterich
sowie in Loverich ist
glücklicherweise nichts geworden; eine solch große Zahl von
Gebäuden wäre heute
finanziell nicht mehr tragbar.
Jedoch begann
man nach dem Umbau der Gnadenkirche 1964 im folgenden Jahr mit dem Bau
des
Gemeindezentrums in Setterich neben der Kirche, das von vornherein
recht
großzügig angelegt war, sollte es doch verschiedenen
Aufgaben dienen und das
erwartete Wachstum der Gemeinde verkraften können. Neben den
obligatorischen
Räumlichkeiten für Konfirmandenunterricht, Frauenhilfe usw.
enthielt das Haus
Räume für ein Jugendheim der teiloffenen Tür, eine
Altentagesstätte, einen
großen Saal sowie in einem Teil des Kellers Räume für
die siebenbürgische
Landsmannschaft, finanziert vom Land Nordrhein-Westfalen. Der von
einigen
jagdbegeisterten Presbytern ursprünglich gewünschte
Schießstand wurde dann doch
in eine Kegelbahn umgewandelt. Auch wenn das Gebäude inzwischen
für die kleiner
gewordene Gemeinde fast zu groß ist, so war es zur damaligen Zeit
wohl
angemessen, vor allem wenn man die kommunalen Ausbaupläne bedenkt.
- 1967 wechselte
Pfarrer Lenke auf eine Pfarrstelle in Wuppertal-Ronsdorf. Zur
Vakanzverwaltung
wurde als kommissarischer Presbyteriumsvorsitzender Pfarrer Ulrich
Peemöller
aus Aachen berufen. Für das eigentliche pfarramtliche
„Tagesgeschäft“ wurde
Erhard Goeken als Pastor im Hilfsdienst eingesetzt. Nach seiner
Wahlfähigkeit
wurde er im Frühjahr des Jahres 1968 als Pfarrer der Gemeinde
gewählt.
Allerdings verließ er Setterich schon nach vier Jahren, um seinen
Lebensweg in
der Kirchengemeinde Kornelimünster-Zweifall fortzusetzen. Zu
Beginn der kurzen
Amtszeit von Pfarrer Goeken war das Gemeindezentrum endlich fertig. Die
lange
Bauzeit von drei Jahren lag daran, dass die Finanzierung eines solch
großen
Baus für die arme Gemeinde Setterich-Siersdorf nur schwer zu
bewerkstelligen
war. So musste in mehreren Abschnitten und mit manchen Eigenleistungen
der
Gemeindeglieder gebaut werden.
Mit der
Eröffnung des Gemeindezentrums wurde auch die Stelle eines
hauptamtlichen
Diakons, bzw. Jugendleiters eingerichtet. Diese Stelle zeichnete sich
nach
einigen Jahren erfolgreicher kontinuierlicher Arbeit ab ca. 1975 vor
allem
durch einen regen Wechsel der Stelleninhaber aus. Zeitweise blieb die
Stelle
auch für mehrere Jahre unbesetzt.
Nicht unerwähnt
bleiben sollte hier, dass der erste Diakon, Karl-Heinz Schnecker, und
der
damalige Küster, Franz Pirrung, eine Ortsgruppe der
Johanniter-Unfallhilfe ins
Leben riefen. Nachdem diese für einige Jahre ihre Einsatzzentrale
im Keller des
Gemeindezentrums hatte, zog man in ein eigenes Gebäude am anderen
Ende
Setterichs um.
Da die
Fahrzeughalle mit der vollständigen Übernahme des
Rettungsdienstes in
Baesweiler durch das Rote Kreuz überflüssig wurde, zog das
Büro der Settericher
Johanniter im Jahr 2005 wieder zurück ins Gemeindezentrum.
- Im Sommer 1972
wurde Karl-Heinz Illian als dritter Pfarrer der Gemeinde
eingeführt. In dem
Jahrzehnt seines Wirkens in Setterich-Siersdorf wurde vor allem die
Jugendarbeit nochmals intensiviert, wobei Pfarrer Illian oft selbst
zusammen
mit der Gemeindeamtsleiterin Ilse Zimmer die Rolle des fehlenden
Jugendleiters
übernahm. Vielen sind die damaligen Bootstouren auf der Mosel und
in
Südfrankreich noch gut in Erinnerung.
Außerdem
begannen 1977 die seitdem alle zwei Jahre in Setterich stattfindenden
Gemeindefeste,
deren Erlös zunächst für die Anschaffung einer dem
Kirchenraum der Gnadenkirche
angemessenen Orgel angespart wurde. Das seit der Einweihung vorhandene
Orgelpositiv überzeugte weder vom Klang, noch hatte es eine
für den Kirchenraum
ausreichende Größe.
Pfarrer Illian
wechselte nach zehn Jahren im Frühjahr 1982 auf eine Pfarrstelle
nach
Essen-Katernberg, was vor allem von der Jugend sehr bedauert wurde.
Ihm folgte noch
im gleichen Jahr Pfarrer Hartwig Ratsch. In seine Amtszeit fällt
vor allem eine
Verstärkung der Seniorenarbeit, während die Jugendarbeit
etwas in den
Hintergrund trat.
Im Jahr 1985
wurde schließlich die neue Orgel der Gnadenkirche (2 Manuale, 16
Register),
erbaut von der Orgelbaufirma Schumacher aus Baelen bei Eupen,
eingeweiht. Die
Anschaffungskosten von etwa 180.000 DM wurden fast ausschließlich
durch den
Erlös der Gemeindefeste sowie durch Spenden aufgebracht.
Größter Spender war -
mit einem Betrag von 15.000 DM - die Stadt Baesweiler.
Nach
zahlreichen Altpapiersammlungen durch junge Gemeindeglieder konnte vom
Verkaufserlös
im Jahr 1990 ein Kleinbus angeschafft werden, der auch Rollstuhlfahrer
transportieren kann.
- Im Herbst 1992
wurde Pfarrer Ratsch durch die Kirchenleitung beurlaubt. Er verstarb im
Sommer
1993 bei einem Verkehrsunfall.
Die Beurlaubung
des Pfarrers löste in der Gemeinde heftige Wirren aus, in deren
Zuge das
Presbyterium im Januar 1993 geschlossen zurücktrat. Daraufhin
setzte der
Kreissynodal-Vorstand einen Bevollmächtigtenausschuss (BVA) ein,
um die
Gemeinde vorerst zu leiten. Vorsitzender und gleichzeitiger
Vakanzverwalter
wurde Pfarrer Christian Fischer aus der Nachbargemeinde Merkstein. Zu
den
Aufgaben des BVA gehörte unter anderem auch die Wiederbesetzung
der
Pfarrstelle. Zu diesem Zweck wurde ein Ausschuss aus durch die
Streitigkeiten
um Pfr. Ratsch unbelasteten Gemeindegliedern und Mitgliedern des BVA
einberufen. Nach einem mehrmonatigen Bewerbungsverfahren wurde die
Stelle dann
im September 1994 mit dem Pfarrerehepaar Kirsti Greier und Gernot
Ratajek-Greier besetzt.
- Die Schließung
der Zeche Emil Mayrisch im Dezember 1992 und der damit verbundene
Verlust von
über 3000 Arbeitsplätzen wurde von der Gemeinde weder
diakonisch noch in der
Öffentlichkeit begleitet. Dies liegt wohl in den internen Querelen
der Gemeinde
– man war viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt!
Eine Folge der
Zechenschließung war ein starker Rückgang der
Gemeindegliederzahlen von fast
3000 zu Beginn der achtziger Jahre auf 2350 im Jahr 1997. Mit diesem
Rückgang
war natürlich auch eine massive Schwächung der gemeindlichen
Finanzkraft
verbunden. So konnte die Jugendleiterstelle nach dem Weggang des
bislang
letzten Jugendleiters, Klaus Meurer, 1995 nicht wieder besetzt werden;
die
Stundenzahl im Reinigungs- und Verwaltungsbereich wurde reduziert;
notwendige
Renovierungs- und Sanierungsmaßnahmen an den Gebäuden
mussten etappenweise
erfolgen.
- 1998 wurde der Rückgang der Gemeindegliederzahlen
weitgehend gestoppt. Dies lag einerseits an zahlreichen Neubauten von Ein-
und Zweifamilienhäusern im Gemeindegebiet – die Region wird allmählich zu
einem Einfamilienhausvorort Aachens. Andererseits wurden viele Wohnungen
und Häuser der im Ruhestand lebenden Bergleute frei, zum Teil durch
Wegzug, zum Teil durch den Tod der Bewohner. Diese Häuser werden oft von
Familien bezogen, denen die Immobilienpreise näher an Aachen zu hoch sind.
Selbst Familien aus den Großräumen Köln und Düsseldorf siedeln sich
vereinzelt im Raum Baesweiler/ Aldenhoven an. Dies bedeutet auch eine
allmähliche soziale Umschichtung der Gemeinde von der Bergmannsgemeinde
hin zur Mittelschicht. Die wenigen im Gemeindegebiet lebenden Bauern sind
sowieso alle katholisch, wie fast alle Familien, die vor 1950 bereits in
Setterich und Umgebung lebten.
Der inzwischen
14 Jahre alte Gemeindebus musste im Herbst 2004 ohne Ersatzbeschaffung
verkauft
werden. Die Unterhaltskosten waren höher als der Nutzen des
Fahrzeugs.
- Zu erwähnen ist
noch, dass die Gemeinde zwei Partnergemeinden hat. Die eine ist seit
den frühen
60er Jahren Münchehofe, südöstlich von Berlin gelegen;
die andere ist seit den
80er Jahren Bistritz im Norden Siebenbürgens. In beiden Gemeinden
hat sich in
den 90er Jahren - bedingt durch die großen politischen
Umbrüche in Osteuropa -
ein erheblicher Wandel vollzogen. Leider war die Gemeinde in
Setterich-Siersdorf zu sehr mit den eigenen Problemen belastet, als
dass sie
diesen Wandel mit Rat und Hilfe hätte begleiten können. So
bestanden beide
Partnerschaften aus gelegentlichen Besuchen und kleineren
Finanzspritzen aus
Setterich.
- Die
Partnerschaft zu Münchehofe ist in den Jahren 1998/99 völlig
zum Erliegen
gekommen, während sich die Verbindung nach Bistritz zunächst
etwas intensiviert
hatte. Doch da das Pfarrerehepaar Hamrich aus Bistritz
inzwischen nach Deutschland übergesiedelt ist
und der langjährige Kontaktmann unserer Gemeinde, Hansheinz
Graffi,
gesundheitsbedingt sein Wirken einstellen musste, ruhen derzeit auch
hier die
Kontakte.
Gernot
Ratajek-Greier
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