Militärbischof Dr. Martin Dutzmann
Vortrag in Bell
"Das Ziel ist der gerechte Frieden"
25 Jahre nach der großen Friedensdemonstration in Hasselbach sprach der Militärbischof der EKD, Dr. Martin Dutzmann, in Bell über die Friedensethik vor dem Hintergrund der aktuellen Politik.„Das Ziel muss der gerechte Frieden sein“, machte Martin Dutzmann gleich zu Beginn klar. Nach dem 2. Weltkrieg habe der Ökumenische Rat der Kirchen betont, dass nach Gottes Willen Krieg nicht sein solle. „Dies gilt nach wie vor, doch heute müssen wir stärker die Vision des Friedens in den Blick nehmen“, forderte er. Es sei wichtig, dass wieder mehr für den Frieden getan werde. „Das dies so ist, das wussten die Menschen im Hunsrück vor 25 Jahren. Aber heute ist das für viele leider nicht mehr selbstverständlich“, so der Militärbischof.
Militärische Gewalt könne nur die Ultima Ratio sein, aber auch dann behalte das Zivile den Vorrang, machte Martin Dutzmann deutlich. Das gelte auch für den Einsatz in Afghanistan. „Vieles ist sicher nicht gut in Afghanistan, aber es gibt durchaus auch positive Ansätze“, so der Theologe. Es gebe Hoffnung für das Land, aber es sei eine Hoffnung auf dünnem Eis. Dutzmann: „Wer glaubt, nach einem Abzug herrsche in Afghanistan unverzüglich Frieden, der irrt.“ Jede ethische Entscheidung müsse auch die Folgen bedenken, warnte er. Und der Militärbischof betonte, dass auch die Soldaten in diesem Konflikt bei ethischen Fragen Unterstützung sowohl der Kirche als auch der Gesellschaft bräuchten. Doch eins sei ebenso klar: „Der Frieden kann nicht militärisch gewonnen werden.“
Deutliche Worte von Martin Dutzmann vor rund 60 Zuhörern, darunter auch viele Mitglieder der Hunsrücker Friedensbewegung und der Bundeswehr. „Das ist sicher eine differenziertere Sicht als sie viele in der Kirche noch vor 25 Jahren hatten“, meinte der frühere Beller Pfarrer August von Dahl, einer der Protagonisten der Hunsrücker Friedensbewegung. Doch manche forderten mehr: „Wäre es nicht vielmehr Aufgabe der Kirche, zu ermutigen, der Gewaltfreiheit Christi nachzufolgen?“, fragte der Simmerner Schulpfarrer Helmut Siebert.
„Die Gewaltfreiheit Jesu ist sicher ein Stachel in der Militärseelsorge und auch bei Soldaten“, räumte Martin Dutzmann ein. Gewalt sei nicht zu legitimieren. „Aber wenn ich diesen Weg konsequent gehe, muss ich dann nicht auch in Kauf nehmen, dass Menschen Gewalt angetan wird? Und muss ich das dann nicht auch verantworten, weil ich nichts getan habe?“, so der Militärbischof. Es gebe leider keine leichte Antworten auf schwere Fragen.
Dennoch hält er das Engagement von Menschen für den Frieden für erforderlich und wichtig in der Gesellschaft. „Ich würde mir wünschen, dass sich die Friedensbewegung wieder mehr und deutlicher zu Wort melden würde“, bekannte Dutzmann in Bell.
„Dieser Abend hat gezeigt, dass es wichtig ist, dass wir in unserer Gesellschaft wieder über diese Fragen diskutieren. Nicht plakativ und provokativ, sondern nachdenklich und offen“, betonte Superintendent Horst Hörpel. Darum habe der Kirchenkreis Simmern-Trarbach diese Veranstaltungsreihe zur Friedensethik initiiert. „Und der Auftakt in Bell war gut“, so Hörpel.
Dieter Junker
18.08.2011
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