JOHANNESKIRCHE SAARBRÜCKEN

AUSSTELLUNGEN 25.11.2007

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Woche der Telefonseelsorge Saar
Geschenke Gottes, Heilkräuter aus dem Klostergarten der Reichenau“
Seelenbretter

Rückblick Stoll - Wachall
Fotoausstellung Göttelborn
Das Russlands - Deutsche Haus
-  Svenja Ritter, Kirchhofrosen

 

 

Im Jahr 2009 hat die Evangelisch-katholische Telefonseelsorge im Saarland eine Steigerung der Anrufe um 50 Prozent festgestellt.
Viele Anruferinnen und Anrufer leiden an psychischen Erkrankungen. Sie fühlen sich den heutigen Rahmenbedingungen in unserer Gesellschaft hilflos ausgeliefert,
haben das Gefühl, an ihrer Situation nichts ändern zu können.
Um diese Problematik in die Öffentlichkeit zu tragen,fand eine„Woche der Telefonseelsorge“ in der Saarbrücker Johanneskirche statt..
„Wir wollen den Besucherinnen und Besuchern einen Einblick in die Arbeit der Telefonseelsorge geben und gleichzeitig für die Themen sensibilisieren,
mit denen wir uns tagtäglich auseinandersetzen: Einsamkeit, Gewalt oder etwa Partnerschaftsprobleme“, sagt Volker Bier, evangelischer Leiter der Einrichtung.
Rund 28 000 Mal im Jahr klingelt das Telefon bei der Telefonseelsorge. In fast 18 000 Gesprächen erleben die rund 80 ehren- und hauptamtlichen Berater
Menschen in ihrer aktuellen, oft langjährigen Not.

In der Apsis der Johanneskirche war eine Installation von Jean-Luc Cornec zu sehen:
Eine kleine Gruppe von Schafen, deren Wolle, Beine und Köpfe aus gelockten Telefonkabeln, Telefonhörern und Telefongehäusen besteht.
„Diese überraschende Kombination von Elementen und Systemen lässt eine Vielfalt von Phantasien entstehen zum Thema Schafe und Telefon“, sagt Bier.
Installation von Jean-Luc Cornec
Aus einer kleinen Gruppe von Schafen besteht diese Arbeit, deren Wolle, Beine und Köpfe aus gelockten Telefonkabeln, Telefonhörern und Telefongehäusen besteht.
Eine überraschende Kombination von Elementen und Systemen lässt eine Vielfalt von Phantasien entstehen zum Thema "Schafe und Telefon".
www.cornec.de


 

Ausstellung „Geschenke Gottes, Heilkräuter aus dem Klostergarten der Reichenau“

Fotos: R. Eichholz

Nach dem großen Erfolg der Ausstellung „Pflanzen der Bibel“ im vergangenen Jahr, die etwa 2500 Interessierte besuchten,
haben sich die Organisatoren zu einer Fortsetzung ihrer erfolgreichen Zusammenarbeit entschlossen :
vom 7.08.- 15.08.2010 stand der Hortulus des Walahfrid Strabo im Mittelpunkt einer Heilkräuter-Ausstellung.
Die Besucher und Besucherinnen betraten die Kirche und wurden überrascht von einem streng gegliederten begehbaren Klostergarten
und einem zauberhaft beleuchteten Baumarrangement in der Apsis der Kirche.


Walahfrid Strabo, der Abt des Klosters auf der Insel Reichenau am Bodensee verfasste um 840 eine Schrift über den Gartenbau.
Darin schildert er nicht nur die Wirksamkeit der verschiedenen Heilkräuter, sondern besingt auch ihre Schönheit und ihren Wuchs in liebevollen Gedichten.
In diesen Gedichten ist spürbar, dass Walahfrid die 24 Heilkräuter seines Hortulus sehr intensiv beobachtet hat und ein leidenschaftlicher Gärtner gewesen sein muss.
Die Symbole, für die die Pflanzen stehen, und die Anwendung der Kräuter aus dem Apothekergarten haben auch heute noch ihre Gültigkeit.
Diese wundervollen Zeilen der Gedichte wurden an mehreren Tagen von der Schauspielerin und Sprecherin Bettina Koch rezitiert. Anna-Lisa Volz,
die stellvertretende Leiterin des Botanischen Gartens, übernahm den Part der wissenschaftlichen Betrachtung der Heilkräuter.
Diese Veranstaltungen waren eine wunderbare Komposition von lyrischer und erkenntnissicherer Darstellung der Pflanzen.


Gut besucht waren ebenfalls die öffentlichen und speziellen Führungen durch den Kräutergarten, die ebenfalls von Frau Volz übernommen wurden.
Auch die sehr informative und ästhetisch ansprechend gestaltete Broschüre zu den Pflanzen des Hortulus wurde von der Botanikerin erstellt.
Etwa 500 Stück dieses Heftes wurden im Lauf der Veranstaltung verkauft.
Ein weiteres Highlight war das Konzert „Die Pflanzenflüsterin“, ein Zwiegespräch zwischen einer alten Eiche und einer jungen Frau, das von
Ökonomierat Harro Wilhelm und der Flötistin Gabi Müller geführt wurde.
Der Geschäftsführer der Erlebnisgärtnerei Storb, der sich zum zweiten Male für das Projekt einsetzte, säte bereits im März die teilweise sehr seltenen Kräuter
auf Paletten aus, die dann zur Ausstellung in der Johanneskirche transportiert wurden.
Dort wurden die Beete getreu des Originals des Reichenauer Gartens geordnet und durch Mulchwege begehbar gemacht.

Wie im letzten Jahr organisierte das Mitglied des Citykirchenausschusses, Regine Eichholz, die verschiedenen Veranstaltungen, die das Rahmenprogramm zu der Ausstellung bildeten.
Ein Eröffnungsgottesdienst, gehalten von Citykirchenpfarrer Jörg Metzinger, ein Abschlussgottesdienst von Pfarrerin Martina Rief rundeten die Kräuter- Woche ab.
Das dreiköpfige Team, das mit dem Erfolg der Ausstellung hoch zufrieden ist, plant bereits eine Fortsetzung dieser Pflanzen-Ausstellung in der Johanneskirche.
(Regine Eichholz)

   

 


 

Ausstellung: Seelenbretter


       

Seelenbretter

Eine Ausstellung
1. bis 25. November 2007
Johanneskirche Saarbrücken

Die Künstlerin Bali Tollak wurde inspiriert zu ihren Seelenbrettern durch Totenbretter im Bayerischen Wald, die dort als Flurdenkmale von vergangenen Bestattungsriten und einer besonderen Art innig besinnlicher Totenehrung künden.
Dagegen sind die fast zwei Meter hohen und knapp dreißig Zentimeter breiten Holzbretter der Künstlerin, mit volkstümlichen Sprüchen oder mit Zitaten berühmter Schriftsteller und Philosophen beschriftet, Botschaften an uns Lebende. So kommt etwa Laotse zu Wort oder Jean Paul mit der Erkenntnis: “Unsere größten Erlebnisse sind nicht unsere lautesten, sondern unsere stillsten Stunden”.
Kulturübergreifend ist zudem die farbenfrohe Symbolik auf den Brettern. Chinesische Symbole für Mensch und Berg sind da genauso zu finden wie nordafrikanische oder indianische Elemente. Eine Stele mit Leuchtturm verweist auf das Prinzip der Hoffnung, eine andere mit der Jakobsmuschel und archaischen Spiralformen auf den Pilgerweg nach Santiago de Compostela und die Ewigkeit.
Die Seelenbretter sind Wegbegleiter für den Betrachter, sollen ihn anregen zum Innehalten und Sinnieren, zum Stillwerden in unserer lauten und schnelllebigen Zeit.

In Kooperation mit Projekt Johanneskirche

 


Rückblick PRIVATE COLLECTION

PRIVATE COLLECTION
von dem Künstlerduo Stoll & Wachall
http://www.stoll-wachall.de

Bei dem gemeinsamen Projekt der Medienkünstlerinnen Stoll & Wachall ist die europäische Malerei des Mittelalters der Ausgangspungspunkt für einen Kontakt zwischen alter und neuer Welt, zwischen Tradition und neuen Medien. Die multimediale Installation schafft mit klar komponierten Bildfolgen und einem Spiel mit Verweisen und Zitaten aus der Kunstgeschichte, Bilder voll strenger Schönheit und rätselhafter Mehrdeutigkeit. Dadurch gelingt ein Zeitsprung von der Portrait-Malerei zur digitalen Bild-, Text- und Klangherstellung, welche sich inhaltlich mit der Rolle des Individuums beschäftigt, geprägt durch die verschiedenen Zivilisationen und Zeitalter.

Das zentrale Thema der Arbeit: Was macht den Menschen aus - über alle Epochen hinweg?






hanneskirche Saarbrücken




Dieses Projekt wird im Rahmen von Luxemburg und Großregion, Kulturhauptstadt Europas 2007, unter der Schirmherrschaft Ihrer Königlichen Hoheiten des Großherzogs und der Großherzogin realisiert.

http://www.stoll-wachall.de

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Private Collection [room 06]
eine Videoinstallation von STOLL & WACHALL



 


 

Kühne Körperextensionen - Eröffnungsrede
Das Duo Stoll-Wachall dehnt sich mächtig (aus) und berührt sogar die Renaissance
Prof Dr. Dr. Klaas Huizing

In der Gelehrtenrepublik bekommt derjenige die Bürgerrechte und einen Ehrenplatz, dem es gelingt, einen Buchtitel ins kulturelle Gedächtnis einzuspeisen. Fraglos gelungen ist dieses Kunststück dem Kunsthistoriker und Kunsttheoretiker Gottfried Böhm: Bildnis und Individuum. Über den Ursprung der Porträtmalerei in der italienischen Renaissance. Ein Klassiker, der in jeden Bücherschrank gehört. Genauer lässt sich nämlich der Epochensprung, für den die Renaissance steht, nicht fassen. Hier erhebt sich, zunächst noch tastend, das bürgerliche Individuum. In den Porträts der Großmeister jener Jahre gewinnt es im wahrsten Sinne des Wortes feste Konturen. Bildnis und Individuum legen sich, so die frappierende Erkenntnis, wechselseitig aus. Ihre eigene Identität verdank(t)en die Menschen den Künstlern, die im Porträt erkundeten, wie man das Besondere einer Person veranschaulichen kann, und die Porträtierten erfuhren über sich und ihresgleichen alles Wissenswertes. Wer kennt diese Bilder nicht: der gesammelte Ernst in Lottos ‚Jüngling vor weißem Vorhang’ oder Lottos ‚Herr mit goldener Tierpranke’, der Anflug des Lächelns in da Vincis ‚La belle Ferronière’ oder in Antonellos ‚Bildnis eines Jünglings’! Sind wir also Spätgeborene dieser Kultur?


Diese Frage lässt sich nicht umstandslos mit einem klaren Ja beantworten. Das Individuum der Renaissance ist im Laufe der Jahrhunderte schrundig geworden, materialermüdet droht das Recycling. Und daran haben viele mitgearbeitet: Das Ich, so tönte es bekanntlich aus Wien, ist nicht mehr Herr im eigenen Haus. Die Opferliste ist lang. Wer Freud nicht los wurde, drohte irgendwann freudlos zu werden. Wie viele Beleidigungen und Demütigungen hat das Individuum nach Freud noch ertragen müssen! Ganze Diskursgenerationen – Poststrukturalismus (eine Art intellektuelle Franzosenkrankheit), Diskursanalyse, Postmodernismus, Hirnforschung - haben sich an diesen Fragen abgearbeitet. Inzwischen ist man in den Debatten ein Stück weit auf dem Rückzug, denn trotz aller Verabschiedungsrhetorik gilt: Das Individuum hat eine lebenspraktische Beharrungstendenz und lässt sich nicht widerstandslos verabschieden. Schmerz, der Herzschmerz in allen Varianten, bleibt unvertretbar. Und das ist nur ein Beispiel.

Vielleicht, so meine Hoffnung, kann noch einmal die Kunst darüber aufklären, was wir heute mit dem Individuum in spätbürgerlicher Zeit anfangen sollen. Und welch schöne Ironie: nicht ein singulärer Künstler, sondern ein Duo, das in anderen Arbeiten individuelle Grenzen leichthändig verschwimmen ließ, macht sich auf den Weg, diese Frage zu beantworten: die eine aus dem Schwarzwald stammend, die andere aus einer Grubenregion, beide also mit dem Dunklen vertraut, leisten künstlerische Aufklärungsarbeit. Und sie tun es mit der Ernsthaftigkeit großer Aufklärer.

Bestand die Kunst der Renaissance-Künstler darin, den Porträts Leben einzuhauchen (der Ausdruck ist stets lebendig, nicht etwa eingefroren), so nehmen Stoll-Wachall diese immanente Bewegung der Gesichter auf und führen sie konsequent aus. Nur die Attribute, die den Porträts häufig beigegeben waren, verändern sich in den Video-Arbeiten von Stoll-Wachall markant: Handy und Kamera etwa treten an die Stelle von Spiegel oder Blume. Handy und Kamera sind Vehikel, durch die sich in schlechten Filmen Zeitreisende, die die Vergangenheit erkunden wollen, gewöhnlich verraten. In den Videos von Stoll/Wachall wirken die Attribute nur milde verstörend. Mit feiner Ironie inszenieren sie einen Deutungscode unseres Medien- oder Informationszeitalters. Der Großvater der Medienwissenschaft, McLuhan, nannte Medien nämlich Körperextensionen. Ein geniales Interpretament. Unsere Körper wachsen durch die Medien. Ohren und Augen (in gewisser Hinsicht auch die anderen Körpersinne) dehnen sich aus, lösen sich vom hier und jetzt. Spätere Medienwissenschaftler wie Jochen Hörisch oder Manuel Castells haben diesen Gedanken fortgeschrieben. Und für Stoll/Wachall ist es deshalb ein Leichtes, die Renaissance zu erreichen: sie besuchen die Individuen dieser Jahrhunderte als Gleichzeitige Ungleichzeitige. Darin unterscheiden sie sich auch von Cindy Sherman, die durch unterschiedliche Kostümierung den Kern von Identität erproben wollte. Stoll/Wachall sind Archäologen, die die Ursprungssituation des modernen Individuums mit den Mitteln und auf der Höhe heutiger Ausdruckskunst erobern. Und nur so geht es.

Und sie fragen noch schärfer: Hat sich in den Jahrhunderten seit der Entdeckung des Individuums auch die mentale Ausstaffierung verändert? Stoll/Wachall streuen Befindlichkeitsvokabeln ein, in englischer Sprache natürlich, ist doch Englisch und nicht Latein die heutige Verkehrssprache. Will man die Pointe dieser Erkundung verstehen, muss man zunächst die vier Modi des selbständigen Porträts in der Renaissance erinnern, die Böhm identifiziert hat: Da gibt es zunächst den düsteren, verschlossenen, auch drohenden Charakter. Individualitäten dieser Couleur sind häufig Condottiere oder Kriegsführer. In einer zweiten Gruppe (Hofmänner, Adelige, Gelehrte, Künstler) wird die Eigentümlichkeit nicht durch ein Höchstmaß an Kraft, sondern durch die Darstellung eines ruhigen Ernstes veranschaulicht. Eine dritte Gruppe modifiziert den Ernst durch eine Offenheit und Freundlichkeit. Die Verschmelzung von Verbindlichkeit und Wärme wurde vor allem in den Frauenbildnissen eingefangen. Viertens schließlich ist die Freundlichkeit nicht ein Aspekt des Ernstes, sondern eine „Erscheinungsform ihrer selbst“ (Böhm). Diesen Bildnissen haftet häufig etwas Entrücktes an.

Etliche der Prädikate, die Stoll/Wachall verwenden, passen nur mit Mühe in dieses Schema. Die Maler der Renaissance gingen in allen vier Modi des selbständigen Porträts von einer Balance der Affekte aus, Stoll/Wachhall verwenden dagegen auch hoch aufgeladene Affekte, die das Gleichmaß der Porträtierten ruinieren würden. In ihrer eigenen Bildfindung aber plädieren sie gleichwohl für eine Balance. Schaut man genauer hin, dann inszeniert das Duo letztlich doch altbekannte Modi. Eine der beiden hilft dem Ernst zu neuem Ansehen, abgemildert durch Freundlichkeit. Die andere transzendiert den Ernst durch Entrückung. (Deshalb finden die Videos auch in der Kirche einen durchaus angemessenen Platz.) Und offensichtlich führt, auch das ist beruhigend, die Arbeitssymbiose der beiden doch nicht zu einer Einebnung charakterlicher Eigentümlichkeiten.

Können also die Künstlerinnen noch einmal uns erfahren lassen, was unsere Identität in der Spätmoderne ausmacht?
Vielleicht erfahren wir, wenn wir diese Videos ansehen, wie unverzichtbar der Ernst und die Freundlichkeit sind.
Das wäre nicht wenig. Bildnis und Individuum. Über die Vollendung der Porträtmalerei in der spätmodernen Videokunst!
Mutmaßlich sind wir Zeuge eines spannenden, sehr ernsthaften Großversuchs.

(Der Schriftsteller Prof. Dr. Dr. Klaas Huizing (* 14. Oktober 1958 Nordhorn) lebt in Berg am Starnberger See
und ist Ordinarius am Lehrstuhl für Systematische Theologie an der Universität Würzburg.)

 

 

 



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Fotoausstellung Göttelborn

Göttelborn – Niedergang und Aufbruch

Johanneskirche 19.11. – 11.12.05
Fotoausstellung
Göttelborn – Niedergang und AufbruchAm 19. November 2005 eröffneten in der Johanneskirche Saarbrücken die Evangelische Akademie Saar, Industriekultur Saar und das Projekt Johanneskirche die Fotoausstellung „Göttelborn – Niedergang und Aufbruch". Die Grube Göttelborn war eine der produktivsten Bergwerke Europas. Dann hörte das Herz auf zu schlagen - im Jahr 2000 wurde sie stillgelegt. Geblieben sind gewaltige Gebäude aus verschiedenen Epochen - als besonderer Anziehungspunkt der mit rund 100 Metern höchste Förderturm Europas - und eine reich strukturierte Bergbaulandschaft. Mit dem Fotoworkshop der Ev. Akademie und der Industriekultur Saar im September 2004 sollte das gewaltige Gelände zugänglich, erfahr- und erlebbar werden. Die Teilnehmenden erschlossen sich die ehemalige Grube mit ihrem persönlichen fotografischen Blick.

So zeigte die Ausstellung höchst unterschiedliche Sichtweisen und Motive, zeigte Vergehendes aber auch Zukunftsweisendes, Niedergang und Entwicklungsmöglichkeiten.

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Göttelborn
Gedanken zu Niedergang und Aufbruch -
theologischer Impuls
von Johanna-Martina Rief, Pfarrerin

Niedergang und Aufbruch.
Die Ausstellung hat mit ihrem Titel ein jüdisch-christliches Grundverständnis von der Welt und ihren Bewegungen samt Veränderungen aufgegriffen. Genauso der Film zur Eröffnung der Ausstellung: Da ging die Sonne unter über Göttelborn.
Und dann sah man sie wieder aufgehen ...
Ein alttestamentliches Bild. War das bewusst?
Die Ausstellung unterscheidet sich damit vom landläufigen Grundempfinden mit dem Verlauf:
Vom Morgen zum Abend.
Von Werden und Vergehen.
Von Aufblühen und Verwelken
Von Aufbruch und Niedergang.
Nach biblischem Verständnis ist der Zielpunkt genau der andere. Nicht der Niedergang, sondern der Aufbruch. Diese Bewegung zieht sich als leuchtender Faden durch die biblischen Schriften hindurch*:Im ersten Buch Mose
Kapitel 1f., Schöpfungsgeschichte -
Abend und Morgen - die Tage enden nicht in der tiefsten Nacht, sondern mit dem neuen Morgen (Verse 5.8.13 ...)
Kapitel 3f., Sündenfall - endet nach der Vertreibung aus dem Paradies nicht mit der Sterblichkeit, sondern mit der Geburt der Söhne (Kap.4,1f).
Kapitel 4, Brudermord - endet nicht mit dem Fluch über Kain, sondern mit dem Schutzeichen für Kain und dem Ankommen in einem anderen Land (Vers 16)* Anmerkung: die Abgrenzung der Kapitel gehört nicht zum ursprünglichen Text und ist Betsandteil späterer Schriftauslegung. Sie zerschneidet an manchen Stellen den Erzählfluss.
Kapitel 7-9 Sintflut - Endet nicht mit dem Untergang, sondern mit dem Bund Gottes mit den Menschen (Kap.8,21 und 9,12-17)In Sprüngen weiter:
1. und 2. Chronik - (vgl. Propheten)
die Herrschaft Davids und seiner Nachkommen - endet mich mit dem Exil, sondern mit der Verheißung des neuen Jerusalem und dem Heil für alle Völker (2.Chr. 36,23)
Neues Testament, Evangelien - Die Jesusgeschichte endet nicht mit dem Kreuztod, sondern mit der Auferstehung
Evangelien und Apostelgeschichte - Der Ruf der Jünger in die Nachfolge endet nicht mit dem Abschied vom bisherigen Leben, sondern mit der Gründung christlicher GemeindenDie gleiche Grundlinie zieht sich durch die christliche Theologie und die Geschichte der Kirche.
Glaubensbekenntnis - Endet nicht mit "zu richten die Lebenden und die Toten" (2.Artikel), sondern mit dem Glauben an das "ewige Leben".Kirchenjahr
Endet nicht mit Erntedank (die Natur legt sich zur Ruhe), sondern mit dem Ewigkeitssonntag (bereit sein für das Kommen des Messias)
Kirchengeschichte
Reformation - endet nicht mit dem Untergang der Kirche, sondern mit dem Entstehen neuer Kirchen.
Kirchenkampf - endet nicht mit der Verdrängung des christlichen Glaubens, sondern mit einem neuen christlichen Bekenntnis (Bekenntnissynode in Barmen)
Sozialismus ohne Religion? - die Kirche endet nicht in der Unterdrückung, sondern entwickelt ein neues Selbstbewusstsein.Immer wieder begegnet einem, wenngleich sehr unterschiedlich:
Niedergang und Aufbruch. Ostererfahrungen. Immer wieder Umbrüche, hinein in eine neue Qualität.
Nicht Restauration, auch nicht Reformation, sondern: Revolution!Dabei stößt man immer wieder darauf:
Gesellschaften, Kirchen, auch Menschen, die sich eingerichtet und mit den Verhältnissen arrangiert haben, mögen das nicht. Veränderungen bedeuten für sie den Verlust bestehender Sicherheiten.Betrachtet man vor diesem Hintergrund die Reformation unserer Kirche im 16.Jahrhundert: da war sie genau genommen nicht das, was der Name sagt, war keine Wieder-Herstellung, sondern brachte etwas völlig Neues; ein völlig neues Kirchenverständnis. Das war Revolution. Und rief zwangsläufig Widerstand hervor.In der Neuzeit entwickelte sich konsequenter Weise
eine Theologie der Revolution.
Die Anfänge dazu finden sich in der Nachkriegszeit auf ökumenischer Ebene, bei den Versammlungen des ÖRK 1948 in Amsterdam und 1954 in Evanston. Hier befasst man sich mit der Frage nach einer verantwortlichen Gesellschaft angesichts der Weltsituation: Asymmetrie und Ungerechtigkeit.
Befreiungstheologie und die Bewegung "Christen für den Sozialismus" sorgten seit Anfang der 60er Jahre für innerkirchliche Spannungen. Seit der Genfer Weltkonferenz 1966 spitzte sich die Frage weiter zu mit dem Kampf gegen den Rassismus, dem Antirassismusprogramm.
Die neue Perspektive war: Gottes Gegenwart ist nicht nur in der kreatürlichen Wirklichkeit zu erkennen, sondern auch in der Veränderung gegenwärtiger gesellschaftlicher Verhältnisse.
Der amerikanische Theologe R. Shaull kam zu dem Schluss, dass auch Christen und Kirche sich vom Konzept der kleinen Schritte verabschieden müssten, wenn sie wirkliche Veränderung wollen, und fordert in seiner Theologie der Revolution einen raschen, unter Umständen auch gewaltsamen Umbruch. Der Grund dafür war der Widerstand der Gesellschaft gegen friedliche Veränderungen.Jede grundlegende Veränderung, jeder Aufbruch ist im Grunde eine Revolution. Ist so etwas wie Ostern, wo aus dem Bestehenden etwas völlig Neues hervor geht.Niedergang und Aufbruch in Göttelborn -
Da geschieht etwas Revolutionäres.
Es entsteht etwas völlig Neues. Der Standort Göttelborn, bis 2000 eine der größten und modernsten Gruben, ist keine Grube mehr. Entfaltet sich zu etwas völlig Anderem.Da gibt es nun für uns zwei wichtige Aspekte zu bedenken:
1. die jüdisch-christliche Perspektive, aus welcher der Zielpunkt der Morgen ist und nicht die tiefe Nacht; diese fordert uns heraus, des Daseins dem gemäß zu begreifen und zu gestalten.
2. die Unabdingbarkeit revolutionären Geschehens will akzeptiert werden und fordert mitunter sogar heraus, um daran mitzuwirken.Dabei muss heutzutage in demokratischen Entscheidungs- prozessen errungen werden, was Generationen vor uns vorfanden: Trümmerfelder und freie Flächen, um aufzubauen, um Neues zu schaffen.
Heutzutage, wo wir, Gott sei Dank!, seit 60 Jahren keine wirklich große Katastrophe mehr erleiden mussten, keine Trümmerhaufen mehr von Krieg und Feuer ... Da braucht es wie noch nie zuvor Mut, um Schlussstriche zu ziehen, aus eigenem Entschluss Standtorte aufzugeben, auch Besitzstand ... Sogar, um einzureißen, was man selbst einmal gebaut hat, damit Raum wird für Neues. Dieser Herausforderung müssen wir uns stellen. Göttelborn ist ein Exempel, welches nach dem selbst bestimmten Niedergang schon den Aufbruch sichtbar werden lässt.So bleibt es mir schließlich, die alten Weisheitssprüche zu zitieren, als hätten sie vorausgeahnt, was uns heute beschäftigt:
Alles hat seine Zeit. ... Abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit; weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit. (Prediger 3,3-4)
So kommt nach jedem Niedergang ein Aufbruch.

November 2005


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SVENJA RITTER Kirchhofrosen
eine Installation in den Kellerräumen der Johanneskirche im Jahr 2002

Biographie:

  Svenja Ritter
Geboren am 14. Januar 1972 in Karlsruhe

1992-1996  Ausbildung zur Goldschmiedin
1996-1997  Freie Kunstschule Stuttgart
1997-2002  Studium an der Hbk Saar, Saarbrücken
2002           Diplom

Ausstellungen

2003  Chelsea Galerie Laufen Schweiz
2002  Kirchhofrosen, Johanneskirche Saarbrücken
2002  Anatomie-Künstler Visite (G) anatomisches Institut der Universität Homburg auf eigene Gefahr
2002  Saarländisches Künstlerhaus Saarbrücken (mit Karin Sorensen)
2002  Blütenkelche von Widerhaken gesäumt, Kulturfoyer Saarbrücken
2001  Galerie im Alten Rathaus Wörth (G)
2000  Malerei und Objekte, Gustav Wolf Galerie, Östringen
2000  Heinrich von Zügel Kunstförderpreis der Stadt Wörth, Förderpreise
Kontakt: gallery-kohinoor@t-online.de

Kirchhofrosen

Diplomarbeit von Svenja Ritter zum Abschluß ihres Studiums an der HBK des Saarlandes

Fotografien von Jutta Schmidt

Mixed-Media Installation in den Kellerräumen der Johanneskirche in Saarbrücken

Kirchhofrosen – eine Ausstellung zum Thema "Vergänglichkeit"
präsentierte die Künstlerin Svenja Ritter vom 16. April bis zum 5. Mai 2002
im Kellergewölbe der Johanneskirche in Saarbrücken.

Was geschieht mit dem menschlichen Körper nach Eintritt des Todes?
Mit dem Ende der Herz- und Hirntätigkeit beginnt seine eigentliche Metamorphose vom Körper zum Leichnam:
das Blut sickert in die tiefer gelegenen Körperregionen und sammelt sich dort, bevor es zu gerinnen beginnt.
Leichenflecken – im Volksmund "Kirchhofrosen" genannt – werden sichtbar...Wie der menschliche Körper - gerade im Tod - noch ständigen Veränderungen ausgesetzt ist, verändern sich
die an Körperteile erinnernden Objekte im Laufe der Ausstellung: durch Injektionen und Infusionen wird dem
Material Farbe zugeführt, so dass sich permanent Wandlung vollzieht.

Svenja Ritter stellt sich in ihren Arbeiten der Realität des Todes und der Vergänglichkeit. Gleichzeitig wählt sie
einen symbolischen Zugang, der Distanz ermöglicht.

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Ich wollte für die Installation "Kirchhofrosen" keinen neutralen Raum ,wie man ihn zum Beispiel in einem
Museum vorgefunden hätte , sondern einen Raum, indem sich Installation und Raum miteinander verbinden
können, sowohl visuell als auch inhaltlich.
Eine kühle medizinisch beeinflusste Sichtweise auf menschliches Ableben trifft auf den Kirchenraum,
der in unserer Kultur neben den Friedhöfen immer noch der einzige Ort ist, an dem Trauer zugelassen wird.

In den Kellerräumen der Johanneskirche fand der Installationsaufbau ideale Bedingungen.
Die Verfärbungen der Wände spiegelten sich in den Oberflächenverfärbungen der einzelnen Objekte wieder
und die nur über eine steile Wendeltreppe zu erreichenden tief unten liegenden kleinen Räume vermittelten
Geborgenheit angesichts der teilweise unbarmherzig erscheinenden Arbeit.

Svenja Ritter


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