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Das Grab von Paul und Margarete Schneider in Dickenschied
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Das Grab von Paul und Margarete Schneider in Dickenschied

Dickenschied 

"Ein Leuchtturm in der Geschichte der Kirche"

War der 1939 ermordete Hunsrücker Pfarrer Paul Schneider Fanatiker, war er Widerstandskämpfer oder ist er ein Heiliger? Mit dieser Frage beschäftigte sich die Mitgliederversammlung der „Pfarrer-Paul-Schneider-Gesellschaft“, die in Dickenschied tagte.

Für den Koblenzer Kirchenhistoriker Dr. Thomas-Martin Schneider, der Hauptreferent des Treffens, war dabei eins klar: „Paul Schneider ist ein Leuchtturm in der Geschichte der Kirche. Er ist seiner Sache treu geblieben und verdient alle Anerkennung und alle Erinnerung, denn davon lebt die Kirche Jesu Christi.“

Thomas-Martin Schneider, Privatdozent und Akademischer Direktor an der Universität Koblenz-Landau, betonte in Dickenschied allerdings auch, dass bis heute die Kirchen, Historiker und auch einzelne Gruppen immer noch über die Rolle und die Person des „Predigers von Buchenwald“ uneins sind. In der früheren DDR sei er als antifaschistischer Widerstandskämpfer geehrt, gleichzeitig aber auch von DDR-Regimekritikern angenommen worden. Die römisch-katholische Kirche ehre ihn als „christlichen Märtyrer“, eine Basilika in Rom zeige ihn auf einer Ikone, so der Historiker.

Missionarische Gruppen würden immer wieder sein entschiedenes Christentum betonen, für manche Historiker sei er ein christlicher Märtyrer, andere sprechen ihm dies ab. Strittig ist bei manchen auch die Frage, wie politisch das Wirken Paul Schneiders war. Eins war für Thomas-Martin Schneider dabei klar: „Paul Schneider passt nicht einfach in eine Schublade, er lässt sich nicht einfach so vereinnahmen, obwohl das immer wieder versucht wurde und wird.“

Angesichts dessen sprach sich der Kirchenhistoriker dafür aus, dass möglichst bald eine vollständige Erschließung und wissenschaftliche Edition der Texte von Paul Schneider erfolge, da bisher nur ein Bruchteil der Quellen auch veröffentlicht sei. Auch in den Arbeits- und Unterrichtsmaterialien für Schulen, Gemeinden und Erwachsenenbildung müsse diese unterschiedliche Rezeption dargestellt werden, „damit man dem wirklichen Paul Schneider auf die Spur kommt“, so Schneider. Und wichtig sei, dass die evangelische Kirche eine eigene Gedächtniskultur aufbaue. „Hier gibt es große Defizite“, bilanzierte er.  Hier könne auch die Pfarrer-Paul-Schneider-Gesellschaft eine wichtige Aufgabe übernehmen.

Der ehemalige Dickenschieder Pfarrer Gerd Westermeyer forderte dabei, auch die Rolle seiner damaligen Gemeinde zu berücksichtigen. „Er war hier wahrlich ein guter Hirte“, so Westermeyer. Und der heutige Pfarrer Dietrich Benninghaus betonte: „Auch Margarete Schneider und ihre Arbeit darf nicht vergessen werden.“

Zwei Tage trafen sich die Mitglieder der Gesellschaft in Dickenschied, darunter auch die vier noch lebenden Kinder von Paul Schneider und viele Familienangehörige. Die Familie zeigte sich betroffen, dass vor einiger Zeit die Bronzetafeln auf der Gedenkstele, zum 100. Geburtstag von Paul Schneider 1997 im ehemaligen Pferdsfeld, seinem Geburtsort, aufgestellt, vor kurzem gestohlen wurden. „Das tut weh“, so Paul-Hermann Schneider, der aus den USA nach Dickenschied gekommen war. Und sein Bruder Karl Adolf Schneider meinte: „Das hat uns schon erschrocken.“

Bereits jetzt wirft die Pfarrer-Paul-Schneider-Gesellschaft den Blick nach vorne auf 2014, wenn sich die Ermordung des Hunsrücker Pfarrers zum 75. Mal jährt. „Wir wollen Schulen ermutigen, in Arbeiten sich mit Paul Schneider zu beschäftigen und sein Wirken zu thematisieren“, so Pastorin Elsa-Ulrike Ross (Weimar), die Vorsitzende der Gesellschaft, in Dickenschied.

Dieter Junker


Hintergrund: Pfarrer-Paul-Schneider-Gesellschaft

Die Pfarrer-Paul-Schneider-Gesellschaft wurde am 11. Mai 1997 im Beisein von Margarete Schneider in Weimar gegründet. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, das Vermächtnis und Glaubenszeugnis des Hunsrücker Pfarrers, der 1939 im KZ Buchenwald ermordet wurde, wach zu halten und zu pflegen. Der Gesellschaft, die ihren Sitz in Weimar hat, gehören derzeit 216 Mitglieder an.
www.paul-schneider-gesellschaft.de


29.08.2011


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