Webandacht
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Sicherheitswarnungen
Neulich im Internet. Ich rufe eine Seite zum Thema Glauben auf. Plopp – ein Fenster springt auf – Achtung, Sicherheitswarnung: "Möchten sie nur Webseiteninhalte anzeigen, die über eine sichere Verbindung übermittelt werden?" werde ich gefragt. Oha, denke ich.
Mehr ......Sichere Verbindung? Und mir schießt durch den Kopf: Mein Weg zum Glauben geht nur über eine sichere Verbindung!? Ich muss schmunzeln. Und klicke zunächst mal auf „ja“. Und die Seite wird mir ohne Bilder angezeigt.
So ist das also, spinne ich den Faden weiter – wenn die Verbindung sicher ist, dann ist sie aber zugleich bilderlos. Ich kann mich für eine sichere Verbindung entscheiden, aber dann muss ich auf die dazugehörigen Bilder verzichten. Wie langweilig!
Klar, rein technisch betrachtet macht das Sinn. Sicherheit im WWW ist ein Thema, an das man gar nicht oft genug erinnert werden kann.
Aber für die reale Welt gesagt: Mein Weg, mein Glaubensweg ist manchmal alles andere als „eine sichere Verbindung“ - also eine, bei der ich genau weiß, was passiert, und bei der alle Unsicherheiten von vorneherein abgeschaltet werden.
Glaube lässt sich nicht programmieren. Und Glauben beginnt nicht, wo er zur Sicherheit festgeschrieben wird. Mein Weg zum Glauben ist mein Weg im echten Leben. Und wie oft weiß ich im Leben nicht, was als nächstes auf mich zukommt. Doch die Verbindung besteht auch dann – und gerade die Unsicherheit des Lebens hat dafür immer wieder schöne, bewegende Bilder: Menschen, die mich trösten in Zeiten des Zweifels. Und mich an die Nähe Gottes erinnern. Mein Kind, das mir um den Hals fällt und mir vertraut. Gespräche mit anderen, die mich bewegen und bestärken, und mir den Weg weisen. Erfahrungen, an denen ich erkenne, wer ich bin und was ich kann. Und dass Gott mit mir ist, auf allen Wegen.
Meine Verbindung zum Glauben ist eine unsichere – und dieses Risiko gehe ich ein. Auf meinem Weg passiert immer wieder Unvorhergesehenes – und auf die Bilder, auf die Eindrücke, auf die Impressionen dazu möchte ich auf keinen Fall verzichten. Denn für mich entscheidend ist: Es gibt eine Verbindung – mal sicher, mal unsicher, mal stark, manchmal schwach, aber es gibt sie. Sie ist reich an Bildern. Und voller Überraschungen. Aber sie besteht. Immer. Gott sei dank.
Pfarrerin i.E. Maike Roeber, Trier
Erstellt von: Maike Roeber [0] am 03.02.2012 12:30 -
Es bleibt eine Zumutung
Martin Luther spottete über die „Bescheißerei von Trier“. Für den Reformator war die Wallfahrt zum so genannten Heiligen Rock in Trier eine Zumutung.
Mehr ......Mit scharfen Worten kritisierte Luther die Reliquienverehrung: Wichtiger als die kultische Anbetung von Gegenständen sei das lebendige Bekenntnis zu Jesus Christus.
Die Zeiten haben sich geändert. Zum Glück suchen Menschen aus beiden großen Kirchen nach Wegen, die gemeinsam beschritten werden können: „Wir sind mit Christus gemeinsam auf dem Weg“. So lautete 1996 das Motto der Wallfahrt.
Erstmals wurde das Großprojekt mit einem ökumenischen Akzent versehen. Genau daran will die Wallfahrt 2012 erklärtermaßen anknüpfen: „Und führe zusammen, was getrennt ist“. So lautet das Motto in diesem Jahr. Ich meine, es ist gut, wenn katholische und evangelische Christenmenschen überlegen: Was können wir gemeinsam tun? Was ist unsere gemeinsame Basis? Das Ökumenische Forum in der nächsten Woche hier in Trier setzt genau da an.
Auch bei der Erkenntnis: Die Wallfahrt bleibt eine Zumutung. Denn für evangelische Christenmenschen kann das Gewand im Trierer Dom niemals eine heilbringende Reliquie sein. Die Tunika ist allenfalls ein Symbol, das auf Jesus Christus hinweist. Und auch für katholische Christenmenschen ist dieser ökumenische Ansatz eine Zumutung. Denn er stellt alte, liebgewonnene Traditionen in Frage.
So ist das mit der Ökumene: Sie ist und bleibt – eine Zumutung. Ich meine: Nur, wenn wir einander so einiges zumuten, dann können sich die Dinge weiter entwickeln, zum Besseren. Geduld ist wichtig, Offenheit, und eine wechselseitige Toleranz – in Augenhöhe.
Mein Traum: Die Einladung, die Jesus Christus ausspricht, wenn er mit seinen Jüngern damals wie heute Brot und Wein teilt, wird Wirklichkeit in unseren Kirchen. Und wir laden einander ein - alle. Zum Mahl des Herrn, in allen Kirchen, unabhängig von der Konfession. Das wäre eine wunderbare Zumutung – für diese Welt.
Pfarrer Guido Hepke
Evangelische Kirchengemeinde Trier
Erstellt von: Guido Hepke [0] am 27.01.2012 12:57 -
Musik – eine wunderbare Sache!
In der Schule hatten wir mal einen Frankreich-Austausch. Meine Klasse fuhr in die Gegend von Lille und wir hatten gerade mal drei Monate Französisch. Kann man sich vorstellen, dass ich da nur ein paar Brocken sprach.
Mehr ......Nun war mein Austausch-Freund Bertrand auch keine Leuchte in Deutsch, und Englisch konnte er im Grund auch nicht wirklich. Das Ganze hätte also ein ziemlich stiller Austausch werden können, wenn, ja wenn es da nicht die Musik gegeben hätte.
Denn dabei waren wir uns ziemlich einig. Unser gemeinsamer Favorit war damals übrigens Nirvana – die Älteren werden sich erinnern, Kurt Cobain, Gott hab ihn selig. Bertrand hat also nicht viel gesagt, aber konnte gut Gitarre spielen und hat mir sogar ein paar Akkorde auf seiner E-Gitarre gezeigt. Davon profitiere ich heute noch und die Sprachbarrieren, das wollte ich eigentlich sagen, waren dann am Ende auch völlig egal.
Die evangelische Kirche macht mit Blick auf das Reformations-Jubiläum 2017 in diesem Jahr aufmerksam auf die Kirchenmusik, und wie der Glaube zum Klingen kommt. Hunderttausende, die in Kirchen- oder Gospel-Chören singen, die mit ihrer Posaune zu Kirchentagen fahren oder mit ihrer Band den Jugendgottesdienst begleiten, sie alle erfahren, was ich mit meinem Kumpel in Frankreich erlebt habe: Musik verbindet, Musik macht Spaß, Musik baut Unterschiede ab, Musik ist eine eigene Sprache.
Die Bibel sagt dazu in Psalm 98: „Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“ Musik ist also eine wunderbare Sache! Sie trägt zum Lob Gottes bei und zur Verständigung des Menschen. Und das soll man immer wieder aufs Neue, mit alten und mit neuen Klängen zum Ausdruck bringen.
Pfarrer z. A. Christoph Urban, Trier
Erstellt von: Christoph Urban [0] am 19.01.2012 15:15 -
Augenhöhe finden
„…und natürlich denkt man viel jetzt über die Bibelstelle nach, derjenige, der ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein und alle gingen bei dieser Steinigung…“. Aufmerksam habe ich Mitte der Woche das Interview mit dem Bundespräsidenten verfolgt.
Mehr ......Es mag eine komplexe Rechtsmaterie sein, doch der Verweis auf die biblische Geschichte blieb mir im Kopf, so dass ich diese in Gänze durchlas.
Eine Frau wird von den Pharisäern beim Ehebruch erwischt und zu Jesus gebracht, er solle für ein Urteil sorgen. Und Jesus sitzt gelassen da und schreibt etwas in den Sand. Die Pharisäer klagen weiter und Jesus richtet sich auf und sagt ihnen ins Gesicht: „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie.“ Und bückt sich wieder, schreibt in den Sand.
Die Menschen gehen weg. Die Frau und Jesus bleiben allein zurück. Er richtet sich wieder auf und fragt die Frau:“ Wo sind sie, Frau? Hat dich niemand verdammt?“ - „Niemand“, sagt die Frau und Jesus sagt: „So verdamme ich dich auch nicht; geh hin und sündige hinfort nicht mehr.“ Mir fällt auf: Jesus schaut den Menschen in die Augen. Den Pharisäern und der Ehebrecherin begegnet er aufgerichtet. Er stellt im Konfliktfall Augenhöhe her.
Das finde ich bemerkenswert daran. Und je länger ich darüber nachsinne, denke ich: das tut jedem Konfliktfall gut, ob öffentlich oder privat. Augenhöhe braucht es in jeder Diskussion und jeder ethischen oder moralischen Auseinandersetzung. Sich um Augenhöhe bemühen und respektvoll behandeln hilft, Konflikte zu lösen und künftig zu vermeiden. Und das Schöne ist: Augenhöhe finden ist eine Empfehlung für beide Konfliktparteien.
Pfarrerin Vanessa Kluge, Ehrang
Erstellt von: Vanessa Kluge [0] am 05.01.2012 10:32 -
Noch Platz unterm Baum?
„Weihnachten wird unterm Baum entschieden!“ tönt es aus der Werbung und lenkt meinen Blick auf die Geschenke.
Mehr ......Ist ja auch interessant, was da an Weihnachten verschenkt werden kann: Vom gebrauchten Tankdeckel für die Harley bis zum weihnachtlich verpackten Hundefutter mit Schleifchen, von der Eintrittskarte für das Fußballspiel bis zum Gutschein für die Fußpflege, vom Wochenende ohne Kinder bis zum Wochenende mit Kindern.
Das lässt mich erahnen, dass Geschenke wertvoll werden durch ihre Bedeutung für den Beschenkten. Darum gehört für mich unter den Baum als Geschenk eine Geschichte, die mit der Anrede beginnt: „Fürchtet euch nicht“ und die heute wie damals Licht in die Dunkelheit bringt, weil sie von Liebe und Leben kündet und mich bewegt, von dieser Liebe in die Welt zu tragen. Das Besondere an der Geschichte ist aber, dass sie sich auch den Dunkelheiten dieser Welt stellt, indem das Kind in der Krippe die Erfahrungen unseres Menschseins teilt, auch die Erfahrungen der Bedrohung bis hin zum Tod und indem diese Geschichte nicht im Großen Haus, sondern auf einer Provinzbühne spielt. Das ist Hoffnung auch für jene, denen sonst gar nicht weihnachtlich zumute ist, weil ihre ganz persönliche Bilanz gegen Ende des Jahres eher düster ausfällt.
Für mich ist diese Geschichte das eigentliche Geschenk zu Weihnachten. Und darum hat diese Geschichte ihren Platz unter meinem Baum. Mehr braucht es eigentlich nicht, um ein gesegnetes Christfest zu werden. Es braucht aber auch nicht weniger. Und dann stimmt es ja doch: Weihnachten wird unterm Baum entschieden. In diesem Sinne: Gesegnetes Christfest!
Christoph Pistorius, Superintendent, Trier
Erstellt von: Christoph Pistorius [0] am 23.12.2011 12:47 -
Wie ich mal einen Promi getroffen habe...
...und was das mit Advent zu tun hat.
Es war auf dem Kirchentag in Dresden, ich laufe durch das Pressezentrum, ein Gebäude mit ziemlich vielen Gängen, Treppenhäusern und Türen.
Mehr ......Da sehe ich einen Mann, der den Gang entlang geht, er geht wieder zurück, schaut sich verschiedene Türschilder an, öffnet eine Tür, schließt sie wieder, geht in eine andere Richtung. Ich spreche den Mann an, den ich bisher nur von hinten gesehen habe: „Kann ich helfen? Sie sehen so suchend aus!“ Der Mann dreht sich um und ich erkenne, es ist der Bestsellerphilosoph Richard David Precht. Wow, ein Promi!
Mir schießen sofort Gedanken durch den Kopf. Wie ich zu Hause erzähle, wen ich getroffen habe, und wie ich dem hilflosen Richard David Precht geholfen habe, im verwinkelten Kulturpalast den Weg zu finden. Und dass wir vielleicht noch ein kurzes, tiefsinniges Gespräch führen könnten. Denn so einer ist natürlich ein Philosoph durch und durch, und jedes Wort, das die Lippen dieses Mannes verlässt, es muss philosophischer Natur sein. – Während ich so dachte, sprach er: „Ich bin nicht suchend, ich bin wartend, danke.“ Drehte sich um und verschwand im nächsten Gang.
Advent ist die Zeit des Wartens, des Wartens auf Gott, des Wartens auf Erlösung. Ich muss gestehen, ich habe mit dem Warten so meine Probleme. Ich bin etwas ungeduldig. Wir warten aufs Christkind, das klingt beschaulich. Andererseits: es sich angesichts einer nach Erlösung schreienden Welt so richtig behaglich zu machen, kommt mir komisch vor. Schon besser finde ich da den Philosophen im Pressezentrum. Sein Warten ist ein suchendes Warten, ein neugieriges Warten, ein umtriebiges Warten, das einen Weg geht, auch mal einen zurück, eine Tür probiert und wieder verwirft. – Also Warten wir ruhig aufs Christkind, aber bis es kommt, gilt es: Türen öffnen und Wege testen.
Pfarrer z. A. Christoph Urban, Trier
Erstellt von: Christoph Urban [0] am 17.12.2011 22:41 -
Mantel der Gerechtigkeit
Bei Jesaja, Kapitel 61, Vers 10 heißt es: »Ich freue mich im Herrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mir die Kleider des Heils angezogen und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet!«
Das ist die richtige Kleidung für den Advent.
Mehr ......Die Kleider des Heils und der Mantel der Gerechtigkeit. Die halten nicht nur warm – an denen werden wir erkannt. Diese Kleider – wenn wir sie denn angezogen haben – machen uns zu etwas Besonderem. Nicht länger sind wir nur ein Tropfen im Meer der Völker, sondern Kinder des Vaters im Himmel. Wir zeigen ihm – Gott- damit, dass wir zu ihm gehören wollen. Wir zeigen anderen Menschen um uns herum ebenfalls damit, dass wir zu Gott gehören. Es ist wie ein getragenes Bekenntnis.
Wenn Sie gefragt werden: Ja, wie sehen die denn aus, die Kleider des Heils, und wie ist er geschneidert jener Mantel des Gerechtigkeit, dann werden Sie nicht die Stoffqualität und ein Design beschreiben können. Es ist ein Glaubenskleid, das Sie über Ihrer Alltagskleidung tragen, unsichtbar und doch unübersehbar, nicht fassbar, aber strahlend – als ein Teil Ihres Wesens, gewebt aus Glaube, Hoffnung, und Liebe – ein getragenes Bekenntnis – ein Geschenk von Gott. So gekleidet lasst uns ihn empfangen, wenn das Lied uns fragt: Wie soll ich dich empfangen? In diesem Kleid und in diesem Mantel. Amen
Pfarrer Klaus Milde, Bernkastel-Kues
Erstellt von: Klaus Milde [0] am 09.12.2011 15:43 -
Frühling im Advent
„Frühling im Advent“, dieser Gedanke schoss mir durch den Sinn als ich auf dem Stamm einer Fichte sitzend die Äste einer nach dem anderen mit der Handsäge vom Stamm abtrennte. Die Sonne schien so warm, dass ich im T-Shirt weiter arbeitete.
Mehr ......Die wärmende Nachmittagssonne, die blühenden Geranien in einer geschützten Ecke vor dem Haus, der Löwenzahn, die Primeln und die Sommerblumen auf den Gräbern in der Höhenlage von 550 Meter über NN, da kommt bei mir nicht nur Freude auf. Aber nicht nur die Blumen blühen zur „Unzeit“. Buchen und Fichten produzierten zu viele Samen und litten besonders unter der Trockenheit.
Förster sprechen von dem trockensten Jahr seit neuen Jahrzehnten.
Mir führen die Beobachtungen vor Augen, dass der Klimawandel bis in die kleinen Dinge des Alltags sichtbar und fühlbar ist. Ebenso verändern sich die Rahmenbedingungen für die Nutzung unserer Naturprodukte.„Frühling im Advent“ weist mich auch auf die Bedeutung des Adventes hin: Vorbereitung und Einstimmung auf das Kommen des Sohnes Gottes. Der Advent ist eine Zeit der Besinnung auf das, was gemessen an den Geboten richtig oder falsch läuft, im eigenen Leben und in der Gemeinschaft.
Wie stimme ich mich auf die Geburt Jesu ein? Zeiten der Ruhe und Stille auch mitten im Trubel des Alltags gehören dazu. Mit anderen über meine Beobachtungen ins Gespräch kommen ebenso.Klimawandel und die folgen haben etwas mit Advent zu tun, nämlich dem nachdenken darüber, wie gehe ich, wie geht die Gesellschaft mit Göttes Schöpfung um. Was kann ich tun, für ein schöpfungsgerechtes Handeln, wie kann ich mich gesellschaftlich und politisch einsetzen? Welche Projekte unterstütze ich mit meiner Spende? Brot für die Welt bietet ein breites Spektrum an. „Seht die gute Zeit ist nah, Gott kommt auf die Erde, kommt und ist für alle da, kommt, dass Friede werde.“ Dieser Vers aus einem Adventslied stimmt mich froh, trotz „Frühling im Advent.“
Elke Füllmann-Ostertag, Pfarrerin, 54422 Börfink
Erstellt von: Elke Füllmann-Ostertag [0] am 02.12.2011 11:01 -
Nichts vergessen?
Ein neblig-trüber, kalter Tag im November. Ist es eigentlich noch Tag oder schon Abend? Nichts zieht mich nach draußen. Doch was hilft's? Der erste Advent steht an, Weihnachten folgt auf dem Fuße. Meine bisherigen Vorbereitungen halten sich in Grenzen, also wage ich mich hinaus.
Mehr ......In der Stadt schieben wir uns weiter: voller Hektik die Einen und schon in gemütlicher Weihnachtsmarktstimmung die Anderen. Geschenke für die Lieben. Fressbuden. Glühwein.
Inzwischen ist es richtig dunkel geworden. Hier aber dominieren Lichterketten, dunkles Grün und tiefes Rot das Bild. Mitten in diesem vorweihnachtlichen Trubel eine andere tiefrote Schleife: „Ich habe AIDS – nicht vergessen!“
Nicht nur der Advent steht vor der Tür, nein, auch der Welt-AIDS-Tag am 1. Dezember.Solch ein Thema im Advent? Nun, aktuell ist es leider das ganze Jahr über: Angesichts von immer noch täglich etwa 8 Ansteckungen in Deutschland ist HIV/AIDS auch hier nicht „erledigt“, von der Lage anderer Länder ganz zu schweigen.
Wir gehen auf Weihnachten zu; auf das Fest, an dem Gott in die Welt kam. Er wurde geboren als uneheliches Kind eines Paares, das in dem Moment obdachlos war. Gott kam zu denen, um die sich sonst keiner kümmerte.
Advent ist eine besondere Zeit: für Besinnung bei Kerzenschein, aber auch für Nachfolge. Zeit für einen genauen Blick auf alles, was Leben bedroht - wie HIV/AIDS. Zum Welt-AIDS-Tag gibt es viele Möglichkeiten, sich zu informieren oder Solidarität mit den Opfern zu zeigen. Ein ökumenischer Gottesdienst zu diesem Thema findet schon am 30.11. abends in der Konstantin-Basilika statt.AIDS – nicht vergessen...
Vikarin Cornelia Stock, Trier
Erstellt von: Cornelia Stock [0] am 25.11.2011 12:49 -
Schuldenkrise und Glaubenskrise
Volkstrauertag und Buß- und Bettag stehen in diesem Jahr im Zeichen der Schuldenkrise. Sie beunruhigt derzeit viele Menschen. „Sind unsere Ersparnisse sicher?“ lautet die bange Frage. „Müssen wir für die Verantwortungslosigkeit Anderer zahlen?“ lautet eine weitere Frage.
Mehr ......Wie jede Krise ist die Schuldenkrise ein Ruf zur Besinnung und zur Umkehr. Auch bei uns in Deutschland gibt es ein Schuldenproblem auf allen Ebenen des Staates. Leben nicht auch wir über unsere Verhältnisse? Verzehren nicht auch wir über Staatsschulden bereits jetzt die Zukunft unserer Kinder?
Die Schuldenkrise offenbart eine Glaubenskrise. Denn wer keinen Glauben hat, ist geneigt, die Bedürfnisse von heute über die Erfordernisse von morgen zu stellen. Haben wir in unserem Land nicht allzu schnell vergessen, dass der Ostblock an seinen Schulden 1989 zugrunde gegangen ist?
Die Schuldenkrise sollte Anlass sein, einfache Wahrheiten in Erinnerung zu rufen: Auch unser Staat kann nur das ausgeben, was von seinen Bürgern erarbeitet wurde. Bei allen Ausgaben sollte gefragt werden, ob sie der Zukunft langfristig dienen. Der Glaube leitet dazu an, in allem das richtige Maß zu behalten und auch die Kinder und Enkelkinder in den Blick zu nehmen.
Auf allen Kanälen wird jedoch den Menschen vermittelt, man könne auch ohne besondere Anstrengung ein Leben im Wohlstand führen und sollte lieber jetzt das Leben genießen als es auf später zu verschieben. Dies verführt viele Menschen zu maßlosem Anspruchsdenken. Gott hat aber die Welt so eingerichtet, dass wir für unser tägliches Brot „im Schweiße unseres Angesichts arbeiten“ müssen (1. Mose 3). Allein für das ewige Leben brauchen wir uns nicht abzuplagen, weil es uns um Christi willen geschenkt wird. Aber gerade durch diese Gewissheit des Glaubens brauchen wir uns nicht länger bei Konsumgütern gegenseitig zu überbieten. Der Wert unseres Lebens hängt nicht davon ab. Der Glaube befreit uns zugleich von lähmenden Zukunftssorgen. Noch ist es nicht zu spät, das Steuer herumzureißen!
Pfarrer Thomas Berke, Mülheim (Mosel)
Erstellt von: Thomas Berke [0] am 11.11.2011 12:18