Starke evangelische Beteiligung an der Heilig-Rock-Wallfahrt 2012

 

Trier/Bitburg, 14. Mai 2011. Die Evangelische Kirche wird sich auf vielfältige Weise an der Heilig-Rock-Wallfahrt beteiligen, zu der das katholische Bistum Trier von 13. April bis 13. Mai 2012 nach Trier einlädt. Die Kreissynode, das Parlament des evangelischen Kirchenkreises, hat sich in seiner Versammlung am Samstag über den Stand der Vorbereitungen informiert und die weitere Beteiligung an der Christuswallfahrt beraten.

Oberkirchenrätin Barbara Rudolph von der Evangelischen Kirche im Rheinland in Düsseldorf, zuständig für die Ökumene, sagte in ihrem Grußwort vor der Synode, dass es durchaus ungewöhnlich sei für Protestanten, sich an einer Wallfahrt zu beteiligen, bei der eine Reliquie im Mittelpunkt steht. Sie selbst sei noch von einer Tradition geprägt worden, in der es hieß: „Protestanten beschäftigen sich mit dem Text und nicht mit Textilien“, so die Theologin. Diese protestantische Distanz sei zwar nicht gewichen, auch sei es historisch ungeklärt, wem das Gewand gehöre, das in Trier aufbewahrt werde. Aber: „Vielleicht ist das auch nicht wichtig, wenn uns diese Textilie dazu bringt, gemeinsam auf den Text zu hören, mehr noch, gemeinsam auf den einen Herrn zu hören, der uns in den biblischen Texten begegnet.“ In der Bibelstelle, in der von Jesu Gewand die Rede ist, geht es um die

Einheit der Christen (Johannesevangelium, Kapitel 19, 23-24).
Was die evangelische Beteiligung in der Vorbereitung der Wallfahrt angehe, sagte Rudolph, so habe man die Reformationsdekade in die Diskussionen mit eingebracht. Denn nicht nur die katholische Kirche feiert 500 Jahre Heilig Rock, sondern auch die evangelische Kirche erinnert 2017 an die Reformation, die Martin Luther im Jahr 1517 angestoßen hatte. Barbara Rudolph: „Vielleicht hilft uns der Rock hier in Trier, um uns an die Einheit zu erinnern, zu der die eine Kirche berufen ist -  in der Ökumene, aber auch in den Wegen, die unsere Kirche gehen wird.“
Monsignore Dr. Georg Bätzing vom Bistum Trier, der Wallfahrtsleiter, sagte in seinem Vortrag vor der Synode, dass die Heilig-Rock-Wallfahrt nicht selbstverständlich ein ökumenisches Ereignis sei, sie sei in ihrer Geschichte auch oft ein anti-ökumenisches Ereignis gewesen. „Aber sie kann zu einem ökumenischen Ereignis gemacht werden“, so Bätzing. Er erneuerte seine Einladung an die evangelischen Christen, die er bereits auf dem evangelischen Kreiskirchentag im August 2010 in Schweich ausgesprochen hatte.

Auch die katholische Kirche habe den Heiligen Rock entmythologisiert und sich von der Frage der Echtheit etwas gelöst, sagte Bätzing vor dem Plenum. „Niemand kann sagen, ob das ein Stück des Gewandes Jesu ist. Aber wenn ich davor stehe, schaue ich auf ein Bild Jesu und habe vor Augen, wie viele Menschen daraus Kraft gezogen haben“, sagte der katholische Theologe. Christus und der Glaube stünden im Mittelpunkt der Wallfahrt. Der Heilige Rock sei ein Symbol für Christus, das in der Heiligen Schrift wurzele. Es werde auf die Einheit der Christenheit hingedeutet, so wie sie von Gott gewollt sei. „Das ist ein Stachel im Fleisch der immer noch gespaltenen Christenheit“, so Bätzing. Daher ergehe die Einladung an alle. Georg Bätzing: „Wir möchten, dass unterschiedlichste Menschen bei dieser Wallfahrt Jesus begegnen können und bemühen uns, das Zeugnis von evangelischen und orthodoxen Christen einzubinden, damit es uns Katholiken bereichert.“

Der Superintendent des Kirchenkreises Trier, Christoph Pistorius, wies auf die gewachsene ökumenische Zusammenarbeit in Trier hin, die der damalige Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Peter Beier, und der damalige Trierer Bischof Hermann Josef Spital bei der letzten Wallfahrt im Jahr 1996 begründet hatten. „Wir haben allen Grund mit großem Zutrauen dieses Projekt mit zu begleiten und uns da einzubringen.“ Das Miteinander sei inzwischen so, „dass keiner den anderen vereinnahmen will, dass wir wissen, wo wir unsere Grenzen haben, und dass wir aber auch wissen, dass wir einen gemeinsamen Auftrag haben“, so Pistorius weiter. Das gelinge zunehmend, sagte der Superintendent. Konkret werden unter anderem tägliche ökumenische Gebete in der Konstantin-Basilika gefeiert, die eine evangelische Kirche ist. Am 5. Mai 2012, dem Tag der Ökumene, bringt sich die evangelische Kirche in einen großen ökumenischen Tauferinnerungsgottesdienst ein. Gleichwohl gab es in der Synode auch eine kritische Stimme zur Beteiligung der Evangelischen Kirche an der Wallfahrt.

Die Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Trier nahm auf ihrer Frühjahrssynode zudem den Stand der Umsetzung der Regionalkonzeptionen zur Kenntnis. Die im Jahr 2009 beschlossenen Strukturveränderungen, die unter anderem eine Kürzung von vier Pfarrstellen vorsehen, wurden weitgehend umgesetzt. Im Zuge der Überprüfung des Finanzausgleichs hat die Synode die Verlagerung der Zuordnung von rund 270.000 Euro innerhalb von Rücklagen beschlossen. Außerdem wurde Pfarrer Peter Winter aus Trier zum Vorsitzenden des kreiskirchlichen Diakonieausschusses gewählt.

Das Parlament des Kirchenkreises setzt sich aus rund 100 Abgeordneten der 22 Gemeinden sowie Vertretern der Arbeitsbereiche und Einrichtungen zusammen. Im Gebiet des rund 5.000 Quadratkilometer großen Kirchenkreises zwischen Eifel und Hunsrück, Mosel und Saar leben derzeit 57.000 evangelische Christen. Die Kreissynode tagt zweimal im Jahr. Sie entscheidet über die inhaltliche und finanzielle Arbeit des Kirchenkreises.

Vom 13. April bis 13. Mai 2012 lädt das Bistum Trier zur Heilig-Rock-Wallfahrt nach Trier ein. Dann wird erstmals seit 1996 der Heilige Rock wieder im Trierer Dom zu sehen sein. Die Wallfahrt steht unter dem Leitwort „und führe zusammen, was getrennt ist". Der Heilige Rock, die Tunika Jesu Christi, ist die bedeutendste Reliquie des Trierer Doms. Dort wird er verschlossen und nicht sichtbar aufbewahrt. Die Geschichte des Heiligen Rocks ist ein Gewebe aus Legenden und Überlieferungen. Helena, die Mutter Kaiser Konstantins, soll ihn im 4. Jahrhundert nach Trier gebracht haben. Informationen rund um die Heilig-Rock-Wallfahrt gibt es im Internet unter www.heilig-rock-wallfahrt.de oder im Wallfahrtsbüro, Tel.: 0651-7105-8012.